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Noch namenlos...

von Lordras

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Erstes Kapitel
EINE NACHRICHT IN DER NACHT


Falduen, Torwächter der Stadt Meras Druin stand angespannt am metallenem Tor zur Zwergenstadt. Seine Hand umfasste angespannt die lange Axt, und seine Augen starrten tief in die nächtliche Dunkelheit. Sein Atem stieg in regelmäßigen Wölkchen auf, die zum Himmel empor waberten, vorbei an den Bergen, und in den tiefschwarzen Schlund.
Die Bergflanken, rechts und links, waren so steil, das es schien sie würden sich über das Tor lehnen. Falduen schaute immer wieder hinauf, mit der Angst sie könnten hinunterstürzen, und ihn und die Stadt in Schutt und Asche legen. Doch das passierte natürlich nicht. Die Luft war kühl, und ein seichter Wind zischte durch das Gebirge, und erzeugte das unangenehme Geräusch von heißem Eisen das in Wasser getaucht wurde, doch war es länger, und bedrohlicher.
Es ist eine Schande dass ich hier stehen muss, dachte Falduen bitter, und sofort erschien das Bild seines warmen, gemütlichem Steinhauses vor seinem innerem Auge. Er wachte schon seit zwei Stunden, doch da er allein war, kam ihm die vergangene Zeit vor wie ein Zeitalter. Bald würde er abgelöst, und er konnte nach Hause gehen, aber er musste noch ein paar Minuten durchhalten.
Die Sterne schienen klein und fern, und verschwanden fast im rabenschwarzen Himmel. Der Mond war eine dünne Sichel, doch leuchtete sein Licht hell, und warf silberne Strahlen über die dunklen Bergkuppeln.
Stark übermüdet sank Falduen an den Torpfosten schlief fast ein. Sein Gesicht war leichtsinnig der Stadt zugewandt, die in dem breitem Tal lag, und dessen zahlreiche Häuser bis an die Knie der Berge standen. So konnte Falduen nicht sehen was sich auf der Straße außerhalb des Tores bewegte: Es war eine schwarze Gestalt die lautlos den Weg herauftrabte. Sie trug einen schwarzen Umhang mit einer Kapuze die tief über das Gesicht hing. Die Hände trugen schwarze Handschuhe, und die schweren Stiefel machten keinen Laut auf der gepflasterten Straße. Unter dem grauschwarzem Umhang, den sie fest um den Körper zog, schaute die Scheide eines schmalen Schwerts hervor.
Falduen war eingeschlafen. Sein Bart lag auf der Brust, seine Axt lag lose in seiner Hand, und die fiel schlaff vom Körper weg. Die dunkle Gestalt kam immer näher, bis sie hinter Falduen stehen blieb. Mit beiden Händen zog sie die Kapuze nach hinten, und zog das Schwert. Es leuchtete im Mondschein, und man konnte erkennen das es von edler Herkunft war. Dann klopfte die Gestalt, deren Augen noch immer im Schatten lagen, mit dem Schwertgriff an die Gitterstäbe. Das leise Klirren des Metalls schien laut und unpassend in der tiefen Nacht, und produzierte ein leises Echo das von Berg zu Berg schallte, und dann verklang.
Falduen sprang auf, und drehte sich um, die Axt mit beiden Händen umklammern. Er stellte sich in Kampfposition, geduckt und breitbeinig. Seine Augen waren hellwach, und starrten auf das schlanke, starke Gesicht, und die blonden Haare die über die breiten Schultern und den geraden Rücken lagen. An den leicht zugespitzten Ohren sah man dass es ein Elf war.
»Es war nicht meine Absicht dich zu verschrecken, Falduen, nächtlicher Torwächter«, sagte der Elf, und lachte leise. »Ich bringe Botschaft aus dem Ardenwald, für deinen König.«
»Veorad! Ich freue mich dich zu sehen! Du hast schon eine Weile keine Botschaften mehr gebracht. Was ist los?«
