Nova 2
von
Sarcastic Tears
Getragen von den lieblichen Melodien der Engelchöre schloss sie die Augen und vertiefte sich in ein Gebet. Es waren die ersten wirklich klaren Gedanken die sie seit den letzten Stunden hatte fassen können und sie spürte wie gut sie ihr taten. Endlich verschwand dieses Bedrückende Gefühl der schweren Last auf ihrer Seele. Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihrem Bauch aus und sie fühlte sich von der Atmosphäre die um sie herum entstanden war entführt auf eine große weiße Wolke die niemand erreichen würde. Die einfach hinfort zog unter der warmen Sonne ohne jemals stehenzubleiben.
Als Nova die Augen wieder öffnete hatte das Lied bereits seinen Ausklang gefunden und die Leute um sie herum gingen aus den Bänken. Es waren für diese frühe Morgenstunde aussergewöhnlich viele gewesen, die, die Kirche besucht hatten. Sie saß nun allein in einem Meer vieler kleiner Teelichter die auf den Ablagen der Bänke plaziert waren. Ein romantischer Anblick der Nova das Gefühl der Bedrohung durch die Dunkelheit nahm. An diesem Ort fühlte sich sicher und geborgen und das war schon immer so gewesen.
>>Nova!?<< Eine Hand fasste an ihre Schulter. >>Schön das du gekommen bist.<< Nova lächelte und hielt sich Pfarrer Peters Gesicht vor Augen, während er um sie herumtrat und sich neben ihr auf die Bank setzte. Er nahm ihre Hand und in Mitten seiner Weichen Züge entstand ein Lächeln. Er hatte sich seit ihren letzten Treffen nicht verändert. Er wirkte Immer noch nicht alt, das einzige was einem dies überhaupt verraten konnte, waren seine rauen Haare, die er stets zurück gekämmt trug.
>>Wie geht es dir mein Kind?<<
>>Mir... Ich bin in Ordnung denke ich!<<, sie zögerte, >>Es ist nur das ich...<< Sie zögerte unsicher. >> Ich hatte wieder Visionen.<<
>>Ich nehme an sie sind schlimmer geworden?<<
>>Das auch aber ich glaube ich weiß wo ich sie finden kann...<<
Pfarrer Peters Augen weiteten sich. >>Was? Wie denn?<<
>>Ich hatte klare Visionen. Ich habe mehr gesehen als nur die Personen und ihre Handlung! Ich habe alles ganz klar gesehen, alles um mich herum. Alles um sie herum! Ich habe einen Brief gesehen, mit ihrer Anschrift!<<
Pfarrer Peters blickte hilflos, legte die Stirn in Falten und seufzte.
Nova ging nicht darauf ein, dazu war sie zu entschlossen, egal was noch kommen würde, sie würde dem ein Ende setzen. >>Sie lebt hier in der Stadt.<<, führte sie weiter fort.
>>Vielleicht solltest du es jetzt nochmal bei der Polizei probieren! Sie können dich nicht schon wieder abweisen.<<
>>Doch das können sie. Wieso sollten sie einer kleinen Diebin wie mir schon glauben schenken.<<
>>Nova!<< Seine Stimme steigerte sich hörbar. >>Die Zeiten sind vorbei. Sie können dir nicht deine längst vergessenen Fehler vorhalten. Du hast dich geändert!<<
>>Nicht in ihren Augen!<< Nova sprang auf und funkelte ihren Gegenüber an. >>Sie werden mir nicht glauben und sie werden mir nicht helfen. Das einzige was ich weiß ist das sich morgen eine Frau das Leben nehmen wird, während ihr Mann wahrscheinlich stinkbesoffen vor der Glotze hängt!<<
>>Nova!<<
>>Nein!<<Mit einer harschen Handbewegung schnitt sie ihm das Wort ab.
Beschämt über ihren scharfen Ton sah sie zu Boden. >>Bitte...<<
Pfarrer Peter seufzte auf. >> Na gut. Soll ich dich denn begleiten?<<, fragte Peters wieder in einem ruhigen Ton.
>>Ja bitte! Ich schaff das nicht alleine und ich weiß auch nicht wen ich sonst fragen könnte und...<< , ihr Stimme zitterte.
