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Kategorien > Fantasy > Abenteuer

Nibelheim

von kaipi

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Yaro hatte sein ganzes Leben in dem kleinen Dorf Nibelheim zugebracht, einem trostlosen Ort, der von Finsternis umgeben war. Vor Urzeiten hatte sich ein schwarzer Nebel über das Dorf gelegt und hüllte es seitdem in ewige Nacht. Ein einsamer Baum stand in der Mitte des Dorfplatzes, dessen leuchtende Früchte den Menschen als Nahrung dienten und ihnen zumindest ein wenig Licht spendeten. Darüber hinaus beleuchten Fackeln die Eingänge zu den Häusern, das Tor, das hinaus in den Nebel führte und auch den steilen Pfad hinauf zu Yggdrasils Tempel, einer heiligen Stätte, die zu betreten der Bürgermeister untersagte. Er drohte damit denjenigen zu verbannen, der es wagen sollte gegen dieses Verbot zu verstoßen.

Die Katze verfolgte einen Schatten, der so rasch über den Dorfplatz huschte, dass Yaro nicht genau sagen konnte, ob es sich um eine Ratte oder um ein anderes Tier handelte. Die vermeintliche Beute bewegte sich geradewegs auf das große, steinerne Tor zu, in das alte, kunstvolle Runen eingraviert waren. Es kam Yaro beinahe unwirklich vor im Schein der auflodernden Flammen.
Dora entwich ein heiserer Schrei des Entsetzens.
„Nein Pan, komm zurück!“ Ihre geflochtenen Zöpfe schwangen hin und her, als das Mädchen versuchte den Kater einzuholen. Es gelang ihr nicht. Kurz darauf fegte der Schatten hinaus in den Nebel. Yaro hatte Schwierigkeiten seinen Bewegungen mit den Augen zu folgen. Nur Bruchteile einer Sekunde später griffen die schwarzen und bedrohlich wabernden Nebelschlieren wie Arme nach Pan dem Kater, der selbst angesichts der vor ihm liegenden Gefahr nicht gewillt war die Verfolgung aufzugeben. Sie rissen ihn mit sich in die Finsternis.
„Nein!“, in Doras Augenwinkeln glitzerten die Tränen.
Das Mädchen machte ein paar Schritte auf das Tor zu, doch noch bevor sie die unsichtbare Barriere hinaus in den Nebel übertreten konnte, sank sie ohne ersichtlichen Grund in sich zusammen und griff sich an die Stirn. Das schwebende Auge mit den Ausmaßen eines menschlichen Kopfes, hatte vernehmbar zu surren begonnen. Es schien die Dunkelheit des Nebels in sich aufzusaugen und war schwärzer, als alles was Yaro jemals zuvor gesehen hatte. Allein von der tellergroßen Iris ging ein rotes und bedrohliches Leuchten aus.
„Das verfluchte Ding will mich nicht vorbeilassen. Pan ist doch alles was ich habe.“ Dora begann leise zu schluchzen.
Beim Anblick der undurchdringlichen Nebelwand begann Yaros Herz schneller zu schlagen. Vermutlich befand sich der Kater noch ganz in der Nähe. Einige Schritte hinaus in den Nebel mochten genügen, um ihn zurückzuholen. Als er in Richtung des Tores eilen wollte, griff Mira nach seinem Arm. Die Tochter des Bürgermeisters hatte das Geschehen bislang regungslos verfolgt. Ihr blasses Gesicht verriet dem Jungen jedoch, dass auch sie Doras Schmerz teilte. Pan der Kater war ihr ebenso ans Herz gewachsen, wie seiner jungen Besitzerin.
„Bist du wahnsinnig! Sag mir nicht das du in den Nebel hinausgehen willst.“
„Es sind nur ein paar Schritte. Pan muss noch ganz in der Nähe sein.“
„Er wird uns fehlen, weißt du. Aber dich würde ich noch viel mehr vermissen.“ Sie sah ihren Freund eindringlich aus ihren braunen Augen an. Mit ihrem feuerroten Haar erinnerte sie Yaro ein wenig an einen Fuchs. Aber einen sehr hübschen, fügte er in Gedanken hinzu.
„Niemand der in den Nebel hinausging, ist jemals zurückgekehrt.“ Mira öffnete den Mund um noch etwas hinzuzufügen, überlegte es sich dann aber anders und schwieg.
„Ich muss es einfach versuchen. Es tut mir leid.“ Yaro löste seinen Arm aus Miras Griff und eilte auf das Tor zu. Wenn er Pan noch retten wollte, musste er sich nun beeilen.

