Nacht über der Stadt
von
Naya Belle
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sie gemocht und ihr vertraut, absolut vertraut. Allerdings hatte er ja auch nicht ahnen können, dass sie irgendwann über die Informationen stolpern würde, die er doch so gut versteckt und getarnt hatte. Sie musste danach gesucht haben! Er hatte immer dafür gesorgt, keine Spuren zu hinterlassen, keine Ausdrucke oder Aufzeichnungen. Aber wie konnte sie von diesen Vorgängen wissen? Hatte er doch etwas übersehen? Dabei hatten sie doch extra einen amerikanischen Spezialisten geholt, der ihnen ein absolut innovatives Verschlüsselungsprogramm installiert hatte, mit denen sensible Daten codiert wurden. Niemand konnte diese Dateien lesen, absolut niemand, der den Code nicht kannte.
Anfangs hatte er nicht verstanden, wieso sie plötzlich distanzierter und aggressiver geworden war, nicht nur ihm gegenüber, sondern einigen anderen gegenüber. Irgendwann hatte er begonnen, etwas zu ahnen; wenig später war es im Rahmen einer völlig anderen Diskussion dann aus ihr herausgeplatzt: Wie könne jemand, der in so etwas Unglaubliches, Unmoralisches und Unverzeihliches verwickelt war und dies auch noch vertusche, also wie könne jemand wie er denn in dieser Sache – er erinnerte sich wirklich nicht, worum es im konkreten Fall gegangen war – den Moralapostel spielen wollen.
Er war natürlich aus allen Wolken gefallen und hatte alles geleugnet, abgestritten. Dennoch hatte sie nicht locker gelassen, gedroht, sie gehe an die Presse, schließlich habe sie Beweise. Dabei wollte sie aber nicht sagen, welche Beweise sie hatte. Den Skandal hatte er sich nicht vorzustellen gewagt. Alles, wofür er gelebt hatte, wäre zerstört gewesen, aus der Traum. Das konnte er nicht zulassen. Er hatte versucht, mit ihr zu reden, sie umzustimmen.
Heute früh hatte er ihr aufgelauert, um ihr sogar Geld anzubieten und sie erneut zu bitten, nichts zu unternehmen. Aber dann war die Sache eskaliert.
Und jetzt war sie tot. Wie groß der Schaden wirklich war, konnte er noch nicht abschätzen. Hatte sie irgend jemand von der Sache erzählt? Welche vermeintlichen Beweise hatte sie? Hatte sie nur geblufft? Was sollte er jetzt nur tun?
Er erhob sich und goss den Rest Whiskey in den Ausguss in der Kaffeeküche.
Früher oder später würde die Polizei hier aufkreuzen und alle befragen, er musste sich jetzt zusammenreißen. Wenigstens wusste niemand von der Waffe, die er schon vor Jahren als junger Mann von einer Busreise aus Ungarn mitgebracht hatte. Aus einer Laune heraus hatte er sie spontan gekauft, als sie ihm in Budapest am Bahnhof von diesem Junkie angeboten worden war. Dass er sie tatsächlich einmal benutzen würde, um eine Frau zu töten, damit hätte er allerdings nicht gerechnet.
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