>>Ich bin doch auch immer für dich da mein Kind.<< Er lächelte sie an, doch in seinen Augen spiegelte sich die Angst vor dem Ungewissen wieder. Solange sie ihn kannte war er immer für sie da gewesen, doch nie hatte sie etwas für ihn tun können. In diesem Moment begann sie sich dafür zu hassen, ihn, einen alten Menschen wie ihn, mit ihren Problemen zu konfrontieren. Das hatte er nicht verdient, nicht nach alle dem was er bereits für sie getan hatte. Doch ebenso gut wusste sie das sie es nicht alleine schaffen würde, zu groß war die Furcht vor dem was kommen würde.
>>Nova?<<, die Stimme des Geistlichen rief sie zurück aus den Gedanken. >>Hilfst du mir noch die Kerzen auszublasen, das wäre sehr lieb von dir.<<
>>Ich will dir helfen wo ich nur kann...<<
Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke brachen trauten sich sichtlich mehr Menschen auf die Straßen. Nova saß umringt von Tauben auf dem Markplatz. Kleine Menschengruppen gingen an ihr vorbei und irgendwo über ihr donnert der Hall eines Flugzeugs. Nichts ungewöhnliches eigentlich, doch Nova hatte das Gefühl alles viel intensiver wahrzunehmen als sonst. Selbst ihr belegtes Brötchen schmeckte sie intensiver, was sie allerdings als Einbildung abtat. Sie biss vorsichtig ab und genoss ihr erstes Mahl nach gut vierundzwanzig Stunden. Sie hatte nach den Visionen des Vortags keinen Bissen herunter bekommen. Das Gurren einer Taube drang an ihr Ohr und sie sah auf das kleine geflügelte Tier hinab, das vor ihren Füßen herumtorkelte. Sie brach ein Stück ihres Brötchens ab und warf es auf den Boden, was nur Folge hatte das sich die Ganze Schar der Gut zwanzig Tauben auf das kleine Stückchen des Brötchen warfen. <Wie die Geier> , Nova lächelte und lehnte sich zurück um die Sonne zu genießen, die nun vollends aus ihrem Versteck gekommen war.
Der Besuch bei Pfarrer Peters hatte ihr einige Last von der Seele genommen. Sie hatte einfach jemanden gebraucht der ihr den nötigen Rückhalt gab, und der Geistliche tat dies bereits ihr halbes Leben lang. Er hatte die Vormundschaft für sie übernommen als sie gut zehn Jahre alt war. Eltern hatte Nova nie gehabt, ihr ganzes Leben hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt im Heim verbracht. Doch der Geistliche hatte ihr die Weite Welt ausserhalb der Mauern des Heimes gezeigt und ihr bewiesen wie schön die Welt sein kann, wenn man sie nur verstehen lernt. Die Tatsache das er ihr immer beiseite gestanden hatte und sie nie etwas für ihn hatte tun können machte sie in gewissermaßen Traurig, dabei hatte er ihr immer wieder erklärt das sie mehr für ihn getan hätte, als sie sich vorstellen könne. Sie war gewisser Maßen die Erfüllung seines Traumes von einer eigenen Tochter, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Nova hörte ein Protestierendes Gurren neben ihr und entdeckte eine kleine weiße Taube neben sich auf der Bank sitzen.
>>Na wo kommst du denn jetzt her?<< Sie brach einen großes Stück ihres Brötchens ab und legte es der Taube vor. Sie Gurrte einmal zufrieden und pickte an dem Brötchen. Doch für diesen kleinen Moment schien die langsam stehenzubleiben. Die Menschen liefen so erbärmlich langsam, ihre Münder bewegten sich wie in Zeitlupe und der Hall eines weiteres Flugzeuges drang nur im Sekundentakt an ihr Ohr. >Nicht schon wieder! Bitte, nein. Nein!!!< Sie sprang auf und rannte los, sie musste weg von diesem Ort, doch aufeinmal bewegten sich alles überschnell. Die Gesichter der Menschen auf dem Platz zerliefen zu fies grinsenden Fratzen. Ihre Hände wuchsen zu Pranken aus die nach ihr griffen. Diese Monster lachten spitz und hämisch, sie hassten sie, Nova spürte es genau. Sie rannte einfach weiter, alles vor ihr zerfloss in eine Vielzahl von Farben. Sie verlor die Orientierung, die Flucht endete in einem Karussell aus verschwommenen Bildern und Konturen. Sie vernahm das Geräusch quietschender Bremsen, bevor sich alles überschlug.
