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Kategorien > Alltag auf meiner Art > Saufen

Morgens halb zehn in Deutschland

von Blindi

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Morgens halb zehn in Deutschland

Ein heller Schein dringt durch die geschlossenen Augenlider, fährt über Nerven und Netzhaut ins Gehirn, aufwachen, aufwachen! Was? Es ist hell, es ist Tag, aufwachen! Was, schon...? Mühsam öffnen sich die Augen. Weißes Licht sticht durch die Augäpfel ins Schädelinnere. Stöhnen. Mühsam richtet sich der Körper auf und zu dem stechenden Schmerz gesellt sich ein dumpfes Pochen. Hände legen sich über die schmerzenden Augen, schützen vor dem hellen Tageslicht.
Aufstehen. Vorsichtig. Die schweren, schon fast gefühllosen Beine auf die Erde stellen und sich langsam erheben. Vorsichtig ein paar Schritte gehen, der Flasche ausweichen, autsch! Endlich die rettende Wand, Schwindel, ein flaues Gefühl im Magen, das wächst und wächst. Raus hier, raus aus dem Müll, aus dem Gestank, aus der Kotze! Abstoßen von der Wand, zur Tür, zur Tür, stolpern, taumeln, ausweichen, überall liegt irgendwas, trotzdem, nur raus, nur raus, das flaue Gefühl im Magen wächst sich aus zu einem handfesten Brechreiz. Kreidebleich, die Hände auf den Mund gepresst, Schweiß auf der Stirn und Tränen in den Augen durch die Tür. Das Klo. Das Klo? Schnell vorwärts, doch der Fuß... Der Raum verlagert sich, die Wand steigt nach oben, während der Boden rasend schnell näher kommt.
Schmerz. Funkelnde Sterne und etwas Flüssiges...und plötzlich der Würgereiz. Brocken in etwas Dünnflüssigem verteilt, verlassen den Mund, laufen über die Lippen den Hals hinunter. Was...? Gestank, ekelerregender Gestank. Schnell die Klobrille hoch und dann kotzen und würgen und kotzen und stinken mit dem Kopf im Klo, bis nichts mehr da ist. Dann erschöpft zur Seite fallen, die Stiefel noch im Dreck. Langsam zur Besinnung kommen. Schmerz. Was tut weh? Das Gesicht abwischen. Rot. Blut? Aufstehen. Den vollgesifften Pulli zu der Kotze ins Klo schmeißen. Zum Spiegel gehen, hineinschauen. Augen, die nur noch Löcher sind, starren aus einer kalkweißen, mit roten Rinnsalen durchzogenen Fläche zurück. Scheiße! Der seelenlose Körper zerspringt in tausend Stücke und die Augenlöcher stieren aus tausend Scherben zurück. Rote Fäden ziehen sich über die rechte Hand. Egal. Zur Tür. Der Gestank wird unerträglich und diese Augen, diese Löcher...nur weg, nur weg! Aus dem Zimmer raus, den Flur hinunterstolpern, taumeln, sich gegen die Haustür schmeißen, wieder fast fallen, sich doch noch fangen und weitertaumeln, blind im grellen Licht der Sonne...
Quietschen, ein langgezogener Ton, der sich wie ein Messer ins Gehirn frisst und immer lauter wird. Dann ein Schlag. Dunkelheit und Stille. Kein Gestank. Keine schwarzen Augenlöcher. Endlich... Erlösung?



© by Manuel Nordmeier

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Kommentare

Blindi schrieb am 2008-04-16 16:45:19:
Danke Danke :-)
Johannes schrieb am 2008-04-09 21:57:13:
Gefällt mir sehr gut. Obwohl du vieles unerklärt lässt, ist man nicht unwissend.
Echt sehr gut geschrieben.

Gruß Jo

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