Nummer 43
von
Tony Drake
Wenn ich aus dem Fenster sehe, kann ich die Straße entlangblicken. Ich sehe auch die Haustür von Nummer 43, zwei Häuser rechts von uns. Heute saß ich wieder am Fenster und sah hinaus, wie ich es oft tue. Ich sehe mir den Himmel an, die Bäume und Vögel.
Der Himmel, mit seinem unendlichen Blau steht für die Grenzenlosigkeit und zeigt uns unsere eigene Unwichtigkeit. Die Bäume stehen für Alter, Erfahrung und vermitteln Sicherheit. Und die Vögel stehen, oder vielmehr, fliegen für Freiheit und Frieden.
Doch heute beobachtete ich eine Frau vor der Einfahrt von Nummer 43. Sie ging die Auffahrt hinauf, blieb stehen, machte noch ein, zwei Schritte und kehrte um. Sie wiederholte diesen Weg ein ums andere mal und sie tat mir leid. Sie machte die Schritte zögernd, hielt ab und zu an und wischte sich Tränen aus den Augen. Ich beobachtete sie eine Stunde lang, dann hob sie den Kopf und drehte sich in meine Richtung. Für ein paar Sekunden sah sie mich an, sah mir direkt in die Augen.
Bis auf die Straße war der Streit zu hören. Als die Stimmen leiser wurden hörte niemand das Weinen. Ein Mädchen, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt öffnete die Haustür von Nummer 43 und wollte hinausstürmen. Eine Hand hielt sie zurück, doch nicht für lange. Ihre Reisetasche verstaute der Mann, der aus sie gewartet hatte, in seinem Wagen. Als sie einstieg wurde der Schrei ihrer Mutter nicht vom aufheulenden Motor übertönt.
Sie wollte ein Vogel sein, doch sie hatte nie in den Himmel gesehen. Es war dem Himmel nicht wichtig, ob der Vogel sicher sein Ziel erreichte. Ihr Ziel hieß Glück, doch die Welt, die Menschen denen sie begegnete brachen ihr die Flügel. Jahre später suchte und fand sie die Kraft in den Himmel zu schauen. Sie las in den dahinjagenden Wolken und versank im tiefsten Blau. Während eines Gewitters packte sie ihre Habseligkeiten und nahm ihre kleine Tochter auf den Arm. Der Vater wusste nicht das es sie gab und es interessierte ihn auch nicht. Sie kannte jetzt den Weg und ihre Tochter schlief friedlich auf dem Rücksitz.
Mir stiegen die Tränen in die Augen und ich nickte der Frau zu. Sie nickte ebenfalls. Langsam, aber entschlossen. Sie öffnete die hintere Tür ihres Wagens und ein kleines Mädchen stieg aus. Hand in Hand gingen sie zur Haustür. Als die Tür sich öffnete war es für den Himmel nicht wichtig, dass ein verirrter, verletzter Vogel endlich wieder Sicherheit und Glück gefunden hatte. Aber ich wusste, dass die Tränen der Menschen in Nummer 43 an diesem Tag Freudentränen waren.
Kommentare
tweety^ schrieb am 2009-04-06 17:03:36:
hey, echt klasse geschrieben...man denkt direkt man wär die person,die alles beobachtet.
weiter so!
lg tweety
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