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Kategorien > Fantasy > Düsteres & Geheimnisvolles

Noch nameslos

von Nana

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Der Bremsen des Zuges schrieen mit einem grellen, unangenehmen Ton, als er in den dunkel daliegenden Bahnhof einfuhr. Alix klammerte sich fest und versuchte durch die Fenster etwas zu erkennen, aber der Regen peitschte gegen die Fensterscheiben und hinterließ tausende von Flüssen, die sich ihren Weg suchten. Außerdem machte die Dunkelheit es unmöglich mehr als grobe Umrisse zu erahnen. Mit einem Ruck hielt der Zug, erst danach löste sie ihre zitternden Finger von dem Griff, drehte den Hebel nach unten und stieß die Tür nach außen auf. Sie zerrte ihre Tasche und den Koffer die steilen Treppen des alten Zuges herab und wurde sofort von einem scharfen Wind erfasst, der ihr die langen Haare ins Gesicht peitschte. Kalte Regentropfen brannten auf ihrer Haut und sie zerrte, so schnell sie konnte, den Koffer unter das Dach des Bahnhofs. Andere Passagiere hasteten davon während der Zug langsam anfuhr und dampfend den Bahnhof von Ashbury verließ. Alix kramte in ihre Umhängetasche nach der Mütze und nachdem sie sich die über die Ohren gezogen hatte, machte sie sich auf den Weg um das Bahnhofsgebäude herum. Es war bereits 8 Uhr Abends, der große Platz lag dunkel und verlassen da, nur einzelne Menschen eilten durch den strömenden Regen. An der Straße standen vereinzelt Taxis und Alix zog ihren Koffer zielstrebig auf eines davon zu. „Ich muss zum Gordonstoun College.“, sagte sie zu dem alt aussehenden Taxifahrer und ließ sich erleichtert in den Sitz fallen und überließ es dem Fahrer zu gern ihr Gepäck zu verstauen. Er erwies sich als nicht besonders redselig, aber im Moment war Alix froh darüber, ließ sich in den Sitz sinken und schloss ihre Augen. Nach fast 7 Stunden Zugfahrt war sie erschöpft und fühlte sich ausgelaugt.
Ihre Mutter hatte sie dazu gedrängt, dieses Internat zu besuchen und nun war sie tatsächlich dahin unterwegs. Sie erinnerte sich wie es so weit gekommen war dass sie sich den Willen ihrer Mutter beugte. Erinnerte sich daran wie sie von ihr am Bahngleis in den Arm geschlossen wurde. „Es wird dort sicher schön sein und denk dran, dein Vater war auch da.“, hatte sie ihr gesagt. Ihre Mutter wollte immer schon dass sie am Gordonstoun College studiert. Und jetzt umso mehr da sie mit ihrem Job und Rupert, ihrem neuen Freund genug um die Ohren hatte. Sie hat schon immer ihr eigenes Leben gehabt, war lebendig und ist immer unterwegs gewesen.
Der wahre Grund warum sie jetzt tatsächlich nach Ashbury gefahren ist, war Lilian. Es war ihr egal gewesen welche Kunstschule sie jetztendlich besuchte, ob in London oder dem hoch angesehenen Gordonstoun College. Zusammen mit Lilian hatte sie in einer kleinen Dachwohnung in der Nähe der Uni gewohnt, mit einem knarrenden Fußboden und dem großen Dachfenster, wodurch man einen wunderbar weiten Blick über London hatte. Dank des guten Unterhalts ihre Mutter hatten sie sich zusammen diese Wohnung leisten können. Ein halbes Jahr war vergangen seit sie dort eingezogen waren. Lilian, seit Jahren ihre beste Freundin gewesen, von dem Moment an als sie in der Schule als 10 Jährige Mädchen zum ersten Mal nebeneinander saßen. Sie war der interessanteste und lustigste Mensch gewesen, den sie je kennen gelernt hatte. Doch das Zusammenleben in der Dachwohnung war nur für kurze Zeit so wunderbar wie sie sich immer ausgemalt hatten. Es hat nicht an der Dachwohnung gelegen, vielmehr an der neuen Uni, der neunen Gegend, den neuen Freunden. Schneller als sie es jemals geahnt hätten, haben sie sich verändert. Und zwar so sehr dass Alix nur noch diese Lösung geblieben war, einfach wegzufahren. Woanders neu anzufangen und Alles zurückzulassen.
