Noch nicht vorbei
von
Jeiy
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Noch nicht vorbei
Ich dachte, es wäre schon längst vorbei…ich hatte gehofft, diese Welt endlich verlassen zu dürfen. Diese Welt, in der jeder so wichtig zu sein scheint und doch nichts wert ist. Wie lange ich auf diesen Augenblick gewartet habe…zu lange, zu qualvoll…aber warum kann ich immer noch denken? Warum immer noch atmen und warum leben? Weshalb bin ich immer noch hier? Ich will gehen, ich will sterben…..ich möchte nicht mehr hier sein, nicht mehr existieren….die Dunkelheit um mich herum hat mich doch schon verschlungen, ich spüre meinen Körper nicht mehr, ja, er schläft schon den ewigen Schlaf…aber meine Seele ist noch wach, sie will nicht schlafen. Aber warum? Warum lässt sie mich nicht gehen? Sie musste doch dieselben Schmerzen erleiden wie ich, dieselbe Qual….Ich spüre meinen Herzschlag…unregelmäßig und schwach…lange wird es nicht mehr schlagen können…werde ich dann endlich gehen können? Werde ich dann befreit?
Meine Ohren nehmen auf einmal einen seltsamen Laut wahr…das einzige Geräusch in dieser wohltuenden Stille. Die Dunkelheit wird schwächer….nein, ich möchte doch gehen…ich versuche meinen Geist zu versperren…dieses Geräusch nicht mehr hören zu müssen und wieder in die Dunkelheit zu fallen….aber es gelingt mir nicht…das Geräusch wird lauter, doch es ergibt für mich keinen Sinn…mein Herzschlag wird wieder stärker….nein, bitte nicht….warum soll ich weiter gequält werden? Warum? Ein stechender Schmerz durchfährt mit einem mal meinen Körper….mein Körper….ich spüre ihn wieder….ist er aufgewacht? Bin ich aufgewacht? Nein, ich will nicht…ich kann nicht mehr….
Aber ich spüre, wie das Leben in mich zurückkehrt…dieses verfluchte Leben….ich zucke zusammen als mich plötzlich etwas Kaltes, Nasses an der Stirn berührt…regnet es etwa? Es ist mir egal…soll es doch regnen, vielleicht hilft es mir ja zu gehen….doch ich spüre keinen zweiten Tropfen. Hatte ich mir das eingebildet? Nein, da ist wieder einer, und noch einer….eine unregelmäßige Reihenfolge…einer dieser Tropfen berührt meinen Mund…ich schmecke Wasser, doch es ist salzig….Regen ist nicht salzig….eine plötzliche Unruhe breitet sich in mir aus…meine Augen wollen sich öffnen, aber ich will es nicht….ich gebe noch nicht auf, noch kann ich für immer gehen….doch dann höre ich eine Stimme….und ein Wort…’Trane’…dieses Wort höre ich immer wieder….immer wieder von dieser Stimme, die mir so vertraut vorkommt….Trane….ist das mein Name? Es kommt mir so vor, als hätte ich dieses Wort früher sehr oft gehört….vielleicht ist es….war es….mein Name….ich will nicht mehr existieren, lasst mich gehen…..lasst mich schlafen….aber die Stimme redet weiter…leise und doch deutlich vernehmbar….eine schöne Stimme…wie eine Melodie….wieder spüre ich einen dieser Tropfen, doch diesmal kann ich meine Augen nicht mehr geschlossen halten. Ich komme nicht mehr gegen den Drang an, zu wissen ….zu erfahren und zu sehen….langsam öffnen sich meine Augen, sie sind so schwer wie noch nie zuvor….oder kommt es mir nur so vor? Ich weiß es nicht….verschwommen kann ich über mir die Bäume erkennen….und den Himmel…einen blauen Himmel….langsam sehe ich wieder klarer….nein, es regnet nicht….aber woher kamen dann diese Tropfen…diese Tropfen, die mich aufgeweckt haben? Langsam, kaum merklich drehe ich meinen Kopf nach rechts….wieder spüre ich Schmerzen, die durch meinen ganzen Körper laufen….die Schmerzen sind so stark, dass ich schreien würde, wenn ich