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Kategorien > Love Story´s > Alltag

Noch näher

von Stephanie Hermann

Nina konnte mit dem Milchschäumer umgehen, wie ein Serienkiller mit der Kettensäge. Tinos Küche sah aus wie ein Tatort, nur dass das Blut auf der Kochfeldplatte weiß war.
"...und dann hat sie ihn einfach angesprochen. Ich meine, seit wann wollen Männer von Frauen erobert werden? Ich habe da mal was gehört von Jägern und Sammlern...Sag mal, hörst du mir zu?"
Sie reichte ihm seine Bart Simpson Tasse, auf der ein riesiger schaumiger Berg hin und herschwappte.
"Natürlich höre ich dir zu. Schon seit einer halben Stunde."
"Ja, und...?" Sie setzte sich auf einen der Küchenhocker, schlug die Beine übereinander und verschüttete die Hälfte ihres Milchkaffee auf seiner GQ.
"Und was? Küchenrolle ist im Schrank bei den Cornflakes."
"Ach, vergiss es einfach. Ganz egal, ob Männer neuerdings von Frauen zuerst angesprochen werden wollen, oder nicht. Ich kann das sowieso nicht. Und ich will auch gar nicht. Ich habe das überhaupt nicht nötig."
"Das hab ich gesehen, als wir letztens auf der Uniparty waren. Warte, was hast du zu dem Kerl im Boss Anzug gesagt...."
"Oh, bitte. Ich hatte drei Gin Tonic und außerdem war er gar nicht mein Typ!" Nina hatte inzwischen ihre Nagelfeile gezückt und feilte drauflos, als würde man es ihr in fünf Minuten für immer verbieten.
"Du hast ihn gefragt, ob er ein Suspensorium in seiner Hose versteckt hat! Das war mal ne richtig gute Ansage. Ich glaub ich hätte nicht mehr gelacht, wenn du dir von deiner Zigarette den Filter angezündet hättest." Tino griff nach dem Zuckerstreuer. Auf seinem Gesicht lag ein breites Grinsen.
"Ich war leicht angeheitert. Das zählt nicht."
"Wie bitte? Leicht angeheitert? Wenn ich mich recht entsinne, hast du ihn am Gürtel festgehalten, als der arme Mann die Flucht vor dir ergreifen wollte. Könntest du jetzt bitte mal die Küchenrolle holen?" Tino sah etwas betreten dabei zu, wie hauchfeiner Nagelstaub auf die Tischplatte rieselte.
"So war es doch gar nicht. Du bist echt ein Idiot. " Nina mußte lachen. Selig blickte sie auf ihre gekürzten Nagelspitzen.
"An dem Abend mit Sicherheit nicht!"
"Was machen wir jetzt eigentlich am Samstag? Da hat ne neue Bar..."
"Nina, ich bin am Samstag bei Micky. Wir spielen Poker."
Sie sah mich an, als hätte ich ihr gerade erzählt ich hätte ein Verhältnis mit ihrer Oma. Dann packte sie die Feile in ihre Pradatasche,nahm sie vom Stuhl und ging zur Wohnungstür.
"Bis denn."
"was soll das denn werden?" Tino stand auf und ging hinter ihr her.
"Vielleicht kommt ja heute noch jemand vorbei auf ne Partie Halma. Da will ich nicht stören." Hastig zog sie ihre Jeansjacke an und kramte nach ihren Autoschlüssseln.
"Nina, jetzt laß doch. Mein Gott, wir sind doch ständig zusammen und Micky hat..."
"Schon gut. Ich hab es kapiert. Ich gehe. Auf Wiedersehen."
"Na, bitte. Wenn du meinst."
"War mir klar, dass du mich nicht aufhältst." Sie riß die Tür auf und warf ihm einen ihrer berühmten "Du wirst schon sehen, was du davon hast"- Blicke zu.
Dann hörte er sie die Treppe runterstöckeln.

Zwei Minuten später vermisste er sie.
Er würde Micky absagen müssen. Nina war sehr nachtragend. Das hasste er am meisten an ihr. Manchmal wußte er überhaupt nicht, was er an ihr fand. Sie war so anstrengend. Keiner seiner Freunde mochte sie.
Tino liebte sie. Auf die Freundschaftlichste aller Arten war er Hals über Kopf in sie verliebt. Seit vier Jahren. Sie hatten sich bei der Semesteranfangsparty kennengelernt.
Plötzlich fühlte er wie in seinem Bauch ganz heiß wurde und seine Wirbelsäule pochte. Nächsten Samstag waren es genau vier Jahre!
Wie in Zeitlupe griff Tino zum Telefonhörer. Da klingelte es an der Tür. Er wußte, wer es war, bevor er aufmachte und sah, dass sie völlig durchnässt war.
"Es tut mir leid, Süße." Er vibrierte innerlich, dankbar, dass sie wieder bei ihm war.
"Schon gut. Wir sind ja kein Paar, oder so. Also, sollten wir auch keine doofen Jahrestage haben."
"Klar, sollten wir." Er half ihr aus der Jacke.

Als sie auf dem Sofa saßen, nahm er ihre Hand.
"Komm näher." Hörte er sich sagen. Sie kuschelte ihre nassen Haare an seine Schulter. Im Fernseher lief Columbo. "Noch näher"- aber das sagte nur die Stimme in seinem Kopf.

N

Kommentare

red.owl@gmx.de schrieb:
Hey Mäuschen,
dass wird noch ein Buch für sich, wenn du so weitermachst. :)
Einfach sehr, sehr schön und entspannend zu lesen. Richtig leckere Lektüre....
Schreib schön weiter.
Hab Dich lieb.
Bussi - Mia
Mythoswolf schrieb:
Hi,
wie der Vorgänger, einfach spitze ;)
ganz liebe Grüße, Mythoswolf :o)
amanita schrieb:
finde die geschichte (auch die vorherige) echt super!! macht richtig spass zu lesen! weiter so!!

lg ama
Antoinette.Aselmann@gmx.de schrieb:
Hallo Stephanie!
Bin heute das erste Mal auf Deine Geschichten gestoßen. :-) Ich mag sie sehr gerne! E-mailadresse something with Magersüchtiger sollte sich nicht in dieser Abteilung herumtreiben wenn Liebesgeschichten nicht genehm sind.

Weiter so und ich freue mich auf mehr!

LG Joy

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