Nachts wenn alles schläft
von
Barbara Creep
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Es war genau 00:00 Uhr! Die Zeiger sprangen in dem Moment in die senkrechte Stellung, als Marie von einem Geräusch geweckt wurde. Der Mond lugte durch einen Spalt der Gardinen und tauchte das Schlafzimmer in gespenstisches Licht. Müde setzte sie sich auf und sah sich um. Nur langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Umgebung, und mehr und mehr konnte sie die Einrichtung erkennen.
Da war es wieder! Ein Tapsen durchzog die Stille der Nacht.
Eine Gänsehaut kroch über ihren Rücken und ihr fiel der unheimliche Film wieder ein, den sie vor wenigen Stunden gemeinsam mit ihrem Ehemann auf dem Sofa verfolgt hatte. Beide waren große Fans von blutrünstigen Filmen, obwohl Marie bei den schlimmsten Szenen oft die Augen abschirmte. Meistens konnte sie dann nur schlecht einschlafen und bekam Albträume.
Erneut vernahm sie seltsamen Geräusche und ihre Augen weiteten sich. Sie war nahe dran, ihren schlafenden Mann zu wecken und nachsehen zu lassen. Doch plötzlich schlich sich ein Schatten an das Bettende heran und grün leuchtende Punkte stierten sie an.
Sie wollte gerade aufschreien, als sie das Augenpaar erkannte. »Hast du mir einen Schrecken eingejagt«, flüsterte Marie ihrem Hund zu, der mit dem Schwanz wedelnd vor ihr stand. »Na los doch, komm schon rein. Hierher Webster«, sagte sie leise und klopfte sacht mit der Hand auf die Decke, als Zeichen, dass er zu ihr durfte.
Das lies sich der dreijährige Retriever nicht zweimal sagen und landete mit einem Satz neben ihr. Marie streichelte liebevoll ihren vierbeinigen Freund und legte sich beruhigt zurück auf das Kissen. Webster schmiegte sich an ihren Körper und genoss die Wärme seines Frauchens. Dann schloss sie die Augen und glitt ins Reich der Träume.
Marie war gerade fest eingeschlafen, als sie nochmals geweckt wurde. »Nicht schon wieder«, flüsterte sie. Im gleichen Moment erstarrte sie vor Schreck - Webster lag noch immer eingerollt neben ihr und schlief. Sie überlegte, ob sie geträumt hatte, und lauschte.
Da war es wieder! Irgendetwas kroch über dem Fußboden. Vorsichtig, die Luft anhaltend, zog sich Marie im Bett hoch und versuchte durch die Dunkelheit zu erkennen, was es war. Der Mond hatte sich mittlerweile hinter einer Wolkendecke versteckt, um sie herum herrschte tiefe Schwärze.
Mit einem Mal hatte sie das unangenehme Gefühl beobachtet zu werden und stand kurz davor in Panik zu verfallen. Dann vernahm sie deutlich ein Kratzen - es wurde lauter. Erstaunt sah Marie zu ihrem Mann, der tief und fest schlief. Selbst Webster schien nichts zu hören, obwohl er doch sonst jedes noch so leiseste Knistern registrierte.
Das Scharren wurde noch lauter, doch sie konnte nicht erkennen, wer oder was das Geräusch verursachte. Marie erschauderte und fing augenblicklich an zu frieren, als sie feststellte, dass die Laute unter ihrem Bett hervorkamen.
Fast im selben Moment umfasste eine heiße Klaue ihre Hand so fest, als ob diese in einem Schraubstock gefangen wäre. So sehr Marie auch bemüht war, sich aus dieser Umklammerung zu befreien, es wollte ihr einfach nicht gelingen.
Der Druck wurde stärker und sie versuchte sich loszureißen. Doch plötzlich wurde sie mit solch einer Kraft aus Bett gezerrt, dass sie zu keinem Widerstand fähig war. In ihrer Panik bekam sie keine Luft mehr, sie hatte das Gefühl, dass ihr Brustkorb zerdrückt würde und rang um Atem.
Dann überzog etwas feuchtes warmes ihr Gesicht und Marie schrie so laut auf, wie sie konnte – mehr als ein Röcheln brachte sie jedoch nicht hervor. Sie erkannte Webster, er stand mit den Vorderpfoten auf ihrem Brustkorb und leckte ihr Gesicht ab.
