Mutagene sind lecker
von
Raziel
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Es war wieder eine dieser Nächte. Von üblen Träumen gebeutelt saß ich auf der Bettkannt und barg mein Gesicht in Händen. Wie sollte ich das noch aushalten? Diese Träume waren das pure Grauen. Einfach entsetzlich. Kreaturen, die ich nicht definieren konnte, jagten mich. Sie schrien, geiferten, wollten mich gleichzeitig fressen und ficken. Doch, dieser Traum, war anders. Er war so viel intensiver. Ich spürte den Wind, roch das Blut -diesen schweren, eisenhaltigen Geruch- und spürte Brechreiz, bei dem Anblick der Kreaturen. Zusätzlich war da noch diese Frau. Sie hatte etwas gesagt, etwas wichtiges. "Töte dich, bevor du es erschaffst." Ihre Worte hatten sich mir eingeprägt, wie Hammerschläge in weiches Holz. Die Kreatur, die mich verfolgte, hatte auch gesprochen. Dieses unbeschreibliche Ding, mit sseinen krummen, zahlreichen Fängen, der grauen, glitschigen Haut und dem Verwesungsgestank. Seine Worte waren gurgelnd und glasklar. "Zuuuuuuuuuuu spääääääääääääääääääääääät!" Danach schrak ich hoch und war wach. Triumph, glaubte ich aus der Stimme, des Monsters, herausgehört zu haben. Für was war es zu spät? Weshalb sollte ich mich umbringen? Ich nahm meine Socken, die noch neben dem Bett lagen und stülpte sie über. Ich musste pinkeln. Während ich so aus dem Badezimmerfenster sah und ordentlich laut pinkelte, sah ich eine wolfsähnliche Kreatur an dem Fenster vorbeihuschen. Sofort zog sich alles zusammen. Der angenehme Pinkelmoment erstarb. Ich glaubte an eine Nachwirkung des Alptraums. Zumindest, bis ich die Frau schreien hörte. Ein gellender Schrei, der in ersticktem Gurgeln endete. Mein erster Gedanke: Eine Frau wird von einem wilden Hund attakiert. Sofort eingreifen. "Fuck you, Drecksvieh", rief ich wütend aus. Ich war ja wirklich ein Tierfreund. Aber, diesem Drecksköter würde ich die Visage brechen. Ich nahm das Ritterschwert, das ich mir vor zwei Jahren zugelegt hatte und rannte zur Tür hinaus. Es war natürlich kein echtes Schwert, sondern ein Immitat. Es würde also nicht sehr viel aushalten. Dennoch, besser als Nichts. Ich folgte dem knurrenden Geräusch und ließ einen wilden Kampfschrei los. Hoch erhobenen Schwertes erreichte ich den Ort des Geschehens. Im Morgengrauen konnte ich das Vieh nicht ganz erkennen. Erst, als ich näher kam, wurden meine Augen bestraft. Es drehte den Kopf und blickte mich an. Milchig-weiße Augen, ohne Pupillen. Es war mindestens so groß wie ich und hatte eine bullige Statur. Sein ganzer Körper schien irgendwie aus der Form geraten. Braun-grüne Haut, die von schleimigen Tumoren überdeckt war. Das Hundeding wendete sich wieder seinem Mahl zu und zerkaute ein Bein. Lautstark und mühelos zermalmten seine Zähne den Oberschenkelknochen. Beinahe hätte ich das Schwert fallen lassen. Ich bestand nur noch aus Entsetzen, konnte mich nicht rühren. Mein Mütchen verließ mich sehr schnell. Ich konnte ohnehin nichts mehr tun. Die Hälfte, der Frau, war nicht mehr da. Mit unglaublicher Kraft gewann ich die Kontrolle zurück und rannte zu meiner Wohnung zurück. Mein Herz raste ebenso wie meine Gedanken. Was war das? Ein mutierter Hund? Ein fehlgeschlagenes Genexperiment? Es sah aus, wie die Wesen aus meinen Träumen. Ich zitterte am ganzen Leib, als ich in der engen Gasse, die zu meiner Wohnung führte, stehen blieb und mich lautstark übergab. "Ich habe dir doch gesagt, dass er bestimmt Stil hat. Sieh dir nur dieses wunderschöne Muster, in seiner Kotze an, Liebling!" Die Stimme kam von jemandem, der hinter mir stand. Sie war männlich. Schnell rappelte ich mich auf. Ich musste sie warnen. Dieses Hundeding war garantiert noch in der Nähe. "Wie recht du hast", sagte eine weibliche Stimme. Was ich dann sah, brachte mich erneut zum Kotzen. Es waren wieder zwei Horrorwesen. In der Morgensonne konnte ich jede Einzelheit erkennen. Es war offensichtlich ein Paar. Sie hatte Haarreste auf dem verformten Kopf. Ihr