dafür genug Kraft besitzen würde….dann sehe ich plötzlich dich….du kniest neben mir….und du weinst….warum weinst du? Ich habe dich noch nie traurig gesehen, wenn ich darüber nachdenke….deine langen, dunklen Harre wehen leicht im Wind…selbst wenn du weinst siehst du noch so schön aus….du, der einzige Lichtblick in meinem dunklen Leben…ich öffne meinen Mund…ich will dir irgendetwas sagen….ich will dir sagen, dass du nicht weinen sollst, dass du mich nicht aufhalten sollst…..aber ich schaffe es nicht…meine Stimme ist zu schwach um zu reden….viel zu schwach….ich möchte meine Augen wieder schließen, wieder einschlafen bevor du siehst, dass ich noch lebe….doch ich bin nicht schnell genug, vielleicht wollte ich auch nicht schnell genug sein, ich weiß es nicht mehr….du hast deine Augen geöffnet und schaust mich an…überrascht und froh….wieso bist du froh? Bedeutet es dir wirklich etwas, dass ich noch am leben bin? Ich zweifle daran, denn schon fast alle Hoffnung in mir ist erloschen….minutenlang passiert nichts….du schaust mir in die Augen….ich würde diesem Blick sofort ausweichen, doch selbst dazu bin ich nicht mehr imstande….ich spüre, dass mein Blick völlig leer ist und auch du musst doch sehen, dass ich gehen will….lass mich gehen….lass mich in der Dunkelheit…wenn ich jetzt fähig wäre zu reden, würde ich dir sagen, dass du weg gehen solltest auch wenn mein Herz dagegen ist….aber du gehst nicht….noch immer kniest du neben mir….dann hebst du deine rechte Hand….langsam, fast wie in Zeitlupe….aber vielleicht kommt es mir ja auch nur so vor….ich spüre, wie du deine Hand direkt auf mein Herz legst….eine Wärme durchflutet mich….eine so starke Wärme, dass selbst die Schmerzen verschwinden…woher kommt diese Wärme nur? Weiß ich es nicht oder will ich es nicht wissen? Du öffnest deinen Mund…..“Trane…“, schon wieder dieses Wort…schon wieder mein Name…“Ich bitte dich, bleib bei mir…..“ ich höre deine Worte und sie brennen sich in mein Herz….wäre es wirklich gut, jetzt zu gehen? Wäre es in Ordnung dich allein zu lassen? Ich spüre, wie sich meine Augen mit Tränen füllen…es ist so lange her, dass ich eine Träne vergossen habe und ich dachte, dass ich dazu schon längst nicht mehr fähig wäre…..ich habe mich geirrt…langsam kehrt meine Kraft wieder zurück….der Tod ist nun endgültig verschwunden….und ich…ich bin noch immer hier….noch immer in diesem Leben….aber vielleicht ist es nicht so unerträglich wie ich gedacht habe…vielleicht war ich einfach nur blind….ich sammle meine kraft und schaffe es meinen rechten Arm zu heben….fast unbewusst fange ich eine Träne von dir auf….“Bitte…..wein nicht…“ ich bin überrascht, dass ich wieder reden kann und ich merke, dass auch mein Blick nicht mehr leer ist….“Wenn du mir versprichst, dass du bei mir bleibst ….“ Ich weiß nicht, warum, doch deine Worte bringen mich zum lächeln….fast automatisch nicke ich…ja, ich bleibe hier…und das nicht nur, weil mir jetzt sowieso keine andere Wahl bleibt….nein, ich möchte hier bleiben, weiter leben….mir wird eine zweite Chance gegeben….du hast mir eine Chance gegeben….ja, ich dachte, es wäre schon längst vorbei…ich hatte gehofft, diese Welt endlich verlasen zu dürfen….jetzt aber will ich bleiben….ich will weiterleben…mit dir…
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Kommentare
Lexa schrieb am 2006-12-07 22:50:30:
Ja, ich finde es auch schön, wenn in schweren Zeiten jemand da ist und zu einem steht, egal was kommt. LG Lexa
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