Erleichtert schob sie das Tier von sich herunter und atmete tief durch. Sie hatte nur geträumt und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Nie wieder sehe ich mir vor dem Schlafengehen einen so schrecklichen Film an, schwor sie sich in Gedanken.
Webster hatte sich wieder zusammengerollt und schlummerte dicht an sie gedrängt ein. Marie streichelte sein weiches Fell und kuschelte sich Schutz suchend an ihn. Dann fielen auch ihre Augen zu und sie glitt in traumlose Watte.
»Maaarieee«, vernahm sie, wie aus unendlicher Ferne,ihren Namen. »Komm zu uns.«
Aber sie war so müde und wollte weiterschlafen.
»Wach auf. Es wird Zeit!«, klang es nun direkt an ihrem Ohr.
Langsam, widerwillig öffnete sie die Augen und sah einen wunderschönen Engel. Er war in silberweißes Licht gehüllt und schwebte dich über sie. Das Gesicht strahlte Güte und Freude zugleich aus, und sein helles im Wind wehendes Gewand berührte fast ihren Körper. Die großen Schwingen, rechts und links von seinen Schultern, glitten sacht auf und nieder und besaßen eine so große Spannweite, dass sie von einer Wand zur anderen reichten.
»Ich kenne dich doch«, flüsterte Marie.«
»Du hast mich immerzu gerufen, in deinen Träumen. Und ich habe ich dich gewarnt. Doch du wolltest nicht auf mich hören«, entgegnete der Himmelbote in lieblichem Ton.
»Gewarnt? Aber ich kann mich nicht daran erinnern. Wovor wolltest du mich denn bewahren?«
»Hast du es nicht gespürt? Wenn du dir diese bösen Filme angesehen hast? Dein Herz war viel zu schwach dafür, seit deiner Geburt. Und nun musst du mit mir gehen!«
Mit einem Mal sah Marie ihr bisheriges Leben vor ihrem inneren Auge ablaufen. Sie erkannte sich selbst, mit ihrem Mann und Webster vor dem Fernseher sitzend. Im Schnelldurchlauf verfolgte sie die grausamen Filme, die sie in den letzten Jahren förmlich in sich aufgesogen hatte.
Bei den schlimmsten Szenen bemerkte sie, dass sie sich unbewusst an die Brust fasste – es schmerzte heftig darin. Immer wieder griff sie sich daran und stellte mit Bestürzung fest, dass ihr Herzschlag in diesen Momenten einige Sekunden lang ausblieb. Ängstlich blickte sie dem Engel ins Gesicht.
»Ja, du hattest jedes Mal einen kleinen Herzinfarkt«, beantwortete er ihre stumme Frage und sah ihr voller Wärme in die Augen. »Doch du wolltest meine Warnungen nicht ernst nehmen. Leider konnte ich es nicht mehr verhindern und es ist nun an der Zeit zu gehen. Als du vorhin einen Albtraum hattest, hast du dich so sehr erschreckt, dass dein Herz für immer stehen blieb.«
Einen Wimpernschlag später befand sich Marie neben dem Engel und blickte auf ihren leblosen Körper herab. Webster kuschelte sich schlafend an den noch leicht warmen Leib, der mit jeder Sekunde mehr und mehr auskühlte. Doch sie verspürte keine Furcht.
Und als der Gottesgehilfe seine großen Schwingen um ihre Schultern legte, fühlte sie eine unendliche Geborgenheit in sich aufkommen. Ein letztes Mal noch spähte sie auf die scheinbare Idylle und erhob sich anschließend mit ihm in die Höhe.
Sie flogen in einen Tunnel hinein. An seinem Ende machte sie ein gleißendes Licht aus, das größer und strahlender wurde mit jedem Schlag seiner Flügel. Darin formten sich bekannte Gesichter. Längst verstorbene Verwandte und Menschen, die sie einst in ihr Herz geschlossen hatte, bildeten einen Kreis und blickten ihr Freude ausstrahlend entgegen. Weitere gesellten sich dazu und hießen sie
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Kommentare
kleineblondine schrieb am 2009-10-20 19:34:11:
die geschichte war echt spannend mach so weiter
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