Nicht nur der Winter ist kalt und hässlich
von
Jürgen Haidvogl
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Es war schon dunkel, als ich aus dem Haus ging. So wie in den letzten Wochen, war es an diesem Abend verdammt Kalt. Es war schon den ganzen Tag lang kalt. So ist eben der Winter. Kalt und Hässlich. Aber nicht nur der Winter ist so!
Ich eilte die Straße entlang, bis ich zur Wattgasse kam und bog nach links ab. Dann weiter zur Kreuzung. Ich war auf dem Weg zur Straßenbahn. Aber anstatt zur Station hinüber zu eilen, die sich zwischen den Fahrbahnen befand, ging ich nach links zur Trafik. Ich brauchte wieder Zigaretten, denn den letzten Glimmstängel meines alten Packerls hatte ich vor einer halben Stunde geraucht. Also hatte ich keine mehr.
Ich schritt in die Trafik. Die Angestellten bereiteten sich schon aufs Zusperren vor. In ein paar Minuten war für sie Feierabend. Ich stellte mich zur Kassa und sagte: „Ein Mal die roten Pall Mall, bitte.“
Sie nahm eine Schachtel und nannte mir den Preis. Ich gab ihr das Geld und nahm beim Rausgehen meine Zigaretten. Sofort zündete ich mir einen Glimmstängel an und stellte mich zur Ampel. Es dauerte nicht lange, schon war es grün. Ich setzte mich in Bewegung und kam bei der Station an. Eigentlich hatte ich Glück, denn die Straßenbahn war schon fast da. Sie brauchte nur mehr über die Kreuzung zu rollen, doch ich entschied mich diese aus zu lassen. Ich hatte mir gerade erst eine Kippe angesteckt und wollte diese nicht gleich in den matschigen Schnee werfen.
Die Bim fuhr in die Station ein und blieb stehen. Leute stiegen aus und andere stiegen ein. Ich blieb draußen in der Kälte. Die Türen gingen zu. Noch leuchtete der Türknopf grün und gab mir damit die Möglichkeit meine Entscheidung zu überdenken. Doch ich tat es nicht. Ich blieb draußen, wo es Kalt und Hässlich war.
Das Licht des Türknopfes änderte seine Farbe. Es wurde rot. Einsteigen war nun nicht mehr möglich und die Straßenbahn setzte sich in Bewegung um ihren Weg fort zu setzen.
Wenige Minuten später kam auch schon die nächste Straßenbahn. Ich war mit der Zigarette fertig und stieg ein. Drinnen war nicht viel. Die Bim war beinahe Menschenleer. Nur wenige Sitzplätze waren belegt. Das war gut. Ich wollte sowieso sitzen und ein wenig lesen.
Gemütlich saß ich und las an meinem Buch weiter. Die Straßenbahn fuhr eine Station nach der anderen ab. Beim Elterleinplatz stieg ein Kontrolleur ein. Ich beachtete ihn zuerst nicht. Erst als er zu mir kam und sagte: „Ihr Fohrschein, bitt schö`!“
Ohne ihn anzusehen griff ich in meine Hosentasche und holte meine Fahrscheine heraus. Ich hatte insgesamt vier Einzelfahrscheine einstecken. Diese gab ich ihm. Soll er doch selbst herausfinden, welchen dieser zerknitterten Fahrscheine ich benützt hatte.
Er nahm alle viere und schaute sich einen nach dem Anderen an. Dann sagte er: „Sie hob`n net g`zwickt.“
„Ups“, erwiderte ich, „das habe ich wohl vergessen. Tut mir leid. Das kommt nicht wieder vor.“
„Des geht net!“
„Wieso? Das war ja keine Absicht. Es war einfach nur ein Versehen, dass mal vorkommen kann.“
„Die san aber alle zerknittert.“
„Ich kaufe immer einen ganzen Haufen von denen. Und die lasse ich immer in meiner Hosentasche. Deswegen schauen die auch so aus.“
„Net g`zwickt is net g`zwickt.“
„Jetzt seien Sie doch nicht so Bürokratisch.“
„Des geht net.“
„Ach kommen Sie“, meinte ich, „gehen Sie einfach weiter und lassen mich in Ruhe. Hier gibt es bestimmt echte Schwarzfahrer.“
„Tut ma leid, aber wir steigen jetzt aus.“
Ich stand auf und stieg mit ihm aus. Wir waren am Gürtel. Die Temperaturen machten mir echt zu schaffen. Einfach Kalt und Hässlich. Aber nicht nur der Winter ist so!
„So“, ertönte es von ihm, „ihr Ausweis, bitt schö`.“
Ich verdrehte die Augen und gab ihm meine E-Card. Er nahm diese und tippte etwas in ein Gerät ein. Mein Name. Meine Adresse. All meine Daten. Als er fertig war, gab er mir meine Karte zurück: „Ihre E-Cord.“
Ich nahm die Karte und steckte diese weg. Dann nahm er einen Erlagsschein heraus und füllte einen Betrag aus. 70 Euro. Verdammt, für die Summe könnte ich mir ein Rapid-Trikot kaufen. Das Auswärtstrikot. Immerhin hatte ich das Leiberl für die Heimspiele schon.
Kalt und Hässlich, schoss es mir durch den Kopf. Immer wieder und wieder und wieder und wieder. Kalt und Hässlich. Aber nicht nur der Winter ist so!
Er gab mir den Erlagschein. Ich nahm diesen und sagte: „Danke, Arschloch!“
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Kommentare
caro schrieb am 2010-08-25 08:49:37:
schönes Ende! :D
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