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Kategorien > Fantasy > Nachdenkliches

Nachtbus durch die Uendlichkeit 3

von blacknight99

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Nachtbus durch die Uendlichkeit 3

Sie durchquerten einen Sternennebel.
Nebelschwaden, in allen Facetten der Farben Rot und Orange, wehten vorbei und entlockten den Busreisenden leises Raunen.
"Hast du schon jemals so etwas wundervolles gesehen?"fragte der alte Mann Pierre."Nein, habe ich nicht...das ist fantastisch."
"Ich habe das letzte Jahr meines Lebens damit verbracht fern zu sehen. Kannst du dir das vorstellen? Während die Welt dort draußen darauf wartet von dir entdeckt zu werden, sitzt du auf deinem Sessel und siehst dir Werbesendungen für Rheuma-Decken an."
Der alte Mann schüttelte nachdenklich den Kopf.
"Erst jetzt kann ich den Sinn meines Lebens richtig erfassen,Jungchen."Der Fährmann trat hinzu.
"Ja, dass sagen sie alle!"meinte er.
Er deutete mit einer knochigen Hand auf eine Inschrift auf einem Sitz.
"Das hat mal ein verstorbener Dichter hier reingeritzt."Pierre betrachtete die Kritzelei auf dem Sitz.
"Das ist französisch-was heißt es?"fragte er.
"Es bedeutet:
"Und nun erst blick' ich der Wahrheit ins Gesicht-
hier inmitten des Sternelichts!"

"Das ist sehr schön!"meinte Pierre.
"Finde ich auch!"sagte der Fährmann."Es ist wirklich ein Traumjob, hier zu arbeiten. Man lernt so viele verschiedene Leute kennen-Dichter, Künstler, Philosophen, Staatsmänner..."Sein Blick wurde träumerisch.
"Nächster Halt-Die Wiedergeburtsstation!"rief der Zombie.
"Ah, hier steige ich aus!"sagte der Mann."Und beginne das Leben noch mal von vorn."
Der Bus hielt an einem Gebäude, dass wie eine futuristische Raumstation aussah.
Die Tür öffnete sich und der alte Mann wollte gerade hinaussteigen, da fragte er.
"Was wird aus all' meinen Erinnerungen? Meinen Gefühlen, Emotionen, Erlebnissen?"
"Die wirst du alle vergessen!"antwortete der Fährmann. "Manche Leute hatten zwar manchmal Erinnerungen an ihr früheres Dasein-aber Außnahmen bestimmen die Regel!"
"Dann gehe ich nicht!"sagte der Mann trotzig. "So viele Erinnerungen-das kann ich nicht zurücklassen."
"Wie du meinst!"sagte der Fährmann mit undeutbarer Stimme.
Dann schnippte er mit den Fingern.
Plötzlich fingen die Arme des alten Mannes an, sich zu hellen Staub aufzulösen.
"Was geschieht mit mir?"fragte der alte Mann panisch.
Doch dann hatte er sich schon zu Milliarden von hell leuchtenden Staubkörnern aufgelöst.
Der Staub suchte sich einen Weg aus dem Bus und verschwand in der Unendlichkeit des Raums.
"Und dann wurdest du zu Sternenstaub...!"sagte der Fährmann mit monotoner Stimme.
"Es tut mir Leid! Manchmal ist mein Job doch nicht so dolle."


