Niemand hört dich
von
Obscurefighter
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Niemand hört dich
!!! Dies ist die verschärfte und verkürzte Version einer wahren Geschichte, die sich vor nicht allzu langer Zeit ereignet hat!!!
Ich liege auf meinem Bett und starre an die weiße Decke. Regen prasselt monoton gegen die Scheibe meines Fensters. Laute Rockmusik dröhnt aus den Lautsprecherboxen meiner Stereoanlage. Aber ich höre es nur wie in weiter Ferne. Ich denke nach. Schon seit Tagen.
‘Wenn ich nicht so wäre’ fährt es mir durch den Kopf. ‘Wenn ich nicht so wäre.’ Ich schließe die Augen.
Meine Gedanken kreisen um jenen Tag, als ich den Plan zum ersten Mal erkannte. Er war schon lange da, aber erst jetzt spüre ich ihn. Ich sitze in meinem Klassenraum, in mein neues Buch vertieft. Da spüre ich diesen Blick. Ich sehe über meine Schulter. Und da steht sie und grinst mich an.
“Na, keine Hobbys?”
Ich wende mich ab, wieder an mein Buch. Doch ich spüre, dass sie immer noch hinter mehr steht.
“Hey, ich hab dich was gefragt?!”
Ich bebe, beiße mir auf die Unterlippe, sagte nichts. Dazu habe ich mich schon vor Jahren entschlossen. Einfach nichts sagen. Da packt sie über mich hinweg, greift mein Buch und hebt es hoch. Sie schlägt es zu und ließt den Titel.
“Seelenbrecher.”
Jetzt will ich etwas sagen, komme aber nicht dazu. Sie pfeift und wirft das Buch an die Decke. Es prallt ab und landet auf dem Boden. Ich steh auf. Langsam, wie in Zeitlupe. Ich kenne das schon. Ein anderes Mädchen hebt mein Buch auf und wirft es an die frisch geputzte Tafel. Es klatscht, als es aufschlägt. Ich gehe langsam zu Tafel, bücke mich und hebe mein Buch auf. Ich kenne das schon, bin es gewohnt. Ich gehe zurück. Langsam, warte auf den Lehrer. Ich will mich setzen. Das Buch werfe ich in meinen Rucksack. Ich will mich setzen. Berühre den Stuhl. Da wird er weggezogen. Ich falle. Kurz und nicht tief. Es geht schnell. Ich schlage auf. Ein Schmerz zuckt durch mein Steißbein. Tränen schießen mir in die Augen. Sie lachen. Laut, donnernd.
“Schau mal, die Heulsuse!”
Ich blinzele und wische mir die Tränen mit dem Ärmel ab. Sie lachen weiter. Ich weine. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Ich ziehe mich am Tisch in die Höhe. Ich stehe langsam. Langsam und wackelig. Sie lachen weiter. So laut. Jetzt reicht es mir. Ich schreie. So laut, dass ich sie übertöne. Ich krieche. Die anderen sehen zu mir. Ich schreie:
“Du, warum sitz du da rum?! Du, warum drehst du mir den Rücken zu?! Ihr da, helft mir!”
Sie reagieren nicht, drehen mir den Rücken zu. Ich schreie weiter. Keine Reaktion. Keine Antwort. Nur sie lachen. Sie lachen. Ich schreie, renne davon. Aus der Klasse, aus der Schule. Aber ich bewege mich nicht. Nur mein Geist rennt. Rennt schneller und schneller. Ich verstumme und setze mich. Der Lehrer steht in der Tür.
Jetzt liege ich hier. Habe die Schule gewechselt. Bin wieder glücklich. Kann wieder lachen. Doch die Gedanken kommen immer noch. Immer, wenn ich hier liege.
Ich schrecke hoch. Hab wieder zu viel nachgedacht. Drei Stunden sind um. Der Regen prasselt noch immer monoton gegen das Fenster. Ich lausche. Denke. Die Erinnerungen verblassen. Nur dieser Satz bleibt.
‘Wenn ich nicht so wäre.’
Ich reibe mir die Augen. Will vergessen. Die Qualen. Die Einsamkeit. Die Ignoranz von Lehrer und meinen Mitschülern. Ich atme tief ein und aus.
“Wenn ich nicht so wäre, wie ich bin, dann wärt ihr nicht mehr hier. Dann wärt ihr alle nicht mehr hier. Ihr, die anderen, die Lehrer. Und ich. Wir wären allen nicht mehr hier. Wenn ich nicht so wäre.”
