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Kategorien > Fast wahr > Beinahe

Mit einer Packung frischer Nüsse und eine Ausgabe

von Moritz Bukatz

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Mit frischen Nüssen und einer Ausgabe von "Readers Digest" ausgerüstet war ich bereit meinen freien Sonntag im Park zu genießen. Ich nahm die District Line um in die Nähe des Green Parks zu kommen (die Circle Line war aufgrund der Schulferien geschlossen) und fuhr den Restweg mit dem Bus.
An der Green Park Station angekommen stieg ich mit einer Gruppe französischer Touristen aus und ging durch eines der vielen Tore in den Park.
Ich wollte nicht allzu weit von der Straße entfernt sitzen, aber jedoch so weit, dass ich dem typischen Lärm der Großstadt entfliehen kann. Dank der Bäume ging dies schnell, und obwohl ich schon unzählige Male in dem Park war, überraschte mich diese abrupte Stille immer wieder.
Als ich eine gut gelegene, freie Parkbank fand, machte ich es mir bequem und schloss für einen Moment die Augen. Doch dies wurde mir leider nicht lange gegönnt, denn die französische Touristengruppe, eine klischeehafte Familie mit Mami, Papi, großer Schwester und kleinem Bruder, hatten wohl auch eine Erholungspause mitsamt Picknick und Fußball nötig.
Laut lachend und Französisch sprechend breiteten sie ihre Picknickfläche keine drei Meter von meiner auserwählten Bank aus. Ich wartete noch ein paar Minuten, versuchend mich zu entspannen, doch mir fällt es leider außerordentlich schwer abzuschalten.
Also schlug ich die Augen wider auf und machte mich daran die Nüsse auf dem Boden zu verteilen. Nach einigen Sekunden kamen bereits die ersten Eichhörnchen. Ich war ganz vertieft in die Fütterung der kleinen Tiere, dass ich umso mehr aufschreckte, als eine raue Stimme neben mir ertönte.
"Ziemlich stressiger Beruf, den Sie haben, oder?
Ich zuckte dermaßen zusammen, dass ich zufreuden der Eichhörnchen die Hälfte der Nüsse verlor, die ich in meiner Handfläche hielt.
"Oh, tut mir Leid. Ich wollte Sie nicht erschrecken."
"Ich war vertieft...kein Problem.", antwortete ich.
Die Stimme gehörte einem Mann mit einem weißen Vollbart. Jedenfalls wäre es das einzige Merkmal, mit dem ich ihn beschreiben kann.
Im Nachhinein erinnere ich mich kaum an ihn. Das einzige, was mir in der Erinnerung blieb, ist, dass seine Aura, auch wenn ich nicht an so ein "Schakra und Karma"-Zeug glaube, WEIß war (hatte er einen weißen Anzug an??? Wohl kaum, denn dann würde ich mich wohl daran erinnern. So etwas sticht dann doch sehr ins Auge).
Er saß neben mir auf der Bank und lächelte mich mit einem "großväterlichen Lächeln" an.
"Was meinten Sie eben mit meinem Job?", fragte ich ihn, da er recht freundlich wirkte.
"Der muss ziemlich stressig sein, denn ich glaube kaum, dass Sie hier auf der Bank sitzen und die Nager aus reiner Tierliebe füttern."
Seine Augen funkelten in dem Moment (wie kann man seine Augen zum Funkeln bringen?).
Ich fragte warum dies so abwegig sei.
"Weil Sie der falsche Mensch für so etwas sind.", antwortete der Alte.
Ich kann mich noch nicht einmal an sein Alter erinnern. Ich weiß nur, dass ein Kind ihn alt nennen würde.
"Woher wollen Sie wissen, was für eine Art Mensch ich bin? Ich bin mir sicher, ich kenne Sie nicht. Es wäre natürlich auch möglich, dass mein Gedächtnis mich langsam verlässt."
Er hörte auf zu lächeln, sah aber immer noch so freundlich aus, dass es egal schien, was sein Mund tat.
"Das tut es nicht." -Kurze Pause "Nein. Aber Sie haben mir noch nicht geantwortet."
"Ja. Manchmal zu stressig für mich. Wenn es so weiter geht schaffe ich es nie bis 50."
Nun lächelte er wieder. Es war das ehrlichste Lächeln, was ich je gesehen habe.
Ich musste kurz auch lächeln, doch das hielt nicht lange an, denn schon flog ein Fußball an meinen Hinterkopf.
