Oma Knatter
von
geschichtenhaus
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Oma Knatter und ihre Odyssee durch die Dimensionen von Raum und Zeit im Jahrhundert der Wissenschaft und weltlichen Lebensphilosophie � oder wer einen alten Regenmantel hat, der schon Löcher hat durch den regelmäßigen und strapazierenden Gebrauch, der sollte sich überlegen, ob er sich nicht besser einen neuen zulegt
Happening 1: Als die Oma in einem Löwenkäfig eines Zoos wohnte
Es lebte vor langer Zeit eine alte Frau in einer großen Stadt an einem breiten Fluss in einem länglichen Tal in einem Mittelgebirge. Sie war schon mindestens achtundsiebzig Jahre alt und ärgerte sich, wenn laute Flugzeuge vorbei flogen und mit ihren Abgasen die Pflanzen in ihrem Garten verseuchten. Die Tomaten wurden schwarz und die Gurken braun und der Salat nahm eine befremdliche Form an, die man sonst nur im Tierreich findet. Die Oma � so nannten sie die Leute in ihrer Straße � hatte eine kleine weiße, bunt getupfte Katze, die immer um ihre Beine schlich, und sich gemütlich an die Oma schmiegte, wenn sie ihr das Fell kraulte. Doch der kleine Freund blieb ihr nicht lange erhalten. An einem regnerischen Samstag, den Vierzehnten wurde die Katze von einem chinesischen Mafiosi entführt und da die Oma das Lösegeld von dreißigtausend Euro nicht bezahlen wollte, landete die Katze an einem Ort, wo es nur so brodelte.
Seit der Entführung ihrer Katze machte sich die Oma die Erforschung von allen Katzenarten zur Aufgabe. Zuerst fing sie den Kater ihrer Nachbarin ein und testete seine Reaktion mit den verschiedensten Gewürzen, Wasch- und Putzmitteln sowie Parfums oder Maschinenölen aus der Garage. Tabasco und Chilischoten schmeckten dem Kater nicht besonders gut, was sich dadurch äußerte, dass er drei Tage nicht mehr unter dem Schrank hervorkommen wollte, und grässliche Spucklaute von sich gab oder mit kratziger Stimme aufheulte. Das Motoröl des Motorrads, auf dem die Oma immer einkaufen fuhr, vertrug sich gut mit dem Fell des Katers. Die verblüffende Wirkung gegen Flöhe und Läuse machte sich die Oma gleich selbst zu Nutze. Wovon der Kater allerdings nur schwer lassen wollte war das Kokosmilchbadeöl, mit dem die Oma Pfefferkörner und Zahnpasta vermengte, bis eine minzgrüne breiige Masse entstand � ungefähr so, wie das Pfefferminzeis mit den Schokostückchen, was es seit einiger Zeit in vielen Eisdielen zu kaufen gibt. Leider wurde dem Kater das Badeöl zum Verhängnis. Er segnete als bald das Zeitliche und die Oma konnte mit der nächsten Versuchsreihe beginnen.
Jetzt ging es unter das Fell. Dieses hatte der Kater schon während des Verzehrs des Feuerzeugbenzins und des Grillanzünders verloren. Die Oma las sorgfältig jedes Haar auf und hob das Fell in einer kleinen Tüte auf. Den Kater selbst legte sie erstmal auf Eis, denn sie wollte sich nach Abschluss der Lebendversuche von außen nach innen durchbeißen � im übertragenden Sinne wohlgemerkt. Das Fell teilte sie in Portionen, um verschiedene Experimente machen zu können. Es ist leicht brennbar, riecht bei Entzündung leicht nach Feuerwerkskörpern, die in einem Gulli explodieren. Vermengt mit Marmelade, Bienenhonig und Mehlschwitze kann man verschiedene Materialien damit felsenfest verleimen � der Leim ist gegen jeglichen Einfluss, ob Hitze, Kälte, Nässe oder extreme Trockenheit, beständig und nur durch eine Lösung aus Katzengalle und Ohrenschmalz wieder zu verflüssigen.
