Neumond
von
Stefanie Kreis
1
Hast du schon einmal geträumt?
Erstaunt strecktest du deine Hand aus und berührtest ein zartes Blütenblatt einer von Morgentau benetzten Blume. Ihre Reinheit verzaubert dich. Auf der kleinen leicht rosa schimmernden Blüte funkelten die Wassertröpfchen wie kleine Diamanten. Fasziniert streckst du deine Hand aus um sie anzufassen, diese weichen Blütenblätter. Doch leider verschwindet sie vor deinen Augen in den Nebelschleiern deines eigenen Traumes. Plötzlich stehst du auf einer Wiese und der Nebelschleier gibt die Sicht frei. Du spürst unter dien Füßen das weiche Gras und die warme Erde. Langsam nimmst du den Duft der viele Pflanzen um dich herum war. Sonnenstrahlen berühren nun deine Haut, als würde sie dich streicheln. Voller Ehrfurcht siehst du die Wolkenschatten auf der hügeligen Landschaft dahin fließen. Du nimmst die vielen Stimmen wahr die der Wind mit sich fort trägt. Gespannt hörst du Ihnen zu welcher Geschichte sie zu erzählen haben. Freudig lächelst du und spürst wie du dich veränderst. Den Boden spürst du nicht mehr, nur den Wind der dich empor reißt. Du hast keine Angst, den du weist dass dir nichts passiert. Dein Herz singt endlich wieder eins zu sein. Auf dem Wind segelst du dahin. Etwas Großes fliegt neben dir und kreischt dir aufmunternd zu. Neugierig schaust du zu Seite und siehst in die lebendigen Augen eines Adlers. Du lachst und siehst unter dir etliche Landschaften. Wälder, Wiesen, Berge ziehen an dir vorbei. Dann plötzlich geht es abwärts mitten in den Wald hinein, doch kein Baum berührt dich als wärest du ein Geist. Trotzdem schließt du deine Augen und als du sie wieder öffnest merkst du dass deine Reise weitergeht. Du bemerkst wie pelzige, große Pfoten dich davon tragen. So gr0ß kommt dir die Welt vor. Farne peitschten in dein Gesicht. Sonnenstrahlen weisen dir den Weg durch den Wald. Du siehst kleine Insekten im Licht fliegen, das durch die Lücken des Waldes scheint. Nachdem der Wald dich freigegeben hat jagst du auf einer Wiese dahin, als würdest du mit dem Wind um die Wette laufen. An einem See geht es vorbei. Du siehst dem Wind auf ihn tanzen und die Sonnen spiegelt sich. Doch plötzlich hüllt der Nebel dich ein und du siehst nur noch den wässrigen Spiegel. Du vermisst die Sonne die dich wärmt. Kein Duft nach frischem Gras, keine Stimmen im Wind. Alles war still. Du fühlst dich alleine und die Angst beschlich dich nun. Auf den See entstanden dunkle Strukturen bis sie eine Form von einem Käfig annahmen. Erschrocken erkanntest du dass du darin stehst, die Hand auf dich gerichtet. Stumm sahst du den Hilfeschrei in den Augen. Vor Furcht drehst du dich um und läufst in den Nebel hinein. Schwarz wurde es um dich herum und verwirrt drehst du dich im Kreis. Ängstlich siehst du dich um, als Stimmen anfingen zu flüstern und immer lauter wurden. „Wer bist du?“. Sie dröhnten in deinem Kopf wieder. Halbwahnsinnig sagst du immer wieder deinen Namen, aber die Stimmen hören nicht auf. Verzweifelt sinkst du auf den Boden. Dein Atem ging schwer. „Wer bist du?“, schienen die Stimmen nun zu schreien. „wer bin ich?“, fragst du dich nun selbst, dein Verstand wusste es und unterdrückte das aufbegehren des Herzens. Mit der Zeit zweifelst du an dir selbst. „Wer bin ich?“ Deine Herz übernahm die Antwort „Ich weis es nicht.“ Die Stimmen verschwanden und ließen dich alleine. Dein Gesicht war nass vor Tränen. „Wie kommt es das du das nicht weist?