Kurze Orientierungslosigkeit-dann Wut. Ich drehte mich um und sah die Touristen wütend an. Die Kinder spielten einfach weiter und die Eltern schienen so in ihr Studium des Busplans vertieft, dass sie nicht mitbekamen, was ihre Kinder taten.
Gereizt drehte ich mich wieder um und sagte, dass es viel zu viele Touristen in dieser Stadt gäbe.
"Wenn es nach mir ginge könnten die schnell ihre Sachen packen und verschwinden."
Als hätten sie mich gehört, rief die Mutter ihren Kindern etwas auf Französisch zu, worauf die ihren Eltern halfen einzupacken. Kurz darauf nahmen sie den gleichen Weg zurück, auf dem sie, so ich auch, gekommen waren.
"Die können mich doch unmöglich gehört haben, oder?", fragte ich. Es war mich jedoch egal, ob ich unhöflich war oder nicht.
"Wohl kaum."
Danach folgte eine kurze Pause.
Ich ließ ein Eichhörnchen aus meiner Hand fressen und machte mir im Hinterkopf Gedanken über Tollwut.Als würde ich damit den Gedanken verscheuchen können schüttelte ich den Kopf.
Der Gedanke verschwand nicht, das Eichhörnchen schon.
"Lesen sie gerne Märchen?", fragte mich meine Gesellschaft.
"Ich bin nicht so derjenige, der auf Nostalgie und das alte Klassische steht. Warum?"
Statt auf meine Frage einzugehen, sagte er: "Sie kennen sicherlich das berühmte >Du hast drei Wünsche frei<."
Wer nicht? Ich nickte.
"Wie würden sie reagieren, wenn ich ihnen sagen würde, dass so etwas nicht soweit her geholt ist, wie man denkt?"
"Sie meinen so wie >Ich wünsche mir, dass ich auf dem Boden einen Klumpen Gold finde<."
Er antwortete nicht, sondern zeigte nur unter die Bank. Ich grinste.
"Sehen Sie nach!"
Ich war mir sicher, dass dort nichts sein wird, doch nur um ihm den Spaß zu gönnen, sah ich hin - und das was ich dort sah war unglaublich.
Ich sah wieder auf. Er betrachtete mich und lächelte - wenn er das nicht die ganze Zeit getan hat.
Um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht versehen habe, obwohl ich schon wusste, dass es nicht so war, blickte ich erneut unter die Bank.
So unglaublich es schien-dort lag ein Klumpen Gold.
"Sie- Sie waren auch für das verschwinden der Touristen verantwortlich!"
Er sagte nichts.
Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Musste ich auch nicht, denn er nahm es mir ab.
"Einer ist noch übrig."
"Sie meinen ich soll mir 'was wünschen. Einfach so?"
"Einfach so!"
Ich musste lachen.
"Haben Sie ihren Zauberstab und die Feenflügel zu hause vergessen?"
Da lachte er auch.
"Aber mal im ernst: Wer sind Sie? So etwas wie eine Fee bezweifle ich."
Da hörte er auf zu lachen. Und urplötzlich wurde er so ernst wie es unmöglich war ihn sich vorzustellen.
"Ich gebe Ihnen eine einmalige Chance. Etwas wofür die Leute alles geben würden. Stellen Sie keine Fragen! Es gibt Dinge auf dieser Welt, von denen es gut ist, dass sie unbekannt sind."
Erschrocken von der plötzlichen Kälte war ich einige Sekunden überrumpelt.
Dann gewann ich die Fassung zurück und fragte:
"Und was ist, wenn ich mir wünsche zu wissen, wer Sie sind?"
Dann lächelte er wieder. Ehrlich wie eben.
"Ich habe wohl vergessen die Regeln festzulegen. Nein, nein...so leicht ist das nicht."
"Schade.", sagte ich und lachte.
"Aber Sie möchten doch sicher bald eine Antwort haben, oder?"
"Überlegen Sie es sich. Es ist eine der schwersten Aufgaben, zu sagen, was man sich am

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Kommentare

Moritz Bukatz schrieb am 2010-11-19 17:16:15:
Dankeschön ;-)
Ich freue mich, dass es dir gefallen hat.
pinkyrose schrieb am 2010-11-18 19:56:06:
Hallo!

Locker und leicht zu lesen, ohne großartige Schnörkeleien und dergleichen, hat mir gut gefallen.
Die Hinführung zu dem, wer der Alte ist und was seine Gabe - ich nenne es mal so - ist, fand ich auch sehr gut, ohne es großartig...zauberermäßig oder unrealistisch wirken zu lassen, das fand ich gut, genauso wie die Pointe am Ende ;)
Aber immerhin, sein Wunsch wurde wahr, man weiß halt nie, wann's vorbei ist.

Liebe Grüße
pinkyrose

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