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Kategorien > Liebe&Leben > Liebe

Nadine

von Nero

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Ich war damals mit meinen 17 Jahren wohl noch ein junges Mädchen, doch das Ende meines Lebens so wie ich es kannte, sollte mich bereits sehr bald ereilen. Heute bin ich 21 Jahre alt und sitze, ebenso tot wie lebendig, trotz allem was geschehen ist hier und schreibe, um meine Geschichte auch Außenstehenden zugänglich zu machen.

Ich war immer schon sehr frühreif gewesen, sowohl mental als auch körperlich weiter entwickelt als die meisten Gleichaltrigen. Anschluss fand ich in der Schule (ich besuchte das öffentliche Gymnasium) schon auf Grund meiner vielleicht etwas eigenen Art keinen. Nicht, dass ich das gewollt hätte, viel mehr grenzte ich mich selber von meinen Klassenkollegen ab, da mich niemand so recht so akzeptieren wollte, wie ich nun einmal war. Hinzu kam noch, dass ich in einer Kleinststadt aufwuchs, die den Titel „Stadt“ nicht einmal wirklich verdient hatte. Selbstverständlich fiel ich hier mit meinen Eigenheiten noch mehr auf. Sprüche wie „ Wie kann man nur so rumlaufen?!“, oder auch „ Die schwarzen Haare und die Kleidung gehen ja noch, aber was sind das für merkwürdige Tattoos?“ hörte ich täglich. Meine Bemühungen um ein halbwegs selbstbewusstes Auftreten schienen aber von Erfolg gekrönt zu sein, denn viele Leute hielten mich für etwas, das ich sicherlich niemals hätte verkörpern können. Lange hatte ich versucht, sogenannte „Freundschaften“ zu den Leuten in meiner Klasse zu etablieren, doch es hatte einfach nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Tatsächlich war ich aber auch einfach viel zu schüchtern und introvertiert, um großartig soziale Kontakte zu pflegen.
Zu meinem Glück allerdings gab es da etwas, oder viel mehr jemanden in dieser Welt, der mir Halt gab, der mich besser zu kennen schien als ich es selbst tat. Ich rede natürlich von Nadine, einem Mädchen aus meinem Ort, das ich kennengelernt hatte, als ich 15 war. Bei ihr konnte ich vergessen, dass ich bei den Anderen verhasst war und mich allzu einsam fühlte. Zudem musste ich mir eingestehen, dass zwischen uns eine gewisse romantische Spannung bestand. Mehrmals schon hatten wir an gemeinsamen Abenden durchaus leidenschaftliche Küsse gewechselt. Ich will mich darüber nun nicht beklagen, im Gegenteil: Ich muss zugeben, dass ich in meiner grauen, von Trägheit und Lustlosigkeit geprägten Welt nichts jemals mehr genossen hatte, als ihre Lippen auf meinen zu spüren. Ich glaube, dass sie dabei ähnliche Gefühle hatte. Neu für mich war, dass ich mich eigentlich selbst nicht als lesbisch oder bisexuell empfand und wir uns doch so stark zueinander hingezogen fühlten und keinen Grund sahen, uns diesem Verlangen nicht hinzugeben. Homosexualität ist in unserer Gesellschaft meiner Meinung nach immer noch ein Tabuthema, wenngleich auch die speziell unter Jugendlichen verstärkt stattfindende Aufklärung durch Medien wie Internet und TV hier bereits vieles bewirkt hatte.
Wir achteten dennoch immer gut darauf, dass niemand etwas davon mitbekam, da wir nicht wussten, wie wir ein so komplexes Verhältnis für andere Menschen verständlich machen sollten. Zum Glück war es noch nie so weit gekommen, dass das nötig gewesen wäre. Lediglich einmal war es brenzlig geworden, als wir in Nadines Zimmer bei Kerzenschein unseren Neigungen nachgegangen waren und ihre Mutter plötzlich in der Tür gestanden hatte. Zwar hatten wir uns rechtzeitig voneinander gelöst, doch war die Mutter über den Anblick, der sich ihr bot dennoch verwundert und versuchte an jenem Abend, Nadine Antworten zu entlocken; diese wies allerdings tapfer sämtliche Fragen von sich.
