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Kategorien > Fantasy > Nachdenkliches

Nachtbus durch die Unendlichkeit -Prolog (überarbe

von blacknight99

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Nachtbus durch die Unendlichkeit
Director's Cut


"...you will still be here tomorrow...
but your dreams may not..."




Teil 1. Die Reise mit dem Nachtbus

Prolog

*

Träume können fliegen.
Alpträume summen, Hornissen und Wespen gleich, durch unsere Köpfe und malträtieren uns mit ihren Stacheln, mit denen sie mir und dir die düstersten Bilder heraufbeschwören.
Andere Träume hingegen sind wie bunte Schmetterlinge, wunderschön und doch so verletzlich und ungreifbar.

Während seine Schwester daumenlutschend im Bett lag, umgeben von Traumwespen und Traumschmetterlingen, saß Pierre auf der Fensterbank und blickte hinaus in die Nacht.
In der Ferne leuchtete der Eifelturm zwischen dunklen Häuserdächern empor, als wollte er genauso hell funkeln wie die Sterne am Himmel.
Pierre's Mutter hatte immer gesagt, dass die Sterne am Himmel die edelsten und größten Träume der Menschen sind und deshalb die Nacht erhellen dürfen. Doch Pierre's Mama war tot, vor vielen Jahren gestorben.
Damals hatten sie, Pierre und seine kleine Schwester noch in einem dunklen Viertel von Paris gelebt, in dem Kakerlaken aus dem Klo kletterten und Rattenschwärme durch die Straßen streiften.
Pierre's Mama hatte sich abends immer geschminkt, ihren rötesten Lippenstift aufgetragen und schwarze Stöckelschuhe und einen Minirock angezogen. Dann war sie mit trauriger Miene aus der Wohnung gelaufen und spät nachts immer mit ramponierter Kleidung und Frisur, dafür aber mit einigen Euroscheinen, zurückgekehrt.
Sie hatte stets geweint, wenn sie zurückgekommen war und Pierre hatte es nicht verstanden und verstand es mit seinen sieben Jahren noch immer nicht.
Eines Abends aber war sie nich zurückgekehrt, selbst als die Sonne schon wieder am Himmel erstrahlte.
Einen Tag später war dann ein grauhaariger Mann mir gekrümmten Rücken in die Wohnung gekommen und hatte sich als Pierre's Großvater vorgestellt.
"Wo ist Mama?"hatte Pierre gefragt.
"Im Himmel!"hatte Großvater geantwortet.
"Wieso?"
Betretenes Schweigen ging von dem Großvater aus, als Pierre ihm diese Frage stellte.
"Frag nicht so viel!"entgegnete er grob.
Dann waren sie zu Pierre's Großvater gezogen, in ein großes, altes Haus, von dem Pierre's Schwester meinte, dass es verflucht und voll von Geistern wäre.
Seit Pierre's Mutter tot war, wurde Pierre jede Nacht besucht.
Wie ein dunkler, nebelartiger Windhauch strich der Besucher durch Pierre's Zimmer, geheimnisvolle Worte wispernd, und küsste Pierre dann wie ein Liebhaber auf die Stirn.
Auch wenn es ihm der Besucher nie sagte, wusste Pierre trotzdem, wer er war:
Es war der Tod.
Pierre wusste es aus einer Empfindung heraus. Und diese Empfindung war kalt und angsteinflößend.
Kalter Wind wehte durch das Fenster und rauschte leise in den Baumkronen. Pierre zog seine Beine an und ein kalter Schauer lief seinen Rücken hinab.
Sein hellblauer Schlafanzug bot nicht viel Schutz gegen die Kälte, doch trotzdem wollte er am Fenster sitzen bleiben und auf den Tod warten, der ihm wieder seinen allnächtlichen Besuch abstatten würde.
Pierre hatte das Gefühl, als würde diese Nacht eine ganz besondere werden.
Hinter sich hörte er plötzlich das knarzende Geräusch der sich öffnenden Tür.
Pierre wandte seinen Blick zur Tür und erblickte seinen Großvater, der mit kleinen Schritten hereintrippelte und die Tür schloss.
"Pierre, du bist ja noch wach!"sagte Pierre's Großvater mit leiser, krächzender Stimme.
Die blauen Augen des Großvater sahen kurz zu Pierre's Schwester hinab, dann schlurfte er auf Pierre zu und setzte sich neben ihn auf die Fensterbank.
"Kalt hier, oder?"meinte der Großvater.
"Opa, wer oder was ist der Tod?"fragte Pierre unvermittelt.
Die Augen des Großvaters leuchteten auf, als er die Frage vernahm.
"Weißt du, Pierre, wir werden alle irgendwann einmal weggehen."
"Aber zum Laufen brauchen wir doch nicht den Tod, nur unsere Beine!"
"So habe ich das nicht gemeint! Lass mich ausreden!"
Der Großvater schwieg kurz verärgert, bevor sich seine Stimme wieder erhob.
"Ich werde auch einmal...sterben! Weggehen! Einfach nicht mehr da sein!"
"So wie Mama?"
Der Großvater nickte. "So wie Mama!"
"Und wie stirbt man, Opa?"
"Ja, durch Krankheiten, Mord, Raub und so!"
"Also kann man durch den Tod nicht sterben?"
"Moment, warte Pierre...jetzt bin ich durcheinander!"
Der Großvater massierte sich kurz die Schläfen.
"Der Tod ist nur für...na ja, das Sterben verantwortlich, so eine Art Verwalter!"
"Aha!"meinte Pierre und gähnte lange und laut.
"Du bist ja müde, kleiner Mann! Komm'! Leg dich ins Bett!"
Der Großvater hob Pierre hoch und legte ihn in sein Bett, wobei er liebevoll die Decke über ihn legte und ihm kurz über die Wange streifte.
"Schlaf gut!"raunte der Großvater, als er das Zimmer verließ.
Dann war es still im Raum, nur noch das Wispern des Windes erklang. Doch es war nicht der Wind, der da wisperte, nein, es war der Tod.

