"Oh Gott Montag! "
von
Jürgen Meusel
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" OH GOTT MONTAG ! "
Und wieder ist ein Wochenende in meinem Leben vergangen und ich stehe am Montagmorgen
schlaftrunken in der Küche und bereite wie immer um diese Zeit den Morgenkaffee
für meine Frau und mich vor. Ein kurzer Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass die Stadt,
im Dunkel eingehüllt, zum größten Teil noch schläft. Die Zeit drängt mich ins Badezimmer.
Frisch gewaschen und gestriegelt, wecke ich nun meine Frau."Guten Morgen!", ertönt Ihre
Stimme. "Morgen!", erwidere ich und verlasse das Schlafzimmer. Irgendwie habe ich das
Gefühl, dass es im Moment nicht die schönen Zeiten in unserer Ehe sind. Wir hatten am
Wochenende eine kleine Auseinandersetzung, die wie immer mit gemeinsamem Anschweigen
endete. Auch am Morgen wechseln wir nicht allzu viele Worte. Genussvoll trinke ich meinen
frischen noch dampfenden Kaffee und versuche die Situation zu ignorieren.
Es ist Zeit, ich muss los zur Arbeit. Ein kurzer Kuss an der Wohnungstür und schon schließt
sich die selbige.
Während der Fahrt geht mir das Wochenende durch den Kopf und ich stelle mir die Frage, wie
es in meinem Leben weiter gehen würde, wenn sie mich verlassen würde. Obwohl die Heizung
auf volle Pulle steht, läuft es mir eiskalt den Rücken runter.
Was denn nun? Zwei grell rot leuchtende Augen schauen mich warnend an. Verdammt,
gepennt! In einem sehr kurzen Zeit schnalle ich, was gerade passiert und trete Kupplung und
Bremse zugleich. Meine Räder blockieren mit einem lauten Quietschen. Der Rucksack, der
neben mir auf dem Beifahrersitz steht, beugt sich nach vorne und verlässt dann seinen
Aufenthaltsort, indem er im Fußraum Platz nimmt. Völlig verkrampft, sehe ich, wie ich dem
vor mir bremsenden Auto Zentimeter um Zentimeter immer näher komme. Gleich knallt es,
denke ich, doch der Knall bleibt aus.
Puh, Glück gehabt! Ich spüre die Blicke aus den neben mir stehenden Autos, die mir
verständnislos rüber geworfen werden. Kopfschütteln ist wahrzunehmen.
Um nun sicher zur Arbeit zu kommen, schiebe ich diese Überlegung einfach beiseite und
konzentriere mich auf die Straße.
Auf Arbeit angekommen packe ich meinen Rucksack aus und stelle dabei fest, dass der Quark
sich in seinem ursprünglichen Behälter nicht mehr wohl gefühlt hatte und Platz in meinem
gesamten Rucksack genommen hat. "Fängt ja scheiße an die Woche!", denke ich und gehe
missmutig mit dem Rucksack in den Waschraum, um den Quark aus seinem jetzigen Behältnis
zu verbannen."Naja, kann nur besser werden!"
Also umgezogen, gehe ich an meine Arbeit, um diesen Tag so schnell wie möglich
rumzukriegen.
So gegen 10.00 Uhr deutet mir mein Handy mit einen nervenden Piepen an, dass eine Nachricht
eingegangen ist. Ich ignoriere dieses, da ich unter Stress stehe und der Lkw noch heute
fahrbereit sein muss. Ja, da ist mein Chef immer für eine Überraschung gut. Gestern noch egal
wann das Auto fertig wird, heute wäre es besser, wenn er vorgestern schon fertig ist, obwohl er
gestern zum Feierabend mit Bremsendefekt rein kam. Also schraube ich so schnell es geht.
"Ach, endlich 12.30 UHR Mittagspause!" Ich setze mich hin und packe mein Brot aus. Da fällt
mir die Nachricht ein. Ich greife mein Handy. "Neue Nachricht" ist auf dem Display zusehen.
Ich klicke auf "lesen", wobei ich vom Chef, der gerade in die Werkstatt kommt, unterbrochen
werde. Mit einem Auge versuche ich beim Gespräch auf das Handy zu schauen und scrolle mit
einem Finger die Anzeige, um die Herkunft der Nachricht zu überspringen.