>>>>Tod!
Ja, ich bin Tod! Nova drehte sich einmal um die eigene Achse und sah sich im Nichts stehen. Um sie herum war alles weiß. Es gab keinen Anfang und kein Ende, nirgendwo. Es war einfach das Nichts.
<Ein erfüllten Leben nach dem Tod im Reich Gottes.- wohl eher nicht! > Sie ging auf der Stelle und stellte fest das ihre Füße nass waren. Es war nicht etwa ein weißer Boden auf dem sie stand, sondern milchiges Wasser. Sie kniete nieder und tauchte ihre Hand in das lauwarme Nass, das nun auch begann den Geruch von Rosen anzunehmen. Und wieso zum Teufel war sie Barfuß? Sie erhob sich und blickte hinter sich, sie spürte die Präsenz eines Wesen, eine Wahrnehmung die sie bereits kannte. Sie wusste wer sie erwarten würde. Es war das Mädchen. Sie lag in einem Bett mit rosanem Himmel, bekleidet nur mit einem dünnen, weißen Nachthemd.
Nova trat an das Bett heran, woher es kam war egal, an den Umstand das Dinge kamen und gingen war sie bereits gewöhnt, nichts anderes machten die Visionen schließlich aus. >Sie ist wunderschön< Nova strich dem Mädchen durch das blonde Haar, über die sanften Wangen und die zarten Lippen. <Sie sieht aus wie ein kleiner Engel. So zart und friedlich. Warum nur hat man dir all das angetan? Warum!?> Und als wenn das Mädchen sie hören konnte, lief eine kleine Träne ihre Wange hinab. Sie rollte hinab und fiel auf den Bettbezug. Dann begann es zu regnen.
Dicke schwarze Tropfen fielen vom weißen Himmel und begannen das milchige Wasser schwarz zu Färben. Die farbigen Kleckse breiteten sich über der Wasseroberfläche aus und erreichten ihre Füße. Nova stand da, die schwarzen Tropfen rannen an ihr herab, und sie verstand nicht. Auch wenn das Bild das sich ihr bot auf eine Weise wunderschön war, so bedrohlich war es auch. Und sie konnte nichts tun, nur dastehen und zusehen wie sich das Wasser schwarz färbte. Auch auf dem Himmelbett sammelten sich die schwarzen Tropfen und ein vereinzelter kleiner Tropfen schien sich an der Unterseite des Himmel zu bilden. Nova entdeckte ihn zu spät, er fiel herab auf die Stirn des Mädchen, schien bei Aufprall zu explodieren und in viele kleine Teilchen zu zerfallen. Und genauso wie der Tropfen zerfiel, zerfiel auch die Illusion des Nichts. Um Nova herum explodierten die Spiegel und Ihre Scherben und Splitter regnet auf sie herab. Es war ein ohrenbetäubendes, unaufhaltsames Klirren, überall um sie herum. Stück für Stück zerfiel die Spiegel, und machten dem Nichts aus schwarz Platz, das sich hinter den Spiegel verbarg. Nova spürte die Bedrohung die von der Schwärze ausging.
Etwas spannte seine Flügel, glitt herab, genau auf sie zu. Sie wusste nicht von woher er kam, doch der schwarze Engel riss sie um und schleuderte sie in das schwarze Wasser. Er stieg wieder auf in den Himmel und kreischte wie ein Falke es tun würde. Nova stand auf, sie wusste nicht wieso sie tat, doch sie stand auf und sah sehnsüchtig in den schwarzen Himmel. Der Engel stürzte herab und riss sie mit, seine Klauen gruben sich in ihre Haut und sie schwebte über den Boden, nur ihre Füße schleiften noch im Wasser. Der Flug war nicht von langer Dauer, sie tauchte ein in grelles Licht, verlor jegliches Gefühl und verlor das Bewusstsein.
