Nur ein bisschen Liebe
von
Ariane Rathsmann
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Es ist der erste Schultag in der vierten Klasse der Thomas-Mann-Grundschule und Leonie, die sich von allen Leo nennen lässt, hat sich demonstrativ auf einer hinteren Bank niedergelassen. Die Lehrer sind sich einig das sie wohl das widerspenstigste 9Jährige Mädchen ist, was die Schule je hatte. Natürlich hat sich Leo auch seit der dritten Klasse, wo sie an die Schule kam gewaltigen Respekt in der Klasse verschafft. Keiner darf es wagen ihr zu nahe zukommen und es gibt nur wenige Lehrer die mit ihr fertig werden. Die Klassenlehrerin Frau Susen, die gerade in den Raum kommt, ist eine davon. Sie schaut durch die Reihen ihr Blick bleibt einen Moment auf Leo haften. Das Mädchen mit den kurzen blonden Haaren, der dunklen Sonnenbrille und den weiten Klamotten die sie immer trägt. Ja das Mädchen schafft es wohl sehr oft anderen das Leben schwer zumachen, doch die Lehrerin hatte von Anfang an irgendwie ein komisches Gefühl. Ihr tut Leo leid, sie zweifelt daran, dass bei ihr zu Hause alles in Ordnung ist. Außerdem weis sie dass Leo bei weitem nicht so schulisch dumm ist, wie sie manchmal tut. Nun blickt sie auf ihre Uhr. Da es genau 8.00Uhr ist, beschließt sie anzufangen. „So kommt dann langsam mal zur Ruhe. Guten Morgen liebe Kinder, nun beginnt also ein neues Schuljahr. Einige von euch wissen, das ein harter Weg vor ihnen liegt, andere freuen sich vielleicht auch darauf neues zu lernen.“ Sie blickt wieder durch die Kinderrunde, zwinkert Leo zu und spricht weiter. „Zunächst schauen wir mal ob ihr vollständig seit, danach beleere ich euch und es gibt die neuen Stundenpläne.“ Während Frau Susen weiterredet, ist Leo mit den Gedanken längst woanders. Sie nimmt ein Blatt Papier aus einem Block und reißt winzige Stücke ab, die sie dann zu Kügelchen formt, um sie durch den Raum zu schnipsen. Patrick und Jörg, die direkt vor ihr sitzen drehen sich als erstes um. „Kannst du mal aufhören?“ Zischt Jörg genervt. „Warum sollte ich?“ „Leo machst du gleich am ersten Tag wieder Ärger? Komm nach vorne du kannst für alle sichtlich den Stundenplan an die Tafel zeichnen.“ Leo stöhnt auf, geht aber nach vorne. Sie mag die Lehrerin und hat vor ihr zumindest noch einen Funken Respekt.
Als Leo an diesem Tag nach der Schule nach Hause trödelt, wird sie innerlich immer kleiner. Zuhause ist sie nicht der starke Junge den alle sehen, da ist sie nur ein kleines, schwaches, wehrloses Mädchen. Denn kaum hat der Vater sie entdeckt, zerrt er Leo durch den Flur und prügelt auf sie ein. Leo hält sich schützend die Hände über das Gesicht, doch es nützt nichts. Ihr Vater, Carl Reuter hat den Tag über gewaltig Alkohol getankt. Leo hatte gehofft, er ist noch in seinem kleinen Elektrogeschäft, aber das ist eben heute nicht der Fall. Außer dem Geschäft interessiert ihn eigentlich nichts wirklich. Seine Tochter behandelt er lediglich wie einen lästigen Gegenstand, an dem man seinen Frust ablassen kann. Das einsiechste was ihn an Leo interessiert, ist das sie sich um den Haushalt kümmert, ihn ab und zu auch befriedigt und ihm ja nicht zuviel kostet und das sie etwas in seinem Laden an Mann bringt. Sprich es steht rar was Essen, neue Kleidung und Schulmaterial betrifft. Manchmal in den Ferien hilft sie ihrem Vater im Geschäft und bekommt dafür dann etwas Geld für neue Schulsachen. Wenn ihr Vater einen guten Tag hat, kann es sogar Spaß machen. Leo interessiert sich sehr für Elektronik und Technik und weis viel darüber. Doch nun liegt das Mädchen am Boden, versucht sich wegzuträumen, während der Ledergürtel über ihren Körper prescht. Es ist weit nach Mitternacht, als Leo die Augen öffnet und realisiert das sie alleine ist.
