Nachtblut
von
Dr.Soltberg
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Nachtblut © 2009 by Dr.Soltberg
Ouvertüre: Die finstre Göttin
Der Himmel heut ist mir so nah
Nicht das, was einst Zuhause war
Und in der Fremde kann ich sehn
Geliebtes Abendrot muss gehen
Nun denn erwache
Schwarzer Drache
Langsam verging der Sommer und ein trauriger Schimmer aus goldener Vergänglichkeit begann die bevorstehende Kälte anzukündigen. Schemenhafte Schatten aus Schwärmen ruheloser Vögel jagten über den wunderschönen Abendhimmel, als Aurora begann hinter den Baumwipfeln naher Wälder zu verschwinden.
Der Abend starb und das goldene Licht ging langsam an der eigenen Intensität zugrunde.
Das Empyrium klammerte sich mit letzter Kraft an die Ränder sanfter Wolkenschleier, welche den purpurnen Abendhimmel durchschnitten.
Der fragile Tag zerbrach um der Welt gewaltsam neue Farben einzuflößen.
Die Sonne fiel vom Himmel und das sanfte Zwielicht überspannte ein Satintuch, welches erst mit Blut benetzt werden sollte, bevor unendliche Schwärze die Welt umspannen würde. Das Firmament erhob sich aus dem Nichts und lies keinen Funken des vergangenen Tages bestehen. Dies alles geschah nur, damit schüchterne Fragmente aus gebrochenem Licht eben jener Finsternis entspringen konnten. Immer und immer wieder betrachtete ich diesen endlosen Zyklus. Ich fürchtete die Nächte.
An jenem Abend saß ich dort auf der Lichtung, umgeben von Wäldern aus Schatten. Unter mir floss das Gras in Strömen aus Silber.
In der Ferne weinten die Wölfe einsam meinen stummen Traum, während ich lange den Mond aus Bernstein betrachtete.
Und plötzlich fühlt sich meine Seele jugendlich erschüttert. Vom Zauberhauch, der jenen Ort umwittert.
Auf einem Thron aus Sternen saß die schwarze Göttin. Während ihre endlose Macht in jeden Winkel dieser Welt reichte, ergriff mich ein allzu befremdliches Gefühl und die Schatten ihres Königreiches drangen in mich ein, verschmolzen mit dem langsamen Wehklagen der Wölfe zu einem unbeschreiblichen Abstraktum aus Melancholie und Elegie.
Die stickige Hitze der Pestilenz schwoll in mir an und finstre Emotionen brachen aus meiner Seele hervor.
Ein sanfter Wind kam auf und umarmte mich, flüsterte ferne Worte voller fremdartiger Ästhetik in mein Ohr.
Doch der Wind wehte den glänzenden Mond hinfort und Dunkelheit verschlang eben diesen.
Und so stieg die finstre Herrscherin hinab in die Schatten der Erde und zog mich mit sich in den Äther. Gefangen in obszöner Ekstase entzündete sie mich mit den schwarzen Flammen ihrer unmenschlichen Schönheit. Sie, die stumme Königin für das erblindete Auge umschlang mich mit Finsternis. Schmerzlos in Flammen stehend trieb sie mich mit sinnigen Küssen ihrer blutigen Lippen in den Wahnsinn. Und für alle Ewigkeit flößte sie mir das Abbild ihrer schwarzen Flammen ein. Und ich stürzte ins Chaos, verlor mich in den Tiefen des Absurden.
Wir wurden eins für alle Ewigkeit.
Erste Hälfe: Der kristalline Fluss
Wo Nichts als Einsamkeit muss wogen
Dort thronet ein gefrorner Bogen
Die Seele verschlissen
Der Liebe entrissen
Dringt keine Hoffnung in mich ein
Im schwarz kristallnen Seelenschein
Ich erwachte auf den grauen Gründen ihrer Schöpfung. Über dem gleißenden Golgotha meiner entfremdeten Seele breitete sich ein dunkelrotes Firmament aus. Die Farbe des Himmels, welchem jede Spur von Regung fehlte, beunruhigte mich nicht, obwohl der Himmel tatsächlich zu bluten schien. Hier hatte eine ruhige Taubheit von mir Besitz ergriffen.