Die Oma untersuchte nun den Körper der Katze. Als erstes schnitt sie mit einer Nagelschere die Nägel des Tieres ab und zermalmte die Hälfte in einem Küchenmörser. Die übrigen legte sie in eine Marmorschatulle. Die pulverisierten Katzenkrallen fügte die Oma einer kleinen Menge Hautcreme bei und trug sie auf eine entzündete Stelle auf ihrer Fußsohle. Die eitrige Hautschürfung, die die Oma schon seit einiger Zeit plagte und nicht heilen wollte brannte nach dem Auftragen der Krallen-Creme-Mischung, und es trat nach zwei Stunden eine Blauverfärbung auf, doch nach zwei Tagen waren alle Eiter- und Wundrückstände beseitigt. Doch was sollte mit der anderen Hälfte der Katzennägel passieren? Die Nägel in der Marmorschatulle werden später eine große Rolle spielen.
Doch nun wollte die Oma sich den Schwanz der Katze vornehmen. Mit dem großen Küchenmesser hackte sie mit einem eher schwachen Hieb die Rückenverlängerung der Katze ab und steckte das gesamte Teil in einen Küchenmixer und hexelte den Schwanz klein, bis das knorpelige Püree keine festen Bestandteile mehr hatte. Dann briet sie den Brei aus Haut und Knochen in einer buttergefetteten Pfanne goldgelb und verspeiste selbigen. Es schmeckte der Oma nicht schlecht, wie man an ihrem Gesichtsausdruck erkennen konnte, und der Blick auf die Straße, ob nicht eine Katze vorbeilief verriet die finsteren Absichten der Frau. Doch zunächst sollte die Katze aus dem Nachbarhaus genügen. An ihr war noch genug zum probieren dran und sie besonn sich wieder auf das Omelette und die folgenden Experimente.
Die Oma legte sich auf ihr Sofa. Mit sich nahm sie eine abgehackte Katzenpfote, die noch ein paar spärlich erkennbare Überbleibsel der Krallen aufwies. Mit der Pfote strich sie sich über den Bauch und kratzte sich am Hinterkopf, der juckte � hatte die Katze womöglich Flöhe? Da verfing sich eine Kralle der Katzenpfote in der Dauerwelle der Alten und sie tat sich schwer, die Kralle wieder zu entfernen, und dabei möglichst wenige Haare auszureißen. Also entschloss sich die Oma ihre gesamten Haare abzurasieren. Das hatte sie ohnehin geplant, denn eine Expedition in ein gefährliches Terrain stand ihr bevor � auch die Marmorschatulle wird dann wieder geöffnet.
Von den Untersuchungen des Inneren der Katze hatte die Oma eine riesige Ansammlung von Dokumentationen zusammengestellt. Es war zwar nicht besonders schwer den Körper aufzubrechen, doch die Innereien so herauszutrennen dass sie zwar vom Körper, aber nicht voneinander geschieden waren, bot der Oma eine angemessene Herausforderung. Das Netz aus Lunge, Leber, Herz, Nieren und den ganzen schlabberigen Teilchen hing die Oma erstmal im Bad auf die Leine zum ausbluten. Herz, Magen und die anderem hohlen Organe stopfte die Oma mit Zeitung aus, um sie auszuweiten und auf ihrer Expedition um ihren Körper zu binden und als Taschen und Stauräume zu verwenden. Als die Oma in dem ausgehöhlten Bauch wühlte fasste sie die Wirbelsäule, doch sie schreckte vor deren Form zurück � einer langen knubbeligen Knochenreihe. Dann fasste sie in einen Wulst an der hinteren Bauchwand und stieß mit ihrem Finger an dem Punkt heraus, der sich unter der Stelle befand, an der einmal der Schwanz der Katze angewachsen war.
Den Kopf der Katze wollte die Oma nicht verändern. Sie nahm nur die Augen heraus � die sie gleich gierig verschlang � und stopfte Knöpfe in die Augenhöhlen. Die Augen bekamen der Oma nicht so gut, und sie erbrach die zwei weichen Kügelchen, die sich wie Badekugeln anfühlten. Den Schnitt durch den Hals verödete die
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