“ fragte eine fremde Stimme. Suchend sahst du dich um konntest aber niemanden entdecken. „Wer sagt dir, dass du nicht weist wer du bist?“ „Die Stimmen.“, flüsterst du, „Nein mein Herz.“ „Dein Herz? Sage mir eins seit wann hören die Menschen auf ihr Herz oder auf ihre Seele?“ „schon immer oder? Aber..“ Du konntest nicht weiter sprechen du dachtest an dein Leben. Viele Bilder strömten auf dich ein. Wie oft hattest du auf deine Seele gehört? Vergeblich nach einer Antwort suchen zucktest du mit den Schultern. „Du kannst mir keine Frage beantworten.“ „Ja ich kann es nicht.“ „viele können sie nicht beantworten. Du bist nicht der einzige. Du musst sie auch nicht beantworten können. Seit die Menschen auf dieser Welt existieren hären sie nicht mehr auf das was ihre Seele ihnen sagt. Doch jede Seele kommt aus mir. Die Seele wird immer wiedergeboren. Immer auf der Suche nach sich selbst, nach dem Leben, nach Erfahrungen das sie reifen lässt. Irgendwann wird sie eins sein mit dem Leben und zu uns zurückkehren. Du bist eine Seele in einem sterblichen Körper, doch so bist du nicht du selbst. Sehe hinaus und schauen dir die Menschen an. Wer sind sie? Ihre Seelen suchen nicht mehr und verkümmern. Sie vegetieren dahin. Ihr schadet dabei nur euch selbst. Ihr unterdrückt eure wahre Natur schon von Kindesbeinen an. Aber ihr könnt nichts dafür. So ist der Mensch nun einmal. Euere Seele ist etwas wertvolles was euch gegeben wurde. Pflegt sie.“ Nach den Worten sahst du auf und konntest eine Person erkennen mit Flügeln, aber die Dunkelheit gab ihn nicht preis. „Vergiss nie dass du eine Seele besitzt.“
Du erwachtest aus deinem Traum und starrtest auf die Zimmerdecke, froh darüber dass es nur ein Traum war. Nichts ahnend das zwei ungleiche Geschöpfe sich unterhielten.
„Du versuchst es doch immer wieder die Menschen an ihre unsterbliche Seele zu erinnern. Gib es doch auf.“, sagte eine tiefe Stimme und trat ins Licht des hellen Mondes der Zeuge dieses Treffens wurde. „Warum sollte ich sie an etwas erinnern das sie selbst wissen?“ „Immer weniger Menschen glauben an euch und bestreiten es so etwas wie eine Seele zu besitzen. Der Plan von Ihm geht nicht auf. Sie wandeln als graue Wesen durch ihre Welt.“ „Die Menschen nehmen ihre Welt nicht mehr wahr in der sie leben. Sie sind ein Teil davon, aber sie sind blind und taub für sie geworden.“ „Grau wolltest du wohl sagen. Jede graue, schwarze Seele gehört uns. Die Menschen gedeihen doch prima in unsren Sinne und in naher Zukunft können wir ernten.“ Voller hass begann die in schwarz gehüllte Gestalt zu lachen und verschwand im Schatten der Nacht. Betroffen sah die zurückgelassene Gestalt auf den leeren Platz neben sich. „Ja es stimmt was du sagtest Luzifer, aber in jeder Seele ist ein Funke Gottes und dieser wird nie erlöschen. Sollte es soweit sein und die Menschen sich nicht ihrer Selbst, der ein Teil dieser von Gotteshand geschaffenen Welt ist, erinnern, können wir ihnen nicht helfen. Gnade ihrer Seelen.“, gab die weißgeflügelte Gestalt zu.
Hast du schon einmal geträumt? Träume sind Spiegelbilder unseres wahren Selbst. Vielleicht ist unsere Seele so rein wie die Blume, so beweglich wie der Wind oder so flink wie das Tier im Wald, so voller Leben wie die Augen des Adlers, so voller Licht und Kraft wie die Sonne selbst. Aber ist sie nicht eingesperrt im Käfig und sind unsere Augen nicht geschlossen wie der Nebel der uns die Sicht versperrt. Die arme weißgeflügelte Gestalt muss weiterhin graue Seelen auf dieser Welt umherirren sehen.
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