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Kategorien > Fantasy > Verzweifelte Suchen

Nacht ohne Wiederkehr

von Dania Dicken

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„Warum legst du dich nicht schlafen?“ fragte Thyra und klang ein wenig ungeduldig dabei.
Kayla wandte sich nicht zu ihr um, als sie antwortete. „Ich kann es kaum erwarten, von Kiana zu hören, wie das Fest war. Du weißt doch, da ist dieser Junge, der ihr den Hof macht...“
Ein unterdrücktes Kichern war die Antwort. Kayla blinzelte zu ihrer elfjährigen Kusine hinüber, die ihre Decke fast bis an die Nasenspitze hochgezogen hatte. Sie selbst saß am Fenster auf einem Stuhl und starrte hinaus auf den mondbeleuchteten Hof, noch vollständig bekleidet und ungeduldig mit einem Fuß wackelnd. Jedes Geheimnis teilte Kayla mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester, die mit sechzehn Sommern beinahe alt genug war, ans Heiraten zu denken. Der Tod ihrer Eltern hatte die Mädchen zusammengeschweißt, die seit Jahren bei Verwandten lebten.
„Glaubst du, sie hat ihn geküßt?“ erkundigte Thyra sich schüchtern.
„Vielleicht“, erwiderte Kayla kurz. Sie wußte zwar nicht genau, wie spät es war, aber sie wurde das Gefühl nicht los, daß Kiana längst zurück hätte sein müssen. Sie blieb noch eine Weile sitzen, ehe sie sich erhob und die langen dunklen Haare zurückstrich, um anschließend das Zimmer zu verlassen. Geräuschlos schlich sie hinüber zum Zimmer ihrer Vettern, Kerrik und Valo. Leise öffnete sie die Tür und spähte in die Schlafkammer hinein. Kerriks lautes Schnarchen erfüllte den kleinen Raum, doch als sie auf Valos Bett spähte, bemerkte sie, daß sein Blick auf ihr ruhte.
„Solltest du nicht schlafen, Kleines?“ neckte der Ältere sie.
„Ich warte auf Kiana. Wie gern wäre ich mit zum Fest gegangen!“
„Ich weiß“, wisperte er. „Aber du vergißt, wie Vater über das Fest denkt. Ein Wunder, daß Kiana gehen durfte!“
„Sie sollte längst wieder hier sein.“ Kayla stand inzwischen mitten im Zimmer. Valo richtete sich auf und warf die Decke zurück. Er trug nur eine weiche Leinenhose.
„Mitternacht ist vorbei, oder?“ fragte er. Kayla hatte eigentlich fragen wollen, warum er ebenfalls noch wach war, verkniff sich die Frage jedoch.
„Andros wird furchtbar wütend, wenn sie zu spät kommt!“ antwortete sie stattdessen.
„Warten wir, bis der Mond über dem Dach dort drüben steht, dann suchen wir sie“, schlug Valo vor. Kayla setzte sich zu ihrem Vetter aufs Bett. Sie stand ihm näher als dem gleichaltrigen Kerrik. Valo war wie ein Bruder für sie.
Als die gesetzte Frist ereignislos verstrichen war, begann er, sich anzukleiden und weckte seinen Bruder damit. Nach einer kurzen Diskussion sprang auch Kerrik aus dem Bett, weil er beschlossen hatte, gemeinsam mit Valo und Kayla nach Kiana zu suchen. Valo zögerte kurz, als er zum Tisch sah, auf dem sein Schwert lag. Er entschied sich dagegen, es mitzunehmen und fuhr noch flüchtig mit den Fingern durch seine kurzen blonden Haare, um sie zu richten. So leise wie möglich pirschten die drei den Flur entlang und verließen unbemerkt das Haus.
In den Straßen Galors war es stockfinster, wenn man vom Mondlicht absah. Erst, als sie sich dem Festplatz näherten, erleuchtete der Schein des Freudenfeuers Gassen und Himmel. Musik, Gelächter und Gesang erfüllten die Luft. Bunte Girlanden baumelten zwischen den Häusern. Das Frühlingsfest war alljährlich ein besonderes Ereignis, das zum Tanzen und Feiern einlud.
Kerrik, Kayla und Valo blieben am Rand des Platzes stehen, um nach Kiana Ausschau zu halten. Umherwirbelnde Paare, Rauch und Passanten nahmen ihnen die Sicht. Plötzlich löste Kayla sich von ihren Vettern und hielt zielstrebig auf einen dunkelhaarigen, schlaksigen Burschen zu. Es war derjenige, der um ihre Schwester warb.