Als er den gewaltigen, steinernen Säulen näher kam, krampfte sich unwillkürlich sein Magen zusammen und er hatte das Gefühl sich übergeben zu müssen. Warum nur war seine Furcht vor dem Nebel so stark? Er warf einen flüchtigen Blick auf den Wächter, doch das Auge war geschlossen, ganz so als würde es schlafen. Der Junge blieb unmittelbar vor dem gewaltigen Tor stehen. Jetzt schien es auf einmal so leicht zu sein. Mira hatte Recht: Noch nie hatte es ein Dorfbewohner gewagt hinaus in den Nebel zu gehen. Und er stand nun so kurz davor dieses ungeschriebene Gesetz zu brechen. Fast konnte er die schwarzen Wolkenfäden berühren. Noch ein Schritt...
[I]Dein Vater ist ebenfalls hinaus in den Nebel gegangen [/I]
Yaro erstarrte. Das große Auge war erwacht und starrte den Jungen finster an. Zumindest kam es ihm so vor. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Yaro wusste, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben war. Aber er hatte sich sein ganzes Leben lang immer wieder gefragt, was mit seinem Vater geschehen war. Auf diese Art hatte er also das Dorf verlassen. Aber wieso?
[I]Mich kannst du nicht so leicht davon abhalten. Genau wie meinen Vater... [/I]
Die schwarze Wand, die vor ihm lag, jagte ihm nun keine Angst mehr ein. Wenn sein Vater den Mut dazu aufgebracht hatte, hinaus in den Nebel zu gehen, konnte er das auch. Ohne zu zögern schritt Yaro durch das große Tor und tauchte in die Finsternis ein.
Auch wenn er Dunkelheit erwartet hatte, so erschrak er doch, denn es gelang ihm noch nicht einmal die Umrisse in seiner unmittelbaren Umgebung auszumachen.
[I]Er kam niemals zurück.[/I]
Eine eisige Hand schien Yaros Herz zu umklammern.
[I]Und wenn schon. Vielleicht wollte er ja gar nicht zurück ins Dorf[/I]
Genau, was gab es hier schon, mal abgesehen von seinem Sohn, den er an diesem trostlosen Ort zurückgelassen hatte, dachte Yaro voller Bitterkeit. Wenn er jetzt hinaus in den Nebel ging, war er auch nicht besser. Dann würde er ebenfalls die Menschen im Stich lassen, die ihn liebten. Mira. Und die anderen.
Yaro trat zurück in die Welt des Lichts. Als er sich umwandte, bemerkte er, dass das schwebende Auge wieder geschlossen war. Dora hockte noch immer auf dem Boden und Yaro versuchte ihrem Blick auszuweichen.
„Der Wächter hat dich auch nicht vorbei gelassen?“
Er nickte nur traurig.
„ich werde Pan nie wiedersehen...“
„Du Schwachkopf!“, Mira hatte Tränen in den Augen, aber trotz aller Empörung schloss sie Yaro in die Arme und hielt ihn so fest umklammert, als wollte sie ihn nie mehr los lassen.

„Was ist denn hier los?“
Mira fuhr erschrocken zusammen. Sie hatte nicht bemerkt, dass ihr Vater, der Bürgermeister sich dem Dorfplatz genähert hatte. Er hatte sich die blaue, mit goldenen Ornamenten verzierte Kapuze seines Priestergewandes über den Kopf gezogen. Aus seinem mit struppigen, weißen Haaren zugewucherten Gesicht funkelten sie seine Augen zornig an.
„Pan ist in den Nebel gelaufen, Vater.“
„Yggdrasil gibt und er nimmt es wieder zu sich, das ist schon immer so gewesen. Das ist kein Grund hier so herumzuschreien.“ Er wandte sich an Dora, die noch immer auf dem Boden kauerte.
„Geh und lauf nach Hause, ich bin sicher deine Eltern suchen dich schon.“
Trotzig erwiderte das Mädchen den Blick des Bürgermeister, doch sie ahnte, was es für Folgen haben würde, wenn sie es wagen

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