Orkkriege 3
von
Lurz
1
2
Kapitel ii
803 FZ Winter, Orklager im Kontal
„Unerhört!“ Der zweite Kriegsführer der Orkhorden, Ra´naul schlug mit der Faust auf den hölzernen Klapptisch, auf dem die Pläne des Schlachtfeldes aufgebreitet waren, sodass dieser gefährlich knirschte. „Zuerst die riesigen Mengen an Nachschubtruppen, die die Zwerge für den Krieg ranschleppen, als wollten die das ganze Gebirge überrennen, und dann das! So mächtige Kampfmagier, also? Ich musste in den letzten Tagen von allen Seiten ähnliches hören. Magier, und noch dazu verflixt gute…“
Hazer fühlte sich recht fehl am Platz, wie er da in der Ecke des Zeltes stand, den Säbel unterm Arm und mit schmerzenden Füßen. Trotzdem warf er ein: „Meister Kriegsführer, wenn ich das sagen darf, es scheint mir doch etwas viel Aufwand, seitens der Zwerge zu sein, nur um sich eines Silbervorkommens zu bemächtigen.“
„Ach, du bist doch der Ork, der diese reizende Kriegerin“, er deutete mit einem Finger, der so breit wie ein Schwertknauf war und einem anzüglichen Lächeln auf Dalar die im Hintergrund, mit einem, mit dem Zeichen der Dalarhorden bemaltem Schild an den Beinen gelehnt angeregt mit einem weiteren Hordenführern diskutierte und jetzt gelassen aufsah, „hier her geleitet hat. Nun, Bauer deine Meinung ist eine der unwichtigsten Komponenten in diesem Krieg. Natürlich wissen wir, wenn ein Krieg seine Grenzen überschreitet. Gib also keine Komentare ab, sonst kommst du an den Strick!“
Dalar lächelte süß: „Hazer ist mein wohl bester Krieger und er war es auch, der den Kampfmagier niederstreckte. Und ich weise euch höflichst darauf hin, werter Kriegsführer, dass ich es verabscheue „reizend“ genannt zu werden, und dass, solltet ihr dieses Wort noch einmal gegen mich richten, ich ohne Respekt vor eurem Rang, euch den Bauch aufschlitzen werde.“
Das alles kam ihr so gelassen und in einem solch lieblichen Ton von den Lippen, dass der hochrangige Ork noch einige Lidschläge lang grinste und erst nach und nach die Bedeutung der Worte begriff.
Je mehr ihm die Dreistigkeit des kühl gesprochenen Satzes klar wurde, umso mehr wandelten sich seine Gesichtszüge von überheblich zu rasend wütend. Den kurzen, schwarzen Umhang hinter sich herwehen lassend stürzte er zu der Orkfrau, diese zog sogleich das flammende Schwert.
Kurz vor ihr blieb er stehen.
„Nun, euer Dienst an den Orks ist trotz eurer Dreistigkeit nicht abzustreiten. Ich denke, die Stammesführerin wird sich freuen über euren Erfolg zu hören. Außerdem unterstelle ich euch noch zwei weitere Horden. Aber glaubt ja nicht, “ er schaute hasserfüllt zu Hazer. „Dass ich euch dieses Fehlen an Disziplin noch einmal durchgehen lasse“ Mit diesen Worten zog er einen Wurfdolch und rammte ihn in das Schild.
„Ihr könnt gehen, verdammt!“
Außerhalb des Zeltes zog Dalar den Dolch aus dem Schild und steckte ihn in den dunklen Lederriemen, der um ihren Oberarm gespannt war, und den bereits zwei weitere derartige Messer zierten.
„Wir müssen vorsichtig sein. Er ist einer der wichtigsten Männer und wenn wir weiter in Ungnade fallen, dann könnte das Folgen haben“ sagte Hazer, indem er seinen Brustharnisch abnahm und ihn über die Schulter warf.
Die Antwort kam scharf, doch mit der gewohnten Gelassenheit und Souveränität: „Nein, das ist nicht ganz richtig so. Wenn überhaupt, dann muss ich vorsichtig sein, und wenn ich in Ungnaden falle könnte das Folgen haben. Für mich. Schon vergessen? Du bist ein Bauer für ihn. Ein nichts. Du hast auch keine Chance in den nächsten Jahren in den Rat zu kommen, aber wie die Dinge jetzt stehen bin ich gerade dabei seinen Rang zu überspringen. Wenn der Status Quo erhalten bleibt, bin ich nach dem Ableben der Stammesführerin diejenige, die hier die Fäden zieht.“
Sie lächelte gefroren und fügte dann hinzu: „Aber wenn es dich tröstet: In Anbetracht deiner Fähigkeiten als Stratege erhebe ich dich in den Rang des Hordenführers.“
Ohne Antwort oder Dank abzuwarten schritt sie in Richtung Unterkünfte, um das Kommando über die neuen Horden zu übernehmen.