Endlich habe ich den Anfang des Textes erreicht und auch mein Chef hat endlich
mitgeschnitten, dass ich Pause habe. Und nun kann ich diese Nachricht lesen:
"Hallo, habe die Schnauzte voll und werde Dich verlassen. Dein Dich nicht mehr liebender
Schatz."
Mir bleibt der Happen im Halse stecken, ich bin fassungslos. Die heut früh schon gefühlte Kälte
läuft mir wieder den Rücken runter."Na toll!", flüstere ich vor mich hin."Was nun?"
Langsam steigt Wut in mir auf und ich denke mir, dass ich irgendetwas machen muss. Am
einfachsten ist per SMS antworten und da merkt Sie auch die Wut nicht so, die wahrscheinlich
in meiner Stimme hörbar wäre. Also klicke ich auf "antworten". Nun schreibe ich los:
"Mein liebes Fräulein ..."
Nach mehrmaligem Löschen und wieder neu Anfangen, Umschreiben und wieder Löschen, ist
auch die halbe Stunde Mittagspause zu Ende und mein ach so lieber Chef tritt wieder in die
Werkstatt. Auf meinem Display steht: "Mein allerliebster Schatz!"
"Was ist mit dem Auto?", ruft er durch die Halle. "Was soll sein, ich bin gleich wieder dabei."
Er weiß eben nicht, dass ich andere Sorgen habe. Also beende ich den Text mit den folgenden
Worten: "müssen noch mal über alles reden. Ich liebe Dich, Jürgen." und drücke auf " senden."
Wie immer habe ich mich gerade unters Auto geschwungen, ich glaube, das blöde Telefon
wartet immer darauf, klingelt das Gerät auf der Werkbank. "Die hat es aber eilig mit mir
darüber zu reden", geht es mir durch den Kopf, als ich mich aufraffe, um zur Werkbank zu
gelangen. Ich habe das Gefühl, als ob der Klingelton sich plötzlich richtig böse anhört. Aber
bevor Sie was sagen kann, werde ich das Wort ergreifen. "Ich drücke auf den grünen Hörer und
lege auch gleich los.
"Ich verstehe nicht, warum Du mich verlassen willst. Nur weil wir eine kleine
Auseinandersetzung hatten. Brigitte, überlege Dir die ganze Sache noch einmal. Ich ..."
Ich texte Sie mit allem zu, was mir gerade so einfällt und womit ich Sie überzeugen könnte.
"Hallo, hör doch mal zu! " werde ich lautstark unterbrochen. "Selbst Ihre Stimme hat sich
verändert oder spinnt das Telefon schon!?" "Hier spricht Marina, Marina Schulz." Ich hab das
Gefühl, dass mir gerade die Gesichtszüge entgleisen. "Marina, wieso Marina?" schießt mir
durch den Kopf. "Wen hast Du denn jetzt belastet?" Die Stimme aus dem Telefon meldet sich
wieder. "Du hast eine Nachricht erhalten, die nicht für Dich bestimmt war. Ich habe einen
Zahlendreher beim eingeben gemacht. Als ich die Antwort von Dir bekommen habe, ist mir die
ganze Sache aufgefallen." Ich merke, wie mein Gesicht wieder eine normale Form annimmt
und auch eine gewisse Erleichterung in mir aufsteigt. "Na Gott sei Dank!" erwidere ich der
unbekannten Marina. "Tut mir leid, dass Du Stress hattest", klingt es aus der Hörmuschel. "War
halb so schlimm!", lasse ich schon wieder den Coolen raushängen. "Aber rede noch mal mit
deinem Freund und ansonsten noch einen schönen Tag." "Dir auch!" und schon ertönt ein Klick
auf der anderen Seite.
Der Tag vergeht ohne weitere Überraschungen und ich denke mir, ein paar schöne Blumen für
meine liebe Frau mitzunehmen. Als ich zu Hause ankomme, überreiche ich Ihr die Blumen und
was sagt Sie? "Haste irgendwas ausgefressen oder ist was passiert?" "Da wundern sich Frauen, warum Sie so selten Blumen bekommen!"
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