*

Es ging weiter durch die Unendlichkeit.
Pierre unterhielt sich mit Sonmali, als hinter ihnen plötzlich das Mädchen aufschrie.
Die beiden fuhren herum.
Der Verbrecher hatte das kleine Mädchen am Hals gepackt und befummelte sie.
Wild versuchte sie sich seinem Griff zu entreißen, doch er würgte sie nur umso heftiger.
Pierre fuhr wutentbrannt von seinem Sitz hoch. Es war wohl das erste Mal das er Wut empfand.
Der Fährmann drehte sich ebenfalls zum Geschehen um."Was ist denn da los?"fragte er aufgebracht.
Pierre rannte auf den Mann zu.
"Lass sie los!"schrie er.
"Was willst du denn du Bastard?"rief der Verbrecher.
Plötzlich umfasste Pierre eine schwarze Aura. Sie stieg an seinem Körper wie feine Adern hinauf und sammelte sich in sienen Augen, deren Pupillen lila wurden.
"Lass sie los!"wiederholte Pierre, nun mit dunkler, tiefer Stimme.
Der Mann sah ihn verblüfft an, ließ aber noch immer nicht vom Mädchen ab.
Dann schossen auf einmal zwei hell-lila leuchtende Lichtblitze aus Pierres Augen und trafen die Brust des Mannes.
Sofort verschwand der Mann wie vom Erdboden verschluckt.
Pierre sackte erschöpft zusammen.Die Aura wich von ihm-
"Was war das?"fragte er stöhnend.
"Du hast ihn ausgelöscht, völlig ausradiert...er existiert nun gar nicht mehr. In keiner, in dieser Raumform möglichen Art. Er ist zu Nichts geworden."sagte der Fährmann
"Wieso habe ich das gemacht?"fragte Pierre und sah an seinem Körper hinab.
"Das wirst du an deinem Reiseziel erfahren!"antwortete der Fährmann.

*

"Nächster Halt: Das Paradies!"rief der Busfahrer.
"Hier muss ich aussteigen!"sagte Sonmali und stand auf.
"Wir machen hier eine halbe Stunde Pause!"sagte der Fährmann.
"Du kannst aussteigen und dir das Paradies ansehen."schlug er Pierre vor.
Der Bus hielt vor einem riesigen Gebirge aus Wolken, ein riesiges goldenes Tor führte ins Innere.
Pierre und Sonmali stiegen aus und liefen auf das Tor zu.
Sie blieben staunend vor dem prächtigen Eingang stehen. Doch nichts geschah.
"Vielleicht sollten wir mal klopfen?"meinte Pierre.
Sonmali schlug drei Mal gegen das goldene Tor.
Dann öffnete es sich wie von Geisterhand.
Ein greiser Mann mit einem Buch unterm Arm kam hinausgetrippelt.
"Gestatten, Petrus!"begrüßte er sie mit brüchiger,krächzender Stimme und schüttelte beiden die Hand.
Er setzte sich eine Lesebrille auf und öffnete das schwere Buch.
"Ah, das muss der Herr Sonmali sein. Dürfte ich ihr Ticket sehen?"
Sonmali zeigte dem alten Knaben sein Ticket.
"Aha, in Ordnung! Du darfst eintreten."
Petrus überreichte Sonmali einen goldenen Schlüssel.
"Für ihr neues Domizil. Die Adresse ist Wolke...Moment 1108341AZA8...oder war es 2208342AZA9?...Minimus? Maximus? Kommt mal her!"Zwei Jungen mit goldblonden Haaren und Flügeln, die ihnen aus den Schultern wuchsen eilten herbei.
"Eure Schrift kommt ja Hieroglyphen gleich. Ist das da eine 2 oder eine 1?"fragte Petrus die beiden.
"Das ist eine 1!"sagte Minimus.
"Oder doch eine 2?"warf Maximus ein.
"der Bogen könnte auch auf eine 3 hindeuten!"
"Mann, Minimus, du kannst ja deine eigene Schrift nicht lesen!"
"Jetzt hört doch auf ihr Beiden!"beendete Petrus das Streitgespräch.
"Also Somnauli...oh Verzeihung...Sonmali....Sie müssen dann zum Wolkenamt, Wolkenstraße 8 und sich ein neues Domizil aussuchen. Verzeihung."
Nun wandte er sich Pierre zu.
"Und wer sind sie, junger Mann?"fragte er.
"Das wüsste ich selbst gern!"antwortete Pierre kess."Ich weiß nur das ich der Eigentümer hiervon bin!"Bei diesem Worten holte er sein goldenes Ticket aus der Hosentasche.
Petrus nahm die Hände vor den Mund.
"Das goldene Ticket! Ich glaub' ich spinne!"
"Darf ich jetzt auch ein bisschen ins Paradies?"fragte Pierre.Ihn nervte lansam dieses ganze Pohei um sein Ticket.
"Aber natürlich! Oh, dass muss ich dem Chef sagen! Er will dich wahrscheinlich kennenlernen!""Meinst du mit Chef etwa...""Ja, genau...den Allmächtigen!"antwortete Petrus.
"Aber nun tretet ein ins Paradies."Pierre und Sonmali blickten sich kurz an und traten dann durch das riesige goldene Tor.