Haifischgrinsen, welches vier Reihen messerscharfer Zäne entblößte, hielt mich gefangen. Ein unförmiger Klumpen lag in ihren Armen und nuckelte eine eitrige Substanz aus ihrer Brust. Das männliche Ding war um einiges größer. Sein Körper war ganz fahl und ausgetrocknet. Er verlor andauernd dicke Schuppen. Sein Kopf war auf der linken Schulter. Während auf der Rechten eine fleischige Harpunierkanone saß. Sie folgte ständig seinem Blick. Ein jüngeres Etwas, das nur aus Torso bestand, kroch zwischen den Beinen der weiblichen Kreatur und gab wimmernde Geräusche von sich. "Willst du was zum naschen?" Fragte die liebevolle Kreatur ihren kleinen Klumpen. Das Ding quietschte aufgeregt und bekam dafür einen Finger, an dem noch der ehering saß, zum darauf herumkauen. "Komm schon, mach ein Foto", forderte das Frauending. Das Männerding lächelte und verlor das halbe Gesicht. Der Unterkiefer landete zu meinen Füßen. Immer noch unter Schock stehend, aber ganz der höfliche Peter, hob ich den Unterkiefer auf und reichte ihm dem Männerding. Der Kiefer war extrem Leicht. Obwohl er die Größe einer Aktentasche hatte. Es setzte sich das fehlende Teil wieder ein und überprüfte dessen Sitz. "Endschuldige bitte", brummte es verlegen. "Mein Liebling hat mir gestern einen geblasen. Die kann vielleicht saugen, sage ich dir." Er zwinkerte mir zu und sein Lid zerbröselte. Ich wollte schreien, heulen, kotzen, ins Koma fallen und nie wieder aufwachen. Aber, ich war zu entsetzt. Ich konnte einfach nur starren und hoffen, mich in Luft aufzulösen. Er nahm eine alte Polaroid und knippste mich. Erholsam normal klang das Geräusch, der kleinen Motoren, die das Bild ausspien. Er wedelte das Foto und hielt es mir stolz vor die Nase. Ich sah mich an. Meine Augen waren weit aufgerissen. Kotze hing mir am Kinn. Ich war bleich und sah furchtbar krank aus. "Wir gehen dann mal wieder", trällerte das Weibchen. "Es war uns wirklich eine große Ehre, ausgerechnet dich zu treffen. Mein Mann und ich werden als nächstes nach Bosnien reisen. Dort soll es noch herrliche Minenfelder geben. Also. Türülüüü!" Sie stampften fort und zerrten den quietschenden Klumpen mit sich. Als sie außer Hörweite waren, ließ ich mich in den Dreck fallen und heulte Rotz und Wasser. Ich wollte und konnte nicht glauben, was hier geschah. Diese Monster. "Was ist mit mir los? Verfluchte Scheiße! Ich will aufwachen, verdammt!" Ich wusste zuerst nicht, ob ich es mir nur einbildete. Aber, der Boden begann zu beben. Ein grollendes Rumoren erreichte meine Ohren. Ich stand auf und hielt mich an einer Hauswand fest. Es hörte wieder auf. Ich schlich mich zu meiner Haustür und versuchte die zitternden Finger dazu zu bringen, den Schlüssel einzuführen. Es wollte mir einfach nicht gelingen. Ich musste lachen. Als ob meine vier Wände, Sicherheit bieten könnten. Ich Narr. Trotzdem hatte der Gedanke etwas beruhigendes. So ähnlich, wie das Kind, dass sich unter der Bettdecke versteckt. Dann bebte die Erde wieder. Diesmal viel stärker als zuvor. Ich verlor den Halt und klammerte mich am Türknauf fest. Der Schlüssel fiel mir aus der Hand.
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Kommentare
TJ Omar schrieb am 2008-08-15 00:11:14:
Hammerhart. Einfach nur Hammerhart. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Du hast hast es drauf, Mann. Mach weiter so. Respekt.
MfG TJ Omar
Schattenschalk / Raziel schrieb am 2008-08-14 01:03:02:
*lol*
Danke, Marika. Aus deinem berufenen Munde, ist es ein ganz dickes Lob, für mich.
Marika schrieb am 2008-08-13 19:57:05:
na..jetzt wird mir einiges klar.... der Typ der bei mir gegenüber wohnt hat so seine Probleme mit der Verwandlung zum Menschen. ich habe mir das schon immer gedacht dass er nicht ganz menschlich ist. Die Geschichte find ich toll..einfach nur toll. Du hast Dich zum Schöpfer gemacht. Genial.....
Schattenschalk / Raziel schrieb am 2008-08-13 14:40:08:
Ich musste es leider kurz halten.
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