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Kategorien > Kurzgeschichte > Gedanken

Mitten im Sommer

von Rommee

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Melancholie. Und das mitten im Sommer. Draußen zischen grelle Blitze durch die stickig schwüle Luft. Nichts? In mir bleibt es regungslos. Soll es regungslos bleiben. Ruhe. Rast.
Dampfender Kakao und das bei 30 Grad im Schatten. Mohnbrötchen und “Siehst du das genauso” von den Sportfreunden Stiller. Die Zeit ist lange vorbei. Hat mich eingeholt. Plötzlich. Ohne weiter zu fahren. Beschleicht mich in der Nacht.
Da sitze ich dann in halber Dunkelheit, an mir vorbei, an meinem Fenster vorbei blitzen und zücken die grellen Lichtstreifen. Rumort. Wieder Blitze. Dann will ich sie von mir wegstoßen: die bunten Gedanken, das Lachen, die Sonne, die knalligen Gitarren der Beatsteaks oder Strokes. Hoffe das es kein Donner war, sondern der Aufprall der Verdammten auf dem Grund des Hades. Was ist nur los mit mir? Himmel und Hölle tauschen die Plätze. Faust wird Mephisto, Mephisto zu Faust und Goethe eine belanglose Nebenrolle. Bricht jetzt die Welt zusammen oder rückt sie sich gerade?
Strebend nach leisen und unperfekten Tönen. Nach Vergangenheit. Unnützem Schulterklopfer. Wo ist die Unbeschwertheit hin, ohne krampfhafte Hoffnung, dem Trübsinn frönen zu können? Bei Mandala, Kinderschokolade und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Verschütt im ganzen, elenden groß darin sein, etwas Großes zu sein.
Und die Liebe? Wo ist die? Wo sind die Gänseblümchen, die Schwarzweiß-Fotos, die handgeschriebenen Briefe, die bei heißem Tee in großen Tassen mit dreckig, salzigen Wassertropfen versalzen werden. Wo sind die Altweibersommer-Balkonnächte mit Rotwein, tränenreichen Großstadtgeschichten und leichtem Frösteln? Das Gekicher, das Hände drücken, das U-Bahn fahren?
Es dreht sich alles so schnell. Nur wohin? Wohin? Anhalten. Kettenkarussell halt an. Lass mich von dem Feuerwehrauto absteigen, dass geradeaus in den nächsten Notfall saust. Im Dauereinsatz. Wie geht’s? Wo gehst du hin?
Eine Komödie mit bitterem Beigeschmack. Fröhliche Schauspieler ohne jegliche Fröhlichkeit. Demokratie ohne Demokraten. Endet im Crash. Auch im Neuanfang?
Der Rausch der unendlichen Freiheit, der Verantwortung, der Rausch der weiten Wege, die das Cabrio rollt. Wie von selbst über sonnengefluteten Asphalt.
Verpufft in Intrigen, Rache, Hass. Hetze.
Und das - mitten im Sommer.

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