»Nichts ist los. Es gab nicht viele Neuigkeiten, deswegen brauchte man keinen Boten. Du scheinst mich nicht erwartet zu haben, so friedlich wie du schliefst! Lass dich bloß nicht beirren von der Stille. Wäre ich ein Dieb wärst du schon nicht mehr am Leben. Also! Lasse mich bitte zur Halle deines Herrn durch. Es ist eine Nachricht von meinem Herrn persönlich geschrieben. Es ist sehr wichtig.«
»Gebe sie mir, ich bringe sie ihm«, murmelte Falduen und streckte die freie Hand aus, während er irgendwas wie; ich hab nicht geschlafen, flüsterte.
»Es tut mir leid. Ich habe den Befehl bekommen es niemandem anzuvertrauen, außer König Dûrgrinn selbst.«
»Ich verstehe. Dann muss es wohl wirklich sehr wichtig sein«, sagte Falduen leicht gekränkt, und enttäuscht, obwohl es keinen Grund gab, beleidigt zu sein. Dann öffnete er leise das hohe Tor, das mindesten fünf Meter hoch war, und oben mit Spitzen übersät war, die aussahen wie schwarze Speerspitzen. Der Elf trat ein, und schaute sich erst einmal um.
»Meras Druin hat sich auch nicht verändert, wie ich sehe. Gab es in letzter Zeit nichts neues, hier im Gebirge?«
»Nicht hier, aber die kleinen Dörfer weiter im Gebirge wurden teilweise von Gerölllawinen ereilt. Da gibt’s grad Aufräumarbeiten. Ich war nicht dort, soll aber ein ganz schönes Chaos sein...«
»Sonst noch was? Der ganze Sommer kann doch nicht ereignislos verlaufen sein. Das gibt es doch nur bei uns Elfen. Bei uns ist es ruhig. Aber bei euch Zwergen?«
»Bisher ist noch nichts erzählenswertes passiert, aber morgen ist der Jagdtag. Das gibt sicher eine schöne Feier! Vielleicht kannst du ja hier nächtigen, dann zeig ich dir mal was bei den Elfen feiern genannt wird, und was bei den Zwergen, ha!«, lachte der Zwerg grölend, doch er verstummte als er Veorads ernstes Gesicht sah. »Was ist los? Du bist so ernst, Veorad!«, fügte er dann laut hinzu.
»Nichts, schon gut. Ich bin müde, denn ich bin den ganzen Tag geritten, Entschuldigung. Nein, leider muss ich heute schon weg. Das muss warten.«, antwortete Veorad, und schritt ohne ein weiteres Wort weiter in die Stadt hinein, die Hauptstraße entlang, die geradewegs Bergauf führte. Links und recht waren die kleinen Steinhäuser, mit Stroh und Holzbrettern als Dach, und kleinen, viereckigen Fenstern, die jetzt schwarz und kalt waren. Hunderte von ihnen standen Kreuz und quer herum, doch sie sahen fast alle gleich aus. Dunkle Gassen führten zwischen ihnen hindurch.
Während Veorad die Straße entlangging, fragte er sich, warum Meras Druin in einer so schlechtgelegenen Stelle lag: Die Stadt lag in einem halbrundem Tal zwischen den Bergen. Früher war das Tal mal ein gigantischer Gletscher gewesen, der in dieser hart gezeichneten Halbröhre hinunterglitt. Die Hänge von den Bergen waren steil, und die Erde war steinig und unfruchtbar. Es gab keine Bäume, nur dornige Büsche, die sich alleine durchschlugen, und Unkraut, das in diesen Höhen wachsen konnte. Überall war Stein, und Veorad fragte sich, wo wohl das Holz der Dächer herkam. Es musste eine Höllenarbeit sein es mit Schubkarren hochzuschieben.
Am oberem Ende der Straße endete die Spitze eines schmalem Berges, der wie ein spitzer Hut aussah, und oben mit Schnee bedeckt war. Er ragte mindestens zwei, dreihundert Meter höher als die Straße, und war somit größer als alle anderen Berge, in dem Gebirge. Natürlich waren die Berge viel größer als ein paar hundert Meter, aber die Stadt war schon sehr hoch
angelegt. In diesem größtem Berg war der Palast von König Dûrgrinn, dem Zwergenherr-scher.
Bald war Veorad am Berg

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