Omnura Episode 2
von
TJ Omar
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Omnura
EPISODE ZWEI:
BLUDGIER
Seit Nächten verfolgen einige Alpträume die junge Frau. Es handelt immer um dieselbe Szene einer widerlichen, schnaubenden Kreatur. Es schläft in einer nassen, stinkenter Höhle. Es war ein weißer Wolf, aber so groß wie ein ausgewachsenes Pferd. Die Augen dieser Kreatur waren Blutrot. Oxana Ivanov träumte diesen Traum schon seit einigen Nächten. Immer wieder wachte sie deshalb mitten in der Nacht auf und konnte nicht mehr einschlafen. Genau wie in jener Nacht…
Sie wachte schweißgebadet in ihrem Bett auf. Ihr weißes Nachthemd, das ihr knapp unter der Hüfte reichte, klebte ihr am Leib. Sie schlich sich in die Küche und trank einen kräftigen Schluck aus der Weinflasche. Für gewöhnlich half es ihr, sich zu beruhigen. Doch diesmal war es nicht so. Sie hörte in der Stille ein leises Geräusch, dass aus dem Schlafzimmer ihrer Mutter zu kommen schien. Da wurde sie stutzig. Ihr Vater war vor einigen Jahren gestorben und einen neuen Liebhaber hatte sie, soweit Oxana es wusste, keinen. Was war es also? Noch eher sie an die Tür kam, war das Geräusch schon verschwunden. Oxana öffnete vorsichtig die Tür. Und was sie da sah, würde sie nie in ihrem Leben vergessen. Ihre Mutter lag leblos auf ihrem Bett, zumindest eine Hälfte, die noch da war, von ihr, blutverschmiert, Bettlacken, Boden, Wände. Einfach alles war blutverschmiert. Oxana bekam bei dem Bild eine Welle von Furcht und Entsetzten. Was war hier passiert? Wer hatte ihre Mutter so zugerichtet? Wie? Wann? Warum? Solche und viele tau-send weitere Fragen schossen ihr durch den Kopf. Sie sank auf die Knie und hielt ihre Hand schluchzend vor dem Mund, um sich nicht zu übergeben.
Es dauerte nicht lange, bis sie von draußen einen Lärm hörte. Sie versuchte es zu ignorieren, anfangs gelang es ihr, weil sie in Gedanken bei ihrer zerfleischten Mutter war. Doch nachdem ein Stein ein Fenster zerbrochen hatte, konnte sie es nicht mehr einfach ignorieren. Sie schaute nach draußen, um zu sehen, was los ist. Eine gewaltige Menschenmenge mit Mistgabeln, Fackeln und allerlei, was die Bürger in die Finger gelangte.
„Was wollt ihr?“, fragte Oxana schluchzend.
„Verbrennt die Hexe!“, rief jemand aus der Menge.
„Was ist los?“, wollte Oxana wissen.
„Du weißt es ganz genau“, rief jemand anderes.
„Was soll ich wissen?“
„Du, Hexe, hast einige von uns zerfleischt!“, brüllte der erste wieder. Dieser Satz brach ihr die Erkenntnis, dass sie nicht die einzige war, die jemanden verloren hatte. Aber wie kamen die Leute darauf, dass gerade Oxana es war?
„Wie kommt ihr gerade auf mich?“, fragte Oxana bestürzt.
Als Antwort wurde sie von zwei Männern gepackt und weggeschleppt. Selbstverständlicher weise wehrte sich Oxana mit Händen und Füßen. Sie wurde auf einen Scheiterhaufen gebracht und angebunden. Die Bürger folgten den Männern, die Oxana verschleppten, grölend. Ein Pries-ter war auch dabei.
„Hast du noch einige Wörter zu sagen, bevor wir dich mit dem Fegefeuer bestrafen?“, fragte der Priester.
„Ich war es nicht. Wenn ihr mir nicht glaubt, geht wieder zu mir nach Hause, und überzeugt euch davon. Meine Mutter wurde ebenfalls bestialisch ermordet“, gab Oxana von sich. Doch bevor sie den Satz zu ende sprach, bereute sie es.
„Mörderin, Hexe, Mörderin, Hexe“, riefen die Bürger in rhythmischen Singsang.
„Ich bin keine Hexe. Ihr kennt mich doch alle, seit ich auf die Welt gekommen bin!“, rief Oxana Überlebenswillig.