„Ich grüße dich!“ sagte Kayla mit einem Lächeln. Er erwiderte den Gruß und erkundigte sich nach dem Grund ihres Kommens. Ihre Erklärung erstaunte ihn jedoch.
„Kiana ist nicht zuhause? Sie ist schon vor beinahe einer Stunde gegangen! Du kennst sie, ich wollte sie nach Hause begleiten, aber sie wollte unbedingt allein gehen“, erklärte der junge Mann. Natürlich, Kiana hatte gefürchtet, daß Andros aus dem Fenster spionieren würde, vermutete Kayla sogleich.
„Danke“, murmelte sie und berichtete im nächsten Moment Valo und Kerrik davon.
„Was soll das heißen?“ rief Valo. „Sie ist seit einer Stunde fort? Wo soll sie denn sein?“
„Sie würde niemals trödeln“, sagte Kayla leise.
Kerrik reagierte aufbrausend. „Der Kerl hat sie allein gehen lassen? Ehrenloser Hund!“
„Sei still“, zischte Valo zu seinem jüngeren Bruder. „Wir sollten darüber nachdenken, was wir nun tun können. Ich mache mir Sorgen.“
Kayla nickte zustimmend. Der Entschluß war schnell gefaßt, ganz Galor nach Kiana zu durchstöbern. Sie begannen damit im eigenen Viertel und sahen natürlich auch zuhause nach, ob sie inzwischen eingetroffen war, aber im Mädchenzimmer befand sich nur die schlafende Thyra.
Betrunkene, lallende Männer begegneten ihnen torkelnd auf den Straßen. Manche Passanten waren noch halbwegs nüchtern und grüßten freundlich. Valo fragte wiederholt nach Kiana, beschrieb seine Kusine den Leuten, aber niemand hatte sie gesehen. Ein dumpfes Gefühl beschlich Kayla. Ihre Schwester war gewissenhaft und zuverlässig. Etwas mußte sie aufgehalten haben, denn Kiana war im ganzen Viertel nicht aufzufinden. Schließlich teilten sie sich auf. Valo und Kayla streiften gemeinsam durchs Nachbarviertel, während Kerrik am anderen Ende Galors die Suche fortsetzen wollte. Eine ganze Weile später trafen sie sich am Festplatz wieder, ohen Erfolge vorweisen zu können. Inzwischen war der Platz verwaist, das Feuer heruntergebrannt, die Asche glimmte nur noch schwach. Der Mond ging unter, als in den Bäckersstuben die Männer ihr Handwerk begannen. Niemand außer den drei jungen Leuten war auf den Straßen unterwegs. Es wurde kalt und feucht zwischen den hellen Fassaden der einfachen Häuser.
„Sollen wir nicht noch einmal zuhause nach ihr sehen?“ schlug Kayla beinahe hoffnungsvoll vor.
„Nein“, erwiderte Valo. „Sie wird nicht dort sein.“
„Woher willst du das wissen?“ bohrte Kayla nach.
„Sie war zwei Stunden nach Mitternacht noch nicht dort. Glaubst du wirklich, daran könnte sich etwas geändert haben?“
„Weiß nicht. Aber du mußt ja nicht mitkommen!“
„Kayla, verstehst du denn nicht - es muß ihr etwas zugestoßen sein!“
Ihre Augen weiteten sich bei diesen Worten. Sie machte sich auch seit Stunden Sorgen, hatte verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, die Kianas Fernbleiben erklären könnten, aber Valos harte Worte rüttelten sie auf.
Er fügte noch etwas hinzu. „Und ich will nicht, daß du auch noch allein durch die Straßen läufst.“
„Wie meinst du das?“
Hilflos verdrehte Valo die Augen. „Verdammt, Kayla, weil du ein Mädchen bist!“
Sie biß sich auf die Lippen und hielt den Kopf gesenkt. Als sie die Hände in ihrer Schürzentasche vergrub, legte er tröstlich einen Arm um sie. Damit linderte er Kaylas Angst um ihre Schwester jedoch nicht. Ihr ungutes Gefühl wuchs noch.
Als die ersten Vögel zu zwitschern begannen und ein fahles Grau sich am Himmel bemerkbar machte, trafen sie vor ihrem Haus auf

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Kommentare

RisingSun schrieb am 2006-08-17 19:28:39:
Ein sehr dramatischer Anfang.
Ich warte auf die Fortsetzung.

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