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Kommentare

viktor schrieb am 2006-11-02 00:10:08:
Humorvoll geschrieben, doch hast du zufällig Meg Finn- ide Liste der vier Wünsche gelesen? Klingt nähmlich verdächtig ähnlich. Sogar die Art und Weise, wie du den Tod ins Lächerliche ziehst und das Übernatürliche mit menschlichen Problemen konfrontierst, lassen auf Eoin Colfer schließen.
Ansonsten gefällt mir die Geschichte ganz gut. Recht unterhaltsam und der Spaß kommt nicht zu kurz beim Lesen.
blacknight99 schrieb am 2006-09-12 19:44:50:
Vielen, vielen herzlichen Dank für eure vielen super Kommentare!

@christoph schlüter
Es stimmt schon...ich habe mich beim Schreiben vom genialen "kleinen Prinzen", "Peterchens Mondfahrt" und allerhand Kinderbüchern inspirieren lassen. Des weiteren war ich mit meiner Konfirmationsguppe in Kindergärten und Altersheimen.
In einem Diakonie-Praktikum mussten wir den Pflegern helfen. Auch die Gespräche mit alten ,kranken Leuten und Kindern sind mit eingeflossen.

@Rising Sun:
Die Szene mit Petrus und den beiden Engeln Minimus und Maximus soll ein wenig überzogen sein und das ewige "Ämterrenn"-System auf die Schippe nehmen.

Also...
Bin gerade dabei, das ganze ein wenig köcheln zu lassen.
Die Geschichte hat noch nicht ihr Ende erreicht...ich glaube es folgen noch etwa 5-7 je 1-2 seitige Abschnitte.












christoph schlüter schrieb am 2006-09-09 11:05:11:
Rezept: Man nehme 1 x "Der kleine Prinz", gebe etwas "Peterchen´s Mondfahrt hinzu" und verfeinere es mit "Der Polarexpress". Alles gut umrühren, auf kleiner Flamme köcheln und vor dem Servieren noch mit etwas "Monty Python" bestreuen. Zum Garnieren sei noch kleingehackte, halluzigene Pilze empfohlen. Bitte heiß servieren!
Im Ernst: Langsam geht´s ja auf´s Finale zu ( oder täuscht dieser Eindruck?) und ich bin wirklich gespannt.
Dieser Teil ist ein klein wenig schwächer, als die vorhergehenden, trotzdem hatte ich beim Lesen meinen Spass.
Wann kommt denn Teil 4?
RisingSun schrieb am 2006-09-08 16:35:48:
Klasse! Ich finde diese Geschichte einfach nur genial. So eine Idee hätte ich auch gern mal...
Natürlich ist sie nicht ohne Makel, zum Beispiel ist die Sache mit den beiden Engeln ein wenig zu gewollt witzig, das stört aber eigentlich nicht wirklich.
Sina schrieb am 2006-09-08 14:57:16:
Wird ja immer besser seine Story. Hoffe der nächste Teil folgt bald... Freu mich drauf... Grosser Respekt...

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