Ich setze mich auf. Forme die Finger der rechten Hand zu einer Pistole. Ziele nach vorne und sagte leise ‘Peng’. Stelle mir vor, wie ein Mensch umkippt. Puste den unsichtbaren Dampf von meiner Waffe. Schüttele wie wild den Kopf, reibe mir die Augen, schluchze, heule. Das könnte ich nicht. Nie.
Der Sänger meiner Lieblingsband singt laut und dröhnend. Ich lausche dem Gitarrensolo. Ich stimme dem Sänger nickend zu. Er hat Recht. Es stimmt. Niemand hörte mich. Niemand sah mich. Ich lasse mich in mein Bett fallen. Mein Kopf versinkt in meinem Kopfkissen. Ich starre an die weiße Decke. Aber ich will nicht mehr daran denken. An diese Tage voller Angst. Jetzt habe ich keine Angst mehr. Ich werde nie wieder Angst vor ihnen haben. Und auch der Plan ist nur noch eine alte Idee. Nicht mehr. Nie mehr werde ich an so etwas denken. Nie wieder. Diese Gedanken sollen nie wieder kommen. Ich lausche der Musik. Sie drückt aus, wie ich mich gefühlt habe. Ich bewege den Mund passend zu den Worten im Lied. Singe mit dem Sänger zusammen und monoton. Wie die Regentropfen.
“Kraftlos
Stürzt sie in ihre Welt (wie an jedem anderem Tag nimmt sie die Worte nicht wahr, die der Lehrer lustlos sagt)
Hilflos
Verirrt sie sich und fällt (Schnee weht gegen das Fenster vom Klassenzimmer. Sie fällt immer tiefer bis das Klingeln sie verletzt, aufblicken lässt)
Im Eissturm verklingt dein Hilfeschrei
Niemand hört dich
Niemand sieht dich
Im Eissturm Kämpfst du ganz allein
Jeder friert hier
Jeder verliert hier
Schutzlos
Liegt sie im Bett und weint
(zu viel Druck von allen Seiten, die Eltern streiten und keiner kann dem Spiel ein Ende bereiten)
Die Welt bleibt
Steh’n und ihr wird kalt
(sie hat Angst zu versagen, kann die vielen Blicke ihrer Schulkameraden nicht mehr ertragen)
Im Eissturm verklingt dein Hilfeschrei
Niemand hört dich
Niemand sieht dich
Im Eissturm Kämpfst du ganz allein
Jeder friert hier
Jeder verliert hier
Sie redet nicht mehr,
weil niemand sie versteht
Ihre Hoffnung stirbt,
weil der Winter nicht mehr geht...
Sie hat genug von dem ewigen Spiel
Sie hat genug von ihren Hassgefühlen
Sie bricht aus –
Rennt raus
Stolpert durch Schnee und Eis, und schreit zu
Gott: ‘kannst du mir verzeihen?!‘
Im Eissturm verklingt dein Hilfeschrei
Niemand hört dich
Niemand sieht dich
Im Eissturm Kämpfst du ganz allein
Jeder friert hier
Jeder verliert hier
Niemand hört dich...
Niemand sieht dich...
Jeder friert hier
Jeder verliert hier
(Song von: Nevada Tan- Niemand hört dich)
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Kommentare
Kira schrieb am 2010-03-03 16:00:05:
Wooooow... ist echt supi geworden. So realistisch und rührend... das Lied am Ende fand ich auch echt gut! Klasse geschrieben und erzählt.
Anke schrieb am 2009-12-29 00:11:14:
Wow. Die Geschichte ist total realistisch und spannend. Mit dem Lied am Ende war echt nur gute Idee. Respekt
Johannes Beck schrieb am 2009-05-01 08:09:46:
mh, ich weiß nicht recht, was ich von der Geschichte halten soll.
Du zeigst auf jeden Fall einige sehr schlimme Aspekte des Schullebens. Auch die Idee mit dem Plan eines Amoklaufs, der nicht durchgezogen wird, ist spitze.
Aber sprachlich könntest du noch ein bisschen drauflegen, einige Sätze nochmal überarbeiten. Sonst klingt deine Geschichte wie all die anderen Nicht-Amok-Geschichten auch.
Übung macht den Meister ;)
Lg Jo
P.S.: ich kritisiere die Geschichte (und nicht dich!), damit du etwas lernen kannst.
Mary schrieb am 2009-03-22 10:28:26:
Wow. Deine Geschichte ist wirklich authentisch erzählt. Sehr realitätsnah und spannend. Das mit dem Lied am Ende passt auch gut. Respekt.
Jessi Nieber schrieb am 2009-03-18 21:29:41:
wow gänsehaut geschichte... kenne uns liebe das lied, du schreibst unwahrscheinlich toll.
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