Nachtfalter
von
Tami
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Wer höchstes sucht, geht
Immer eigne Bahn;
Das beste haben Menschen
Nie gemeinsam, wer glücklich
Werden will, erst sei er einsam!
Robert Hamerling, Sinnen und Minnen S.6
Prolog
Die nachtgraue Landschaft flog hinter dem Fenster vorüber und Regentropfen zeichneten lange Bahnen über das kalte Glas. Dunkle Wolken hingen schwer am Himmel und passten sich meiner Stimmung an. Ich saß alleine mit meinen zwei schweren Taschen, in dem nach Unrat stinkenden Abteil und zündete mir mit zitternden Fingern eine Zigarette an, um zu dem Geruch etwas beizutragen. Die Halogenlampe über mir flackerte und der alte Zug quietschte und wackelte als er um eine Kurve fuhr.
Erschöpft ließ ich mich in den von löchrigem, roten Stoff bespannten Sitz zurück sinken und schloss die Augen. In vier Stunden würde ich London erreicht haben, London und Tante Betti. Meine letzte Rettung, wie mir der Sozialarbeiter Mr. Burk immer wieder beteuert hatte. Ein neues Umfeld, neue Menschen, eine neue Chance. Mit meinen fast 21 Jahren war es langsam an der Zeit Fuß zu fassen.
Die meisten meiner Sachen hatte ich in meiner kleinen Dachgeschosswohnung zurück lassen müssen, nur eine Tasche mit Anziehsachen und eine voller CDs und Ölfarben hatte ich retten können.
Der Kompromiss des Richters war gewesen, dass ich so schnell wie möglich zu meiner Tante zog und die arme Betti musste ihm nun wöchentlich Bericht erstatten, obwohl sie mit ihrem eigenen Leben schon genug zu tun hatte. Außerdem sollte ich mir einen Job besorgen, denn für einen Highschoolabschluss war es zu spät, ganz abgesehen davon, dass man mir den sowieso nicht zutraute.
Seufzend zog ich meinen Mp-3player aus der Tasche und setzte mir die übergroßen Kopfhörer auf, um den quälenden Gedanken zu entkommen und mich etwas auf die Musik zu konzentrieren.
Meine Ohren begannen langsam zu schmerzen und ich war einem Tinitus nahe als sich die Abteiltür öffnete; ich wollte schon den zerknitterten Fahrschein, den ich die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte hoch halten, als mir aufging das ein Schaffner bestimmt keinen blau, schwarz gestreiften Pullover trägt. Schief grinsend setzte sich mir ein schwarzhaariger Junge gegenüber, ich erwiderte das grinsen schwach und drehte die Musik, obwohl mir die Ohren schmerzten, lauter. Er sollte ja nicht auf die Idee kommen sich mit mir zu unterhalten, ich war nicht besonders erpicht auf ein Gespräch, stellte ich mir doch gerade vor dem arroganten Richter den speckigen Hals umzudrehen. Mein gegenüber zuckte mit den Schultern und sah aus dem Fenster. Ich wunderte mich wie er im November nur einen Pullover tragen konnte, es war eiskalt. Ohnehin sah er merkwürdig aus, fast bleich, seine Klamotten waren etwas zu groß und seine dunkelblauen Augen die zu den schwarzen beinahe Schulterlangen Haaren einen krassen Kontrast bildeten, huschten unter den dichten Wimpern unruhig hin und her. Ich ertappte mich dabei wie ich ihn beobachtete und fingerte nach meinen Zigaretten, die ich achtlos in die Tasche mit den Cd s geworfen hatte, ohne daran zu denken dass ich sie später wieder suchen musste. Der Zug ruckelte wieder und ich spürte wie er mich neugierig beobachtete als ich nun schon etwas wütend in der Tasche wühlte. Das Kabel meiner Kopfhörer begann mich zu stören und ich warf sie achtlos neben mir auf den Sitz.
„Was suchst du?“ seine Stimme klang angenehm melodisch doch in meiner Wut war mir das egal „Nichts!“ zischte ich zurück. Schon viele Menschen hatten sich von mir abgewandt, da ich nicht immer allzu freundlich war und es mir oft schwer viel meine Wut zu kontrollieren, doch ihn schien das nicht zu stören, ich hörte wie er leise lachte. Endlich fanden meine Finger das kleine Päckchen und ich warf ihm einen Blick zu der eigentlich hätte töten müssen, als ich umständlich eine Zigarette heraus holte und sie anzündete. Ihn schien das nicht weiter zu stören und wir begannen beide angestrengt aus dem Fenster zu starren bis der Zug London erreichte.
Mit fremden Schätzen reich beladen
Schiller, Gedichte: Ring des Polykrates
1.