Als sie wieder erwachte, war sie nicht in der Lage die Augen zu öffnen, doch sie fühlte auch so das sie nicht alleine war. In der schwärze vor ihr breiteten sich bunte Farben aus, die sich mehr und mehr zusammen zogen. Am Ende ergaben sie ein rundes Mosaik aus Glas, durch das helle Strahlen drangen. Etwas näherte sich ihr, sie fühlte sich wie als wenn sie in eine Ecke gedrängt würde. Etwas schloss sie ein, wie kleine Wehen drangen diese Fremdartigen Gefühle an sie heran. Ihr Herz war erfüllt vom Willen zu überleben, dann wiederum hatte sie das Gefühl sich aufgegeben zu haben. Ein totales Chaos breitete sich in ihr aus, die Gefühle regneten auf sie herab wie der laue Sommerregen. Blitzte zuckten vor dem schwarz ihrer Augen auf und umgaben das strahlende Mosaik. Stimmen umgaben sie.
>>Wir kriegen sie nicht durch!<<
>>Doch, wir schaffen das!<<
>>Hinze der Blutdruck geht runter... Wir haben Kammerflimmer!<< Die Stimme schrie durch ihren Kopf, hallte unerbittlich wieder und schien ihr inneres zu zerreissen.
>>Das Herz arbeitet zu wenig um das schnelle Schlagen wirken zu lassen.<<
>>Dann halt!<< schien jemand aus sich heraus zu pressen. >>Den Defribrillator! 200!<<
Etwas drückte auf Novas Brust. Zwei Kühle, glatte Flächen. Erst jetzt verstand sie.
>>Alle weg von Tisch!<<
>>Jetzt!<<
Es war kein Schmerz, aber eine ungeheure Kraft die durch ihren Körper zu fahren schien. Sie spührte wie sich ihr Körper aufbäumte und alles in ihr zu kribbeln begann. Sie vernahm ein schrilles Knirschen. Das Mosaik hatte ein großen Riss bekommen, der vom oberen Rand mit zur Mitte des Mosaiks reichte.
>>Hat angeschlagen...<<
>>Ich habe aber keinen Puls mehr! Wir stehen schon wieder kurz vor dem Kammerflimmern<<, schrie die andere Stimme dazwischen.
>>Dann leg mit der Herzmassage los! Schwester ziehen sie eine Spritze Lidocain auf! Volle Dosis!<<
>>Nein...<< Die Stimme zitterte. >> Es hat keinen Sinn mehr, ihre Gehirnzellen werden längst nicht mehr mit Sauerstoff versorgt...<<
Lange Zeit starrte sie auf das Mosaik. Das Licht das durch es hindurch strahlte wurde immer weniger. Die Gefühle die sie erreicht hatten wurden immer schwächer. Sie hatte noch nie einen so starken Willen erfahren, und es war nichteinmal ihr eigener gewesen. Das Licht gab vollends Nach und das Mosaik war nur noch als dunkler Scheme zu erkennen. Und plötzlich fiel auch die schwere von ihren Augen. Sie öffnete sie und blickte in ein ihr wohlbekanntes Gesicht. Es war Pfarrer Peters, der mit besorgter Miene über ihr beugte.
>>Mein Kind, ist alles in Ordnung mit dir?<<
Sie wollte mit Ja antworten, doch ihr Hals war dermaßen trocken, das sie nicht einmal den Mund aufmachen musste um für die Antwort anzusetzen, sie nickte. Dann suchten ihre Augen den Raum ab, sie hatte das Gefühl das sie nicht alleine waren, doch sie waren es.
>>Warte Kind, ich gebe dir etwas zu trinken?<< Er lächelte und reichte ihr einen flache Schale, und während sie trank, schloss sie noch einmal die Augen, um vor ihrem Geistigem Auge den Weg des Wasse das sich seinen Weg durch ihren Körper bahnte zu verfolgen.
Kommentare
Sinch5588@aol.com schrieb:
Feine Geschichte? Eher zu viele Fehler, sowohl in Audruck als auch Rechtschreibung.
Sarcastic Tears
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