Der Schnee hatte wieder eingesetzt, ohne das Hazer etwas bemerkt hatte. Das Heereslager bot einen Anblick, wie er nur bei einem Lager der Orks zu sehen war: Wo der Boden normalerweise mit Schlamm und Schnee bedeckt war, so hatte man hier alles mit Lehmziegeln ausgelegt. An jeder Ecke des, mit einer ungewöhnlich robusten Holzpalisade umgebenen Quartiers war ein Turm auf noch lebenden Bäumen gebaut worden, und am Eingangstor, dem Einzigen eisenbeschlagenem Teil der Umhegung waren kleine Türme aus Lehm erbaut worden.
Zwischen den runden Zelten wuselten Orks in voller Montur herum und es herrschte reger Betrieb. Alles in allem stand es einer echten Festung um nichts nach.
Jemand rempelte ihn an Hazer sah, aus seinen Gedanken hoch geschreckt auf den hochgewachsenen, schlanken Ork, hinter dem sich drei, nicht annähernd so große Rüpel breitbeinig aufstellten. Saraz machte eine Handbewegung, und die Drei entfernten sich.
„Hazer, von den Dalarhorden. Dümpelst du noch immer im Kielwasser dieser reizenden Frau herum?“
„Hazer von der Hazerhorde“ korrigierte er, „und das wird den zweiten Punkt ja beantworten. Die Frage ist jetzt aber: hat dein Speichellecken genützt? Kommst du in die nähere Auswahl für den Häuptling? Oder werden die großen Kriegsführer vielleicht übergangen?“ Er verzichtete während dieser Stichelei auf die Höflichkeitsform und ging in Kampfposition, schob das Schwert einige Zentimeter aus der Scheide und wartete auf eine Reaktion. In jedem Fall rechnete er mit einem Angriff, doch zu seinem Erstaunen schmunzelte der Hochdekorierte nur.
Er wandte sich ab, ließ seinen, ihm bis zur Gürtellinie gehenden Umhang flattern und sagte: „Nein, ganz im Gegenteil, mein Status bei der Orkführerin ist unverändert schlecht… Ich freue mich schon auf die Regentschaft von Dalar, dann könnte ich ja auch einmal einen Vorgesetzten verführen.“ Mit diesen Worten drehte er sich und hielt das Gespräch für beendet, doch das Feuer in Hazer meldete sich zu Wort:
„Bleib stehen, Bastard! Du willst doch nicht etwa den Kriegern deinen Anblick zutrauen!“ Das Schwert über den Kopf auf Saraz gerichtet, fletschte er die Zähne.
Gelangweilt winkte dieser und die Wächter kamen zurückgestakst. „Rühr mich nicht an. Wenn du denkst, dein „Bastard“ würde mich grämen, das tut es nicht. Und jetzt muss ich eine verdammte Schlacht planen, und habe keine Zeit für dich.“ Er spukte seinem Gegenüber auf die nackte Brust.
Ungeachtet dieser dreistesten aller Gesten zwang Hazer seine aufbrausende Seele zurück, steckte das Schwert in die Scheide und beließ den kampf auf verbaler Ebene.
„Die Schlacht läuft doch schon seit Wochen! Nachschubtruppen werden überfallen, das Feindeslager ausspioniert, jede Seite versucht vor dem Zusammenprallen der Armeen noch einen Schlag unter die Gürtellinie zu landen. Und dieser eine Kampf ist nur der Höhepunkt, nur das Ergebnis der Rechnung aus Logistik, Strategie und Moral der Krieger und dem hinzufügen der Komponente Glück. Wie kann so ein
1
2
Kommentare
Kenshin Himura schrieb am 2008-08-14 19:10:19:
Gefällt mir auch gut, ich finde deinen Schreibstil sehr angenehm zum lesen, freue mich schon auf den nächsten Teil .
Bone1979 schrieb am 2008-03-21 17:03:47:
Mir gefällt es.
Lass weitere Teile folgen...
MfG
Kommentar hinzufügen