Tante Betti war ein große Sammlerin. Ihre Wohnung platzte aus allen Nähten. Schon die Wände im Flur waren von Regalen übersät in dehnen erschreckend echt wirkende Puppen saßen, die mich dümmlich grinsend begrüßten. Früher hatte ich ihre Wohnung geliebt, weil es hier so viel zu entdecken gab.
Ihr Badezimmer platzte vor kleinen Parfümflaschen, die sie auf ihren vielen Reisen durch die ganze Welt gesammelt hatte, oft hatte ich sie ausprobiert bis ich roch wie eine Parfümerie.
In ihrer Küche wohnten unzählige kleine Elfen und Kobolde aus sämtlichen Materialien. Sie saßen auf dem Tisch, klebten an den Schränken, hingen von der Decke und nahmen fast die gesamte Arbeitsfläche für sich ein.
Nicht zu Toppen war allerdings ihr Schlafzimmer indem meine komplette Verwandtschaft auf kleinen Fotos hauste, die dicht aneinander hingen und die ganze Wand besetzten, sodass man nichts mehr von der bunten Fliestapete dahinter sehen konnte.
Tante Bettis Prunkstück und somit das Highlight der ganzen Wohnung war das Wohnzimmer, indem man das Sofa und den Fernseher erst zwischen Stapeln aus Kissen und Büchern in den verschiedensten Sprachen suchen musste, denn ihre Regale waren bereits überfüllt mit Büchern und die fast 100 orientalischen, kunstvoll verzierten Kissen mussten natürlich auch noch irgendwo Platz finden. Mal ganz abgesehen von den vielen Ketten und Armbändern die an kleinen Häkchen an sämtlichen Türen hingen und die es einem unmöglich machten geräuschlos von einen Raum in einen anderen zu gehen. Dieses sollte wohl die Tatsache aufheben, dass der Fußboden in der ganzen Wohnung mit unzähligen bunten Teppichen belegt war, die einen wie auf Federn gehen ließen ohne ein Geräusch zu machen.
Tante Betti passte zu ihrer Wohnung, sie war eine kuriose Erscheinung nach der sich jeder auf der Straße umdrehte. Ihr mittlerweile schon etwas faltig gewordenes Gesicht glich einem farbenfrohen Schminkkasten. Wann immer sie ihren Kopf bewegte klimperten ihre unzähligen, überdimensionalen Ohrringe die perfekt zu den langen schweren Ketten passten, die sie mit ihrem Gewicht eigentlich hätten nach unten ziehen müssen, doch Tante Betti meinte immer sie hätte einen starken Rücken.
Ihre nicht allzu schönen Füße steckten rosa lackiert in absolut heißen Jesuslatschen, die perfekt durch eine grüne Tunika ergänzt wurden, nur abgerundet durch eine süßlich riechende Parfümwolke die sie begleitete wohin sie auch ging und ihre blonden, kunstvoll hochgesteckten, mit kleinen Blümchen verzierten Haare umschwirrte.
„Tante Betti, du bist ein Freak“ sie war gertenschlank und hoch gewachsen, sodass ich zu ihr aufschauen musste und versuchte unter dem blauen Lidschatten ihre hübschen Augen zu entdecken. „Man muss gegen den Strom schwimmen um an die Quelle zu gelangen“ erwiderte sie mit ihrer rauen Stimme und ich verdrehte theatralisch die Augen. Wir standen auf ihrem kleinen Balkon,
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Kommentare
Drache36@gmx.net alias Lisa Giesler schrieb am 2010-11-30 17:43:02:
FORTSETZUNG....UNBEDINGT^^!!!!!!!
irai schrieb am 2010-02-21 18:11:38:
wow, ich bin begeistert. ganz schön fesselnd, deine story! gibt es eine fortsetzung?
Julia schrieb am 2009-12-04 04:00:50:
Ich weiß nicht was ich sagen soll.
Großartig würde vielleicht passen.
Du liest viel stimmts?
Die Art wie du schreibst ist wirklich Profi- Mäßig.
Sehr großes Lob.
Janina schrieb am 2009-08-26 22:54:02:
Wann schreibst du die Geschichte zu Ende?
Bin schon sehr gespannt.
lulu schrieb am 2009-03-16 21:50:06:
Ich hoffe deine Fortsetzung
Elina schrieb am 2009-02-12 18:23:51:
Hey, deine Geschichte ist wirklich toll geschrieben, doch ich hab mal ne Frage: Wie heißt sie? Cathy oder Clair?
Wirklich schön beschrieben. Finde deine Geschichte wirklich interessant. Hoffentlich schreibst du bald weiter!
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