*

Der Tod stürzte durchs Fenster und wirbelte durch das Zimmer, wobei er eine altersschwache Spinne, dreiundreißig Bakterien und einen übergewichtigen Holzwurm, der im Bücherregal lebte, tötete.
"Pierre!"flüsterte der Tod. "Pierre!"
Der Angesprochene erzitterte und verbarg seinen Kopf unter der Bettdecke.
Der Tod schlich wie ein kalter Windhauch unter die Decke und schmiegte sich an Pierre's zitternden Körper.
"Dies ist eine besondere Nacht, Pierre!"hauchte der Tod Pierre ins Gesicht, wobei dieser bemerkte, dass der Tod schrecklichen Mundgeruch nach faulen Eiern hatte.
"Du hast Mundgeruch!"flüsterte Pierre.
"Was...äh...wie redest du mit mir? ICHHH BINNN DERRR TODD! Herrscher über das Leben, über Dunkel und Hell, über Gut und Böse!"
"Du hast eine ziemlich hohe Meinung von dir, Gevatter! Mein Opa sagt immer, dass solche Leute arrogant sind."
"Ich? Arrogant?Also, warte mal! Wo war ich stehen geblieben? Ach, ja!...Pierre, dies ist die Nacht aller Nächte, die Nacht, die über das Schiksal der Welt entscheiden wird! Und du wirst ene wichtige Rolle spielen Pierre!"
"Könnten sie aufhören mich so anzuhauchen, mir wird schlecht!"unterbrach Pierre ihn.
"Hör' endlich auf, mich zu unterbrechen! Nie will jemand mir zuhören, auch früher war das schon so!"
Der Tod schluchzte kurz, fasste sich dann aber wieder schnell.
"Pierre, du wirst eine wichtige Rolle spielen! Du wurdest auserkoren, deshalb habe ich dich jede Nacht besucht und über dich gewacht! Doch nun musst du sterben, um dein Schiksal zu erfüllen!"
"Ich will aber nicht sterben,

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