„Der Teufel beherrscht sie!“, rief wieder einer aus der Menge.
„Im heiligen Namen Gottes, wenn du dieses Fegefeuer überlebst, bist du eine Hexe und wir verfolgen dich bis an Ende deiner Tage. Solltest du jedoch verbrennen, so hast du das Wort wahr gesprochen“, meinte der Priester und nahm eine Fackel und zündete das Zünder an. Das Heu war trocken und brannte demnach schneller ab. Panisch rief sie nach Hilfe, die ihr nicht bekam. Das Feuer kam ihr immer näher. Oxana spürte die Hitze des Feuers. Panische Hilferufe und erbitten Gnade grollten aus ihrer Kehle, die zu einem schluchzenden Weinen wurde. Ihr Nachthemd fing Feuer und verbrannte. Sie fühlte das brennende Feuer auf ihrem Leib, dass sie verbrannte. Sie wandte sich hin und her, doch der Knoten hielt sie stramm am Mast fest. Ihre Haut, ihr Fleisch, ihre Organe verbrannten Schmerzreich. Und ihr Weinen wurde zu einem schmerzverzehrten Schreien. Egal wie sehr sie es versuchte, sie konnte ihre Qualen kein Ende bereiten. Ihre Sinne verweigerten schließlich ihren Dienst. So musste sie dahin scheiden, von dieser trostlosen Welt, die sie so sehr geliebt, und doch so sehr gefürchtet hatte.
Wie in einem Traum, stand sie vom Scheiterhaufen auf und ging zur Menge. War das real? Oder eine Illusion? Die Menschen bewegten sich sehr langsam, wenn sie es überhaupt taten. Ein helles Licht erschien. Oxana hatte oft gehört, das dieses Licht, dass einem nach dem Tod erscheinen soll, der Eingang in das himmlische Reich sein soll. Sie fragte sich nun, ob sie durch dieses Licht hinaus wandern soll, weg aus dieser Welt, weg von den Menschen, die einen mochten, und doch ermordet hatten.
Noch eher sie sich entschieden hatte, verschwand das Licht und ein Mann war an dessen Stelle. Seine pechschwarzen Haare reichten bis zu den Schultern, die Haut war Leichenblass, als ob er nie die Sonne gesehen hätte. Die schwarze Weste war offen und präsentierte einen gutgebauten Körper. Seine Hosen waren von derselben Farbe.
„Wer bist du?“, brachte Oxana schließlich heraus.
„Ich bin der Nachtwanderer. Der Fürst des Blutes. Ich bin Raven, der Blutgierige“, antwortete der Mann in Schwarz.
„Was willst du?“, fragte sie, ohne zu wissen warum.
„Ich bin hier, um dir zu helfen.“
„Helfen“, Oxana war sichtlich irritiert. „Wobei?“
„Um aus dieser Welt nach deinen Träumen und deinen Wünschen zu formen. Dich an den Ab-schaum, der dich unschuldig verbrannte, zu rächen“, seine Worte waren wie ein singen eines Sängers. Es tat in ihren Ohren wohl, sie zu hören.
„Wie willst du mir helfen?“
„In dem ich dich zu meinesgleichen mache.“
„Was bist du?“
„Ich bin das, was eure Historiker und Mythologen als einen Vampir bezeichnen. Die Nacht ist mein Tag, das Blut meine Nahrung, der Schmerz meine Luft. Ich bin eine gequälte Seele, so wie du. Werde so wie ich, dann wirst du erfahren, was es heißt frei zu sein. Ein ewiges Leben wäre dir erbracht. Du könntest alles machen, was du willst, wann du willst und wo du willst. Und das eine Ewigkeit lang.“
„Und wie stelle ich das an?“
„Wenn du es wirklich willst, dann lasse mich einen Tropfen Blut aus deinen Adern kosten“, sagte der mysteriöse Raven.
Nach kurzem überlegen streckte sie ihm ihren Hals hin. Doch er ging elegant an ihr vorbei zum Scheiterhaufen. Dort lag eine leblose, verkohlte Gestallt. Raven kniete vor ihr nieder. Er drehte den Körper. Oxana sah das Gesicht, ihr Gesicht. Raven legte den Kopf der Leiche auf seinen Schoß und betrachtete den Hals. Es war absurd, sich selber zu sehen, aus dieser Perspektive. Der Mann leckte den Hals der Leiche ab, kostete
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