Nun war ich an jenem Tag, an dem mein kurzes menschliches Leben ein jähes Ende finden sollte, auf dem Weg zu Nadine, um mit ihr einmal mehr unseren allwöchentlichen Horrorfilm- Abend abzuhalten. Sie wohnte in einem Haus in der Nähe des Waldes, der sich entlang des kleinen Flusses, der durch die Stadt floss, bis zum nächsten Ort zog. Mein Handy zeigte erst kurz nach sechs Uhr abends an, doch aufgrund der winterlichen Jahreszeit war es bereits dunkel. Im ersten Stock sowie im Parterre des Hauses brannte Licht. Ich klingelte. Nadine öffnete. Dann fiel sie mir auch schon um den Hals und drückte mir heimlich einen Kuss auf die Wange, nichts weiter, da ihre Mutter bereits in der Tür erschienen war und mich mit einem wie ich meine aufgesetzten Lächeln begrüßte:
„Hallo!“
„Hallo!“, ich wollte einfach nur so schnell wie möglich von ihr weg, nicht nur, da ich mit Nadine allein sein wollte, sondern allein schon aufgrund meiner Abneigung gegenüber ihrer Mutter, die ich immer nur als eine Art Hindernis auf dem Weg zu ihr empfand. Interessant ist an dieser Stelle vielleicht, dass ich sie unter anderen Umständen als „gar nicht so schlimm“ empfunden hätte, ja, wahrscheinlich hätte ich sie sogar gemocht, wäre ihre Tochter nicht das Objekt meiner Begierde. Es durfte sich einfach niemand zwischen uns stellen, das war das Einzige, das mir wichtig war.
Schon während ich Nadine die Treppen nach oben folgte hing mein Blick förmlich an ihren wohlgeformten Beinen, die in einer engen Leggings steckten. Nadine bemerkte offenbar meinen gierigen Blick und warf mir über die Schulter ein Lächeln zu, das ich nur sehr schwer einzuordnen vermochte. Irgendetwas war heute anders an ihr, sie wirkte so erwartungsvoll.
Nadines Zimmer befand sich im ersten Stock. Es war dunkel und ein intensiver Vanille - Geruch drang aus der angelehnten Tür heraus auf den Gang. Die Quelle sowohl des Lichts als auch des erregenden Geruchs war schnell ausgemacht: Duftkerzen. Nadine hatte einfach Geschmack und ein Gefühl dafür, meine Sinne für ihre Annäherungen empfänglich zu machen. Ich war noch dabei, den Duft der Kerzen aufzusaugen, als sie mich mit einem Wink einlud, mich zu ihr auf das Bett zu setzen, während sie den ersten Film auf ihrem Laptop startete. Nachdem ich es mir neben ihr bequem gemacht hatte ließ sie sich tief an der Wand sinken und drängte sich dicht an mich. Ich spürte die Wärme ihres Körpers und den Hauch ihres ruhigen Atems auf meiner Haut, konnte ihr Herz neben meinem leise schlagen hören. Ich konnte einfach nicht anders, ich musste sie ebenfalls berühren. Vorsichtig streichelte ich durch ihr samtenes schwarzes Haar und ließ meinen Kopf auf ihre Schulter sinken. Es waren wirklich schöne Stunden, die wir mit dem Filme schauen zubrachten, doch natürlich lief dabei nichts. Nun ja, nichts außer Gekuschel, doch das reichte mir vollauf. Ich war auch nicht traurig, als ich nach dem dritten Film bemerkte, dass es schon reichlich spät war, da ich ohnehin bei Nadine übernachten würde.
Es war Viertel vor zwölf, als Nadine endlich den Laptop zuklappte und zur Seite legte. Auf meine Frage, was wohl als nächstes passieren würde, schlang sie einen Arm um meine Hüfte und legte ihr Gesicht an meines, sodass wir Stirn an Stirn nebeneinander da lagen und uns direkt in die Augen sehen konnten. Zwei schnelle Atemzüge lang spürte ich den zärtlichen Hauch über meine Lippen streichen, dann führte sie meine Lippen mit

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