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Kategorien > Tiere > Ein Tiger verteidigt sich

Montecore

von Tina

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Montecore ist der Tiger von den Zauberern Siegfried & Roy. Er hatte Roy damals nicht angegriffen,
wie in den Medien behauptet wurde, sondern gespürt, dass Roy einen Schächeanfall bekommen würde und wollte ihm helfen. Roy selbst hatte es in einem Fernseh-Interview so erzählt. "Montecore's Verhalten bleibt rätselhaft", hieß es in einem Zwischenbericht während des Interviews. Ich nahm das zum Anlass, ihn selbst erzählen zu lassen, wie der Unfall sich zugetragen hatte. Die Informationen dazu habe ich aus dem Interview und den Zwischenberichten entnommen. Dort wurde mithilfe einer Computersimulation rekonstruiert, was an dem Abend passiert war.

Ich bin ein 9-jähriger, schwarz-weißer Tiger, der in einer Umgebung geboren wurde, in der es neben anderen Tieren auch einige Menschen gibt. Meine leibliche Mutter hatte mich abgelehnt, sie wollte mit mir nichts zu tun haben. Ich durfte nicht einmal bei ihr Milch trinken und dabei war ich doch so hungrig.

Zum Glück kam ein Mensch regelmäßig zu mir, nahm mich auf seinen Arm und gab mir Milch in einer Nuckelflasche. Dieser Mensch heißt Roy, wie ich später erfuhr. Ich spürte, dass er mich sehr lieb hatte, denn er streichelte mich viel. Er gab mir den Namen Montecore.

Als ich größer wurde, lernte ich seinen Arbeitsplatz und seinen Partner Siegfried kennen. Beide sind Zauberer und stehen jeden Abend auf einer Bühne, um vielen anderen Menschen zu zeigen, was sie können.

Im Laufe der Jahre entstand zwischen Roy und mir eine enge Bindung. Ich durfte bei den Bühnenshows mitwirken und habe viel von ihm gelernt. Ich habe ihm viel zu verdanken, denn wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich vielleicht gestorben. Und ich habe mir geschworen, auf meinen Lieblingsmenschen gut aufzupassen.

Siegfried und Roy sind sehr berühmt und haben viele Freunde, die ihre Zaubershow zweimal pro Tag sehen wollen. Aber an einem Tag war einiges anders. Roy hatte wohl am Vorabend mit Freunden gefeiert, jedenfalls roch er ein bisschen nach Alkohol und war nicht so gut beieinander. Die erste Show lief aber normal ab.

Später, in der zweiten Show, spürte ich deutlich, dass etwas mit ihm geschehen würde. Er selbst ahnte es wahrscheinlich nicht, denn sonst wäre er auf mich eingegangen. Wie üblich holte er mich auf die Bühne, um mich seinen Freunden zu zeigen, die unten auf ihren Plätzen saßen.

Als wir an der kreisförmig markierten Stelle ankamen, wurde ich unruhig, denn die Alarmsignale, die ich von Roys Körper vernahm, wurden stärker; und da wir beide allein auf der Bühne waren und ich zu den Menschen, die unten saßen, nicht hinkonnte, musste ich selbst handeln.

Roy wunderte sich darüber, dass ich seine Befehle ignorierte und gab mir Handzeichen, mit denen er mir befahl, mich hinzulegen. Hinlegen, diese Haltung wäre für Roy wichtiger gewesen. Aber wie sollte ich ihm beibringen, dass besser ER sich hinlegen sollte, statt ich? Schließlich kann ich nicht sprechen.

Ich versuchte es mit Gestik und schnappte behutsam nach seinem rechten Arm, um ihn zu mir herunter zu ziehen. Roy ist sehr groß und er geht auf zwei Beinen, das ist anstrengender, als auf vier Beinen zu gehen. Wenn er in dieser Haltung umfällt, kann er sich sehr wehtun, denn der Boden ist hart.

Er war verwundert und zugleich verärgert darüber, dass ich nicht so handelte, wie er es gewohnt war. 'Setz dich doch wenigstens hin, Roy. Tue es für mich', dachte ich verzweifelt, aber er verstand mich nicht. "Montecore, lass meinen Arm los!", befahl er. Natürlich musste ich ihm zeigen, dass nicht ICH derjenige war, der außer Kontrolle geriet.

Trotzdem wartete ich noch einige Sekunden, denn der Zeitpunkt des Schwächeanfalls, den Roy bekommen würde, war schon sehr nahe, und wenn ich ihn sofort losgelassen hätte, wäre er aus seiner momentan gebückten Haltung wieder herausgegangen und das durfte ich nicht zulassen.
Als er dann den Schwächeanfall bekam, ließ ich ihn los und er fiel auf sein Hinterteil. Dann kippte er nach hinten um und lag flach auf dem Boden. Da er jetzt dringend Hilfe brauchte, beschloss ich, ihn von der Bühne wegzubringen. Ich hielt ihn mit den Zähnen am Schulterbereich fest und schleifte ihn den gewohnten Weg zurück zum hinteren Bühnenbereich.

Dort angekommen wurde ich plötzlich mit weißem Schaum bespritzt. Ich hatte mich richtig erschrocken. Die anderen Menschen wollten, dass ich von Roy weggehe. 'Ist ja gut. Ich tue ihm doch nichts', dachte ich und entfernte mich etwas von ihm. Plötzlich sah ich, dass er stark blutete.

Zahlreiche Menschen kümmerten sich um Roy und alle waren sehr aufgeregt. Ob ich ihm diese Wunde beigebracht hatte? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich hatte ich irgendetwas falsch gemacht, denn niemand bedankte sich bei mir, dass ich meinem Lieblingsmenschen geholfen habe.

Stattdessen wurde ich in meinen Käfig bugsiert, obwohl ich lieber bei ihm geblieben wäre. Ich weiß nicht, wie lange ich in diesem Stangenkasten auf- und abgegangen war und dabei an Roy dachte. Ich machte mir große Sorgen um ihn.

Nach diesem Vorfall habe ich ihn eine sehr lange Zeit nicht gesehen. Niemand hatte mir gesagt, wie es Roy geht und ob wir wieder zusammen arbeiten würden. Als ich ihn dann später wiedertraf, saß er in so einem glänzenden Ding mit Rädern dran. Diese Bühnenshows haben wir danach nicht mehr gemacht, aus welchem Grund auch immer. Aber Roy mag mich immer noch, dass spüre ich. Ich wohne jetzt Tag und Nacht in diesem Gehege, das die Menschen "Secret Garden" nennen und manchmal wünschte ich mir, das alles wäre nie passiert.

E N D E

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Kommentare

ilona + lydier schrieb am 2008-12-05 18:38:12:
Hallo, ich finde die Geschichte ziemlich schön! Aus der Perspektive habe ich den Fall gar nicht gesehen, aber vielleicht hast du Recht!?

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