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Kategorien > Drama > tod

Ohne dich kann ich nicht

von Hermione

1

Ich habe meine Kinder bei meiner Mutter für ein paar Stunden abgegeben und bin nun bei ihm.
Er sagt nichts, als ich komme, und auch nicht, als ich ihm den Mittelfinger zeige.
Monatelang war ich stark, habe meinen Kindern nicht den Schmerz gezeigt, den ich empfinde.
Mein Verstand hat mir gesagt, dass die Kleinen vorgehen, und das stimmt ja auch.
Jetzt stehe ich da und starre ihn an. „Du Idiot!“, fauche ich.
„Weißt du, was ich alles auf mich genommen habe, als du uns verlassen hast? Nein! Du weißt rein gar nichts, sonst wärst du nicht einfach so gegangen!“ Wie die Lava aus dem Vulkan bricht, brechen meine Gefühle aus mir heraus.
Die Leute um uns herum starren mich an, schütteln den Kopf.
„Marie ruft jede Nacht nach dir! Und Marius weint im Schlaf. Und alles nur wegen dir! Wie soll ich denn unsere Schulden abbezahlen?
Mein Teilzeitjob bringt mir nichts, meine Eltern helfen mir, so gut es geht! Sogar deine Mutter hilft uns …“
Noch immer erwidert er nichts. Das bringt mich zur Raserei.
„Was soll ich den Kleinen erklären? Was soll ich ihnen sagen, wo ihr Papa ist?“
Ich seufze leise. „Es würde mir mehr bringen, wenn du auch mal was dazu sagen würdest. Dein Schweigen nützt mir nichts. Sag mir, was ich tun soll. Bitte.“ Und aus der Wut werden Tränen.
Zuerst eine einzelne Tränen, dann werden es plötzlich immer mehr, tausende, und eine plötzliche Kälte schüttelt mich.
Ich weine laut, so wie ich es früher getan habe, als ich klein war – einfach hemmungslos drauf losschluchzen, die Tränen mal nicht verbergen zu müssen.
Müde lasse ich mich an den Rand großen, flachen Steins nieder.
Dann greife ich in meine Handtasche, fische die Kerze heraus und zünde sie an. Eine kleine Flamme, und in mir geht auch ein Funken Hoffnung auf.
Ich blicke auf den Grabstein, in den der Name meines Mannes gemeißelt steht. Der Krebs hatte ihn letztendlich doch in der Erde schlafen lassen.
Er wird mir nie wieder antworten können.

1

Kommentare

BlackRose schrieb am 2007-12-28 17:54:40:
Liebe Herminoe
Wie einmal gelesen und wiedermal tage lang drüber nach gedacht einfach der knaller.
zOe schrieb am 2007-10-08 20:46:33:
aaach jetzt les ich diese geschichte bestimmt schon zum tausendsten mal! sie ist sehr berührend und einfach wunderbar traurig beschrieben. gefällt mir wirklich ausserordentlich gut. zOe
zOe schrieb am 2007-09-08 22:11:21:
halloooo jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen, deine geschichten hier zu lesen.
ich bin einfach begeistert, das kann ich dir fast nicht erklären...
am besten gefallen mir deine kurzen geschichten, sie sind fast nur wie ein gedanke, über den man noch die ganze nacht nachdenken kann, einfach toll!
mach weiter so, ich freue mich immer, etwas neues von dir zu sehen
liebe grüsse
dein fan *zoe*
franke, sina schrieb am 2007-05-28 13:13:15:
einfach hammer.
deine geschichten sind der wahnsinn. gefallen mir sehr.
liebe grüße
sina
Leaden schrieb am 2007-05-05 20:53:17:
Wow! Ich habe schon einige deiner Geschichten gelesen und es ist die eine schöner wie die andere! Mach echt echt weiter so, ich liebe deine Geschichten! Gruß Felix.
Nina schrieb am 2006-12-16 21:13:38:
Das ist echt ein Hammertext.
So was trauriges hab ich echt schon lange nicht mehr gelesen.
BlackRose schrieb am 2006-09-20 13:35:08:
kurz , knapp und hammer geil ! ( ich schwöre dir ich komme heute gar nciht mehr ans arbeiten -.- egal mehr für morgen ^.^)

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