Necro-Reader 2.Band
von
Leinad Linguisti
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Kugeln an meinem Kopf vorbei. Ich sprang. Während ich fiel, erinnerte ich mich, dass ich nicht levitieren konnte. Unsanft landete ich im Gebüsch. Es war nichts gebrochen. Ich richtete mich auf und rannte in das nahe gelegene Waldstück.
VI.
Davidson Sinclair runzelte die Stirn. Sein Chef lief im Zimmer auf und ab.
„Diese Reaktion hätten wir erwarten müssen, Sir. Wir haben ihn in die Ecke getrieben. Es musste so kommen.“
„Nice Guy“ fuhr herum.
„Man könnte glatt auf den Gedanken verfallen, dass sie Gefühle für dieses Wesen entwickelt haben.“
„Nein Sir. Habe ich nicht.“
„Ich hoffe Sie sind sich darüber im Klaren, Agent Sinclair, dass sie die alleine Verantwortung für ihn tragen. Sollte die Operation „Höllenpfuhl“ scheitern, werden sie mehr als nur ihren Job verlieren.“
„Ja, Chef. Ich habe verstanden.“
Ich rannte wie ein Wilder. Die Blätter schlugen mir ins Gesicht, doch ich merkte es nicht einmal mehr. Ich wollte nur noch weg. Über mir knackten die Äste. Ein Schatten fiel auf mich hernieder und ich blieb stehen. Zum Glück, den sonst wäre ich von Davidson zu Boden gerungen worden.
„Wie konntest du so schnell hier sein?“
Der Spezial Agent zeigt ein boshaftes Lächeln.
„Wir haben alle unsere kleinen Geheimnisse. Komm her, oder ich muss dir wehtun.“
„Damit hast du doch sonst auch kein Problem. Komm her und hol mich.“
Das zu sagen, war eine mehr als dumme Idee gewesen, denn er kam wirklich. Ich konnte seine Aura sehen. Sie war stärker. Zu stark für einen einfachen Menschen.
„Was bist du?“
„Ein Mensch, der dir nur helfen will.“
Ich wich seinen Schlägen aus. Als ich über einen Strauch fiel warf er sich auf mich. In normalen Fällen hätte ich es erotisch gefunden, wenn sich ein starker Mann auf mir abstrampelt, aber nicht jetzt. Als ich den Mund öffnete um zu schreien, drückte er mir einen feuchten Lappen vor Mund und Nase.
Wieder einmal sah ich nur Sterne.
VII.
Ich erwachte in einer unbequemen Position, nämlich gefesselt und geknebelt an seine Schulter gelehnt. Eine Decke um uns beide gelegt. Ich regte mich und traf mit meinem Ellebogen seine Nase. Leider nicht fest genug, dass sie blutete, wie ich feststellen musste.
Davidson reckte sich genüsslich.
„Auch schon ausgeschlafen? Du sagst ja gar nichts.“
Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. So ein elender Scheißkerl.
„Ich nehme dir jetzt den Knebel raus und du versprichst nicht zu schreien, okay.“
Oh ja, dachte ich nur. Nimm ihn raus, dann kannst du dich von deinem Trommelfell verabschieden. Er löste den Knoten und das Tuch fiel. Ich öffnete blitzschnell den Mund und hatte ihn auch schon gefüllt, mit seiner Waffe.
„Euch Dämonen kann man einfach nicht trauen“, witzelte er. Ich wusste, dass du das wagen würdest. Noch so eine Show und ich drück ab.“
Ich nahm ihn beim Wort. Er steckte die Waffe wieder weg.
„Kannst du mich auch losbinden? Dafür wäre ich dir ewig dankbar.“
Er achtete nicht auf meinen Kommentar.
„Bringst du mich jetzt zurück?“
Davidson schien zu überlegen.
„Nein, ich bring dich nach Hause. Wir verstecken uns dort. Das FBI kriegt dich nicht, ich habe dir geschworen, dich zu beschützen.“
Ich wollte einlenken und ihm sagen, dass ich keine Hilfe brauchte und auch keine wollte, doch ich tat es nicht. Ich weiß nicht warum. Die Art wie er sich um mich kümmerte, gefiel mir sehr gut und doch war es abstoßend. Er sah übernächtigt aus. Sein glattes Kinn wich einem Drei-Tage-Bart, aber das machte ihn noch unwiderstehlicher. Wir frühstückten in einer billigen Absteige, besser gesagt er aß und ich musste im Wald ausharren, mit der geladenen Waffe im Mund. Als ob man mir nicht vertrauen konnte.
VIII.
Davidson fuhr mich nicht mit seinem Dienstwagen nach Hause, sondern mit einem Taxi. Anders gesagt, ich saß auf der Rückbank noch immer gefesselt, Davidson neben dem Fahrer mit der Waffe in der Hand und der Fahrer mit den Händen am Steuer und der Angst im Nacken. Ich versuchte noch ein wenig zu schlafen, hatte ja eher alles keinen Sinn. Als ich ausgeruht war, lag ich bereits in meinem Bett. Davidson hatte mich nicht geweckt, sondern liebevoll in mein Bett getragen. Mich ausgezogen und sogar nicht mehr gefesselt. Er schnarchte leise neben mir. Ich berührte seine Brust, die sich langsam senkte und hob. Ich legte meinen Kopf dagegen.
Das Herz pochte leise. Wie gerne hätte ich es ihm aus der Brust gerissen, doch mein Drang ihn zu töten, wich dem Drang ihn zu ficken. Ich zog die Decke noch ein Stück weiter zurück. Eine Tätowierung wurde sichtbar. Verschlungene Pfade die auf seinem muskulösen Oberkörper, Zeichen und Symbole bildeten. Mein Herz sank schon wieder in die Hose. Davidson hatte mich erneut belogen. Schon wieder ein Geheimnis.
Aber wie hätte ich auch glauben können, je mit ihm glücklich werden zu können. Ich setzte mich an den Bettrand und ließ die Beine baumeln.
IX.
Ich wartete. Geduldig. Lauernd. Er war mir mehr als eine Erklärung schuldig. Sein Verrat saß so tief. Er wachte beim ersten Hahnenschrei auf und lächelte mir als er mich am Bettende sitzen sah. Mein Gesicht war eine ausdruckslose Miene.
„Du bist ja wirklich noch da. Hätte ich nicht gedacht.“
Ich sah ihm in die Augen.
„Darf ich dir eine Frage stellen?“
Er robbte sich vor und legte die Hände um meinen Hals. Ich zitterte. Ich hasste ihn.
„Natürlich.“
„Kriege ich auch eine ehrliche Antwort?“
Er knabberte an meinem Hals.
„Sicher“, sagte er lüstern.“
Ich wagte es. Ich musste es einfach sagen. Jetzt oder nie. Wenn ich es nicht tat würde es mich zerreißen.
„Seid wann bist du Dämonenjäger?“
Ende des zweiten Buches
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