Langsam steht sie auf geht ins Bad und anschließend in ihr Bett. Dort kuschelt sie sich in die Decke und schläft ziemlich schnell ein. Gegen fünf fährt Leo aus dem Schlaf hoch. Zwischen ihren Beinen ist es kalt und nass. Ich hab wieder einmal ins Bett gepinkelt, denkt Leo unglücklich. Sie strampelt die Schlafanzughose von sich, rollt sich ein wenig zur Seite und schläft weiter. Als Leo die Augen aufschlägt ist es kurz nach Neun. Ohne Eile schlüpft Leo aus ihrem nassen Bett zieht das stinkende Laken ab und stopft es zusammen mit der Schlafanzughose in die Waschmaschine. Eine halbe Stunde später ist sie fertig für den Schulweg. Es ist kurz vor zehn, als Leo ihre Klasse erreicht. Schlechtes Gewissen hat sie nicht als sie in das Zimmer zu ihrem Platz geht. Frau Sänger, ihre Englischlehrerin wirft ihr nur einen strengen Blick zu, sagt aber nichts. Sie traut sich nicht sich gegen Leo aufzulehnen und macht nicht einmal einen Vermerk im Klassenbuch. Genau genommen liebt sie jede Minute ohne Leo. Keine zehn Minuten später beginnt Leo auch schon wieder sich zu langweilen. Als Frau Sänger ihren Namen gerecht auffordert das sie alle >Rock my soul< singen sollen, und dazu Kopien verteilt, singt Leo lauthals und vollkommen schräg das Lied mit, während sie einen Hut aus der Kopie bastelt. ”Leonie shut your mouth or go out of here.” Schreit die Lehrerin nach der ersten Strophe. Leo blickt lächelnd nach vorne. “Your forget the >pleace<! And whan you call me Leo, maybe I can hear what you say.“ „Halt deinen Mund du vorlautes Ding, oder ich zitiere deinen Vater hier her!“ „Ich bezweifle das mein Vater sich herzitieren lässt.“ Antwortet Leo und rülpst lauthals. „Jetzt reicht es, komm nach vorne zur mündlichen Vokabelkontrolle.“ Leo zuckt mit den Achseln und tigert nach vorne. „Also gut, sag mir die Übersetzungen! Sieg…?“ „Dumme Frage, Victory:“ „Stadt?“ „City oder Town, lassen sie sich mal was Schwierigeres einfallen.“ „Schloss?“ „Castle.“ „Angeber?“ „A bighead!“ „Eine Tasche mit Büchern?“ „Man oh man, a bag with books.“ „Ich bin neun Jahre alt?“ „Das wird ja immer schlimmer. I`m nine years old.“ „Es ist 16Uhr.“ „It’s eight a clock pm. Hätten se wohl nicht gedacht?” „Tagebuch?” “Diary!” “Regenschirm?” “Umbrella!” Unwillig muss Frau Sänger sagen. „Okay ist eine eins, geh auf deinen Platz.“ Leo verbeugt sich grinsend vor der Klasse und läuft zurück. Die nächste Stunde haben sie bei der Klassenlehrerin. Da sich Leo bei ihr gemäßigt wild verhält, ist sie nicht laut, passt aber auch nicht auf, sondern krickelt auf ihrem Hefter rum. Solang bis Frau Susen sie irgendwann aufruft. „Leo?“ Sie schaut auf. „Was ist denn?“ „Kannst du bitte das Ergebnis der Kettenaufgabe sagen, die ich gerade stellte?“ „Wenn sie diese Aufgabe schnell noch einmal im ganzen Wiederholen können vielleicht?“ „12*75+199-450/6+46*7 und das noch einmal minus 66?“ „1280!“ „Sehr gut! Na Leo in dir steckt ja doch ein kleiner Einstein, der kommt nur ein bisschen selten zum Ausdruck.“ Leo zuckt nur mit den Schultern. Sie fand die Aufgabe Babyleicht. Nach der Stunde haben die Kinder nur noch Sport, doch darauf hat Leo keine Lust. Ihr tut sowieso alles weh von gestern, so verlässt sie einfach das Schulgelände und setzt sich einige Meter weiter auf ein Brückengeländer. Nach Hause will sie jetzt noch nicht. Sie holt das Feuerzeug, was sie neulich gefunden hat aus der
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Kommentare
Raphael schrieb am 2012-01-10 11:39:08:
Glückwunsch, mich hat bisher niemand zum weinen gebracht, dir ist es gelungen
Cari._94@hotmail.com schrieb am 2009-11-20 16:36:04:
oh.. mann.. mir komen echt die tränen... grrh.. soviel was ich auch durchgemacht, der satz"ich war für meinen vater ein spielzeug." trifft mich auch sehr.. nicht das er mich vergewaltigt hat, nein, aber dieses habe ich auch durchgemacht
lulu schrieb am 2008-10-28 21:42:05:
echt tolle geschichte.
Ich hätt sie auch auf älter geschätzt.
Aber sonst echt ergreifend:-))
Jule schrieb am 2008-04-18 22:14:08:
Traurig =(
Blume schrieb am 2008-01-23 16:48:12:
hey
die geschichte ist wirklich ergreifend, man kann gar nicht aufhören sie zu lesen.
hast einen echt guten schreibstil
weiter so, am liebsten auch noch in anderen kategorien
liebe grüße
PS. vreni, einzigste gibt es nicht, es heißt einzige
rated r superstar schrieb am 2008-01-19 00:32:49:
Hey die geschichte is echt gut geworden
das einzige was mich n bisschen stört, is das alter von dem kind, ich hätt
sie eher so auf 13 oder 14 geschätzt, so wie sie redet und so kA.
Mia schrieb am 2008-01-16 16:49:40:
Super!
HAb wirklich angefangen zu weinen
voll geil
vreni schrieb am 2007-11-21 21:43:07:
schreibst super geschichten=))..cooler schreibstil..aber immer dasselbe thema=(....trotzdem weiter so=)
Ps.: einzigste (hab auch keine gute Rechtschreibung....aber das Wort schreibst du irgendwie immer falsch;P)
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