Was war nur mit mir geschehen? Benommen sah ich mich um. Eine abartige Hitze herrschte an dieser toten Ortschaft, doch was ich sah, raubte mir den Atem.
Ich lag auf dem Vorsprung eines Gebirges aus dunklem Stein. Unter den unförmigen Bergen, welche wie Scherben aus schwarzem Glas in den blutenden Abendhimmel stachen, wogte ein stilles Meer aus Asche. Die Wüste aus Dunkelheit war fast vollkommen vom statischen Gebirgsmassiv umschlossen. Nur im Norden sah ich die Baumspitzen eines Nadelwaldes aus Schatten, welcher das tote Ödland ablöste.
Ich erhob mich, klopfte den weißen Staub von meinem Körper und suchte einen Weg hinab. Während ich formlose Treppen hinunter stieg, versuchte ich mich daran zu erinnern, wie ich an jenen lebensfeindlichen Ort gelangt war, aus welchem ich nun wieder einen Ausweg finden musste. Doch bereits als ich die Grenze zwischen festem Stein und schwarzer Wüste überschritt, erhob sich eine Mauer aus hitzigen Winden, welche begannen mir allzu bekannte Wörter zuzuflüstern und mich mit sanfter Gewalt zurückzuhalten suchten. Gar stürmische Böen rissen die Asche in die Höhe, nahmen mir die Sicht und verschluckten mich. Die fiebrige Wärme erfasste mich, hüllte mich in Flammen und ich fiel durch die Schwärze.
Fiel immer tiefer und tiefer. Alles Licht war fort. So spürte ich, wie die Finsternis meine Seele umarmte. Agonie und Schmerz fanden urplötzlich ein Ende. Ich fiel weiter durch die Unendlichkeit meiner Seele. Es war eine Reise fernab jeder Sterblichkeit. Rastlos erwartete ich die Ruhe, welche ich so sehr brauchte, welche vielleicht in Bösem auf alle Ewigkeit gedieh.
Dann schlug ich auf. Ich landete in den kristallinen Tiefen eines Flusses aus Scherben, Schicksal und Tränen. Um mich herum entfaltete sich ein Opfer aus Scharlachrot, welches aus einer seelischen Wunde strömte. Meine ganze Existenz war ohnmächtig und taub. Schwarzer Nebel umgab mich, doch ich erkannte alles. Ich sah mehr, als ich mit menschlichen Augen vermocht hätte. Das Monument meiner Vergangenheit erhob sich vor den sieben Horizonten dieser Welt. Mir offenbarte sich die Endgültigkeit dieser Reise.
Dies war die Dämmerung des Hinabsteigens.
Die schwarze Göttin führte mich hinunter in die wortlosen Tiefen.
So trieb ich machtlos durch ein mir fremdes, dichtes Waldland. Um mich herum ragte silbriges Gras aus Böden voller Kummer und eine wunderschöne Stille regierte diesen Ort. Sie komponierte eine Symphonie des Lebens und Sterbens, sie erfüllte die Lichtung vor mir und nun rief sie nach mir. Die ersterbende Strömung hob mich mit sanften Händen auf das Gras am Ufer. Alle Kraft war mir genommen und so blieb ich regungslos am Rande der Lichtung liegen. Ich überblickte die gleißenden Lichtung, von welcher die paradoxe Stille auf mich eindrang und wieder erblickte ich etwas unfassbares, gar gänzlich Unerklärliches.
Zweite Hälfte: Der gefallene Engel
Federn fallen
Wie Blätter vom Baume
Blut strömt
Wie der Ozean im Traume
Engel weinen
Und lauschen gebannt
Federn fallen
Auf Ewig verdammt
In der Dämmerung tanzte ein Engel, umgeben von einer Aura aus Licht. Die zierliche Schönheit spannte ihre Flügel und reckte ihren Kopf gen Himmel. Die Sonnenstrahlen, die die Lichtung funkeln ließen, waren den Wellen des Meeres so ähnlich. Sie strömten auf das wunderschöne Geschöpf ein und erfüllten es mit Leben.
Kraftlos hob ich meinen Kopf um den Engel zu betrachten. Wärme drang in mich ein, als ich die dunklen Augen erblickte. Die
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