Noch ein Mord
von
Eichhörnchen
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An dem Tag bin ich aus dem Haus gegangen, mit einem kleinen Küchenmesser, ohne klares Ziel, aber mit einer Wut in der Lunge, dass ich kaum noch Platz für Atem hatte. Ich weiß, dass ich durch den Wald hinter unserem Haus gegangen bin, das ist eigentlich nur ein Stückchen Wald, der unser Haus von der Straße abschirmt. Als ich auf die noch dunkle Straße schaute, sah ich aus der ferne einen Jogger kommen. Er hatte eine blaue Windjacke und enge Hosen an und bewegt sich kaum vom Fleck. Ich trat aus dem Wald an die Straße und hielt mit einer Hand krampfhaft irgendein Straßenschild umklammert, die andere öffnete und schloss ich, während ich wartete. Als der Jogger näher kam griff ich nach dem Messer in der Bauchtasche meines Kapuzenpullovers, der Jogger, es war ein Nachbar der weiter vorne in unserer Straße wohnte, bemerkte mich und sah zu mir während er schnell näher kam.
Ich hielt meinen Kopf gesenkt damit er mein Gesicht nicht sieht, als er gerade an mir vorbei rennt springe ich los er merkt es, dreht sich um, aber die Distanz ist zu kurz für Reaktionen, ich ziehe schnell das Messer aus der Bauchtasche und steche ihm die Klinge in den Rücken, knapp unterhalb der Rippen damit ich nicht an einem Knochen stecken bleibe. Er stolpert nicht sofort, läuft erst noch ein paar Schritte, fällt dann auf den Asphalt. Das war einfach.
Ich atme auf, denn meine Wut war verschwunden, der einzelne Messerstich in den Rücken hatte genügt um mich zu beruhigen und jetzt stand ich da. Vor mir der Mensch, der sich auf dem Boden liegend an den Rücken griff und langsam merkte was geschehen war, er drehte sich halb herum und starrte mich kurz mit einem wütenden Gesichtsausdruck an, als hätte ich ihn gestoßen. Aber nachdem er seine blutige Hand betrachtete die er gerade noch gegen seinen Rücken gepresst hatte veränderte sich sein Gesichtsausdruck schnell. Er hatte mich erkannt, Fassungslosigkeit lag auf seinem Gesicht, sein Gesicht war weiß, das Gesicht das ich schon so oft gesehen hatte, ein 40jähriges Milchgesicht, kreideweiß. Er würde gleich anfangen zu schreien, noch stand er unter Schock. Das Mädchen aus Nr.23 hat mir in den Rücken gestochen. Um das zu verstehen würde er noch etwas brauchen. Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich wusste nicht warum ich ihn verletzt hatte, aber das war kein Traum. Er rief meinen Namen. Ich sah ihn an.
Gefängnis, mein Vater würde mich hassen. Ich machte einen Schritt in seine Richtung. Er versucht auf dem Rücken wegzukriechen und sah mich dabei an. Ich hatte Angst. Ich konnte nicht an ihn ran, er würde treten, vielleicht stand er noch unter Schock, wenn ich jetzt sofort springen würde könnte ich ihn vielleicht in den Hals stechen. Aber er war stärker. Ich sah mich um. Gleich würde er schreien, die nächsten Häuser waren gleich hinter dem kleinen Wald, jemand würde es hören. Ich erinnerte mich, dass die Straßenpfosten mit einem spitzen Metallstab im Boden befestigt waren. Ich lief zum nächsten und versuchte ihn herauszuziehen. Jetzt begann er zu schreien, aber stieß trotz der eigentlich kleinen Stichwunde nur einen fast tonlosen Luftschwall aus. Ich riss den Pfosten heraus, rannte zu ihm. Er wollte tatsächlich nach mir zu treten, aber ich wich aus und schlug ihm mit der Metallspitze mit aller Kraft ins Gesicht. Er fuchtelte wirr mit den Armen aber nach zwei weiteren Stößen sackte er zurück, keuchte und ließ seine Hände fallen. Sein Kopf war zur Seite gedreht und zwischen den blutenden Wunden schnappte er noch leicht nach Luft. Ich kniete mich auf ihn und drückte ihm die Kehle zu. Er sah mich nicht an. Er starrte nur in den Morgenhimmel und dann hörte er auf zu atmen.
Was tut man in so einer Situation? Eigentlich hätte ich jetzt an das beseitigen der Beweise denken sollen, aber ich war mir irgendwie sicher, dass niemand etwas gehört hatte, kein weiterer Typ würde hier entlanggelaufen, kein Auto würde um die Uhrzeit hier vorbeifahren, alles war ruhig, ein bisschen Wind. Ich hatte Zeit den Körper wegzuschleifen und in unserem Gartenhäuschen zwischenzulagern, das Blut von der Straße entfernen, DNA-Spuren usw.
Ich atmete auf, als hätte ich gerade eine Mathearbeit abgegeben. Ich fühlte mich seltsam irgendwie schön, jetzt hatte ich eine Geschichte, ein Geheimnis. Ich musste lächeln, als ich an die anderen dachte.
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Kommentare
kai schrieb am 2008-11-20 13:38:11:
die geschichte is gras
Liza schrieb am 2008-06-12 16:36:20:
hey, das ist ja mal was anderes! und gelungen würde ich sagen. schade aber, dass du nicht alle möglichkeiten erschöpft hast, die du dir so fleißig freigeschaufelt hast. vielleicht hast du ja lust, das nochmal zu überarbeiten, ich glaube, du kannst noch viel mehr rausholen. viel spaß und danke für die paar minuten lesevergnügen!
Blackheart schrieb am 2008-06-10 03:21:47:
Bin echt begeistert. Total gut und spannend geschrieben! Mach weiter so
William Scaire schrieb am 2008-06-07 23:52:37:
Wow ... das ist gut geschrieben; spannend bis zum Ende.
Wirklich sehr gut!
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