Über all das grübelte sie während der Fahrt im Taxi nach, die verschwommene Stadt um sich beobachtend. Es stürmte noch immer, nur der Regen war leichter geworden.
Erst als wenig später eine graue Fassade eines großen Gebäudes in Sicht kam, schreckte sie auf und erkannte nun auch dass sie die Stadt verlassen hatten. Um sie herum gab es nur grüne Landschaft. Das Schloss war umgeben von einer großen Steinmauer und Alix konnte nur schemenhaft die oberen Stockwerke und ein paar Türme erkennen. Die Mauer war stellenweise von dichtem Efeu und anderen Gestrüpp verdeckt. Die Straße führte durch ein reich verschnörkeltes schwarzes Eisentor, das offen stand. Der Taxifahrer fuhr langsam eine Allee entlang, an deren Rand dicke riesengroße Eichen standen, deren Äste im Wind wild hin und her geschaukelt wurden, und Alix beugte sich leicht vor als weiter vorne Lichter zu erkennen waren. Vor einem großen Eingang hielt der Wagen auf einem kreisrunden Platz, genau vor den Stufen, die hinauf zum Eingang führten. Sie bezahlte den Fahrer, der ihr half das Gepäck durch die schwere Tür in die Eingangshalle zu bringen und ihr noch viel Glück wünschte.
Alix schaute sich um, eine breite Treppe führte in den ersten Stock und nach links und rechts gingen weite Gänge ab. An den Wänden hingen Bilder von Künstlern und Informationstafeln zu diesem College.
Auf einem Plan suchte sie das Sekretariat, während sie sich die Mütze vom Kopf zog und das Geräusch des wegfahrenden Taxis vernahm. Sie nahm ihre Umhängetasche und zog ihren Koffer auf der Gang zu, der nach links führte.
An der zweiten Tür hing groß das Schild „Sekretariat“ Ein paar Schritte weiter sah sie ein paar Studenten die mit einer Frau sprachen. Kurz sahen sie neugierig rüber aber Alix hatte schon entschlossen an der Sekretariattür geklopft und trat nun ein.
Hinter einem Dresen saßen zwei Frauen und ein Mann. „ Ach, du bist sicher die Neue….Alix Repton??“, fragte die eine Frau mit runden Gesicht und dunklen roten Haaren.
„Ja“, antwortete Alix rasch und stellte den Koffer ab.
„War sicher keine angenehme Fahrt bei so einem Wetter!“
Alix lächelte schief und zuckte mit den Schultern.
„So, warten Sie kurz, ich werde der Rektorin Bescheid sagen dass Sie angekommen sind.“, sagte sich und griff nach einem Telefon.
Alix ließ sich auf einem der Stühle nieder und schaute sich um. Auch hier waren an den Wänden Kunstwerke aus verschiedenen Stilrichtungen angebracht.
„Sie wird gleich kommen und ihnen ihr Zimmer zeigen.“
Dass sie von der Direktorin begrüßt werden würde verwunderte sie ein bisschen, aber sie war immerhin eine neue Studentin, die mitten im Jahr hierher wechselte und nicht wie normal Anfang des Jahres hier anfing.
Miß X war eine große schlanke Frau, mit kurzem graumeliertem Haar. Sie trug einen eleganten Anzug und strahlte eine gewisse Autorität aus. Sie begrüßte Alix nett aber förmlich. „Willkommen bei uns! Sie haben sicher eine lange Reise hinter sich. Aus London kommen sie, nicht wahr??“, Alix nickte höflich, „Ich werde ihnen gleich ihr Zimmer zeigen...“
Sie führte Alix zurück in die Eingangshalle, die Treppe hinauf und einen langen Gang entlang, bog mehrmals um Ecken und erklärte ihr zwischendurch wo es zu Cafeteria ging

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