Pakt
von
Slade
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Niemand weiß genau, wann es begann, weil niemand überhaupt davon erfahren durfte.
Ich werde es nie vergessen.
Es begann am Tag der großen Finsternis, am Tag meines Todes.
Ich verlor meine einzige Liebe und mein Leben...
Pakt
Elian fühlte, wie sich Yasmins Brustkorb langsam hob und senkte, während er aufwachte. Es war noch nicht sehr hell draußen, dunkle Wolken hingen am Himmel, der Wind wehte zart durch die wenigen toten Blätter, die den nächtlichen Herbststurm überstanden hatten. Es war bitterkalt. Zärtlich streichelte sie seinen Kopf.
»Seit wann bist du wach?« flüsterte er.
»Ich weiß nicht«, antwortete sie und log dabei nicht einmal, denn sie hatte wirklich das Gefühl, noch immer zu träumen.
Elian lächelte und hob den Kopf von ihrer Brust. »Wir wär's, wenn ich uns jetzt ein Frühstück bringen lasse und wir somit die Vorzüge dieses protzig-prunkvollen Hotels genießen können?«
»Hört sich gut an.« Sie gab ihm einen langen Kuss.
Danach drehte sich Elian zur Seite und nahm den Hörer vom Telefon. Seltsamerweise hörte er kein Freizeichen.
»Scheint etwas mit der Leitung nicht in Ordnung zu sein... Bin gleich wieder da.«
Yasmin hauchte liebevoll in Elians Hand. »Ich wusste, dass die Sache einen Haken hat.«
Noch ein wenig schlaftrunken stieg er aus dem Bett und zog sich einen Bademantel an. Dann ging er zur Tür.
»Elian?« Er blieb stehen und drehte sich um. »Ich liebe dich. Ich liebe dich wirklich.«
»Ich weiß«, grinste er und verließ das Appartement.
Einige Momente später stand Elian im Aufzug und pfiff vergnügt vor sich hin. Auf einmal machte der Lift halt und ein großer, scheinbar sehr kräftiger Mann in einem dunklen Mantel stieg ein.
»Guten Morgen«, wünschte Elian freundlich, doch er bekam keine Antwort. Langsam schlossen sich die Türen wieder und Elian trat einen Schritt zurück.
Plötzlich drückte der Mann einen Knopf an der Schalttafel und hielt damit den Aufzug an.
Hey! wollte Elian rufen, aber der Mann hatte ihn bereits blitzschnell gegen die Wand gestoßen und hielt ihm eine Pistole an den Hals, noch bevor Elian überhaupt irgendwie eine Reaktion zeigen konnte.
»Wir sehen uns in der Hölle!« sagte er mit russischem Akzent. Dann zerschoss er Elian das Genick.
Elian öffnete die Augen und befand sich auf dem Boden des Fahrstuhls. Um ihn herum standen Polizisten und schauten ihn mit schwer zu deutenden Gesichtsausdrücken an, vielleicht eine Mischung aus Mitleid, Ekel und einfach Desinteresse. Er stand auf und erschrak, als er die halboffene Fahrstuhltür vor sich sah. Blut, überall Blut.
Plötzlich berührte eine Hand seine Schulter und Elian drehte sich um. Ein kleiner, nackter, alter Mann mit einer Glatze und einem langen weißen Bart stand hinter ihm und schaute ihn an.
Verwirrt trat Elian einen Schritt zurück, stolperte und fiel über einen Körper, der plötzlich auf dem Boden lag. Als er sah, worüber er gestolpert war, riss er die Augen auf. Er war es selbst. Sein eigener Körper. Er war zwar blass und hatte einige Wunden, aber mit Ausnahme des völlig zerfetzten Halses sah er ganz normal aus.
Jetzt bemerkte er auch, dass die Polizisten gar nicht ihn anblickten, sondern den toten Körper auf dem Boden.
»Willkommen, Elian Ashburn. Ich bin der Abgesandte.«
Immer noch verwirrt über die Situation wandte Elian seinen Blick von dem toten Körper ab auf den Mann, der neben ihm aufgetaucht war. Die anwesenden Polizisten schienen ihn wohl nicht zu bemerken.
»Du bist tot.« Schweigend schaute ihm der Greis direkt in die Augen.
»Warum... warum bin ich hier, wenn ich tot bin?« stammelte Elian hervor. »Warum bin ich nicht im Himmel oder in der Hölle?«
Der Abgesandte lächelte hämisch und entblößte damit seine schwarzen, faulen Zähne. Modriger Gestank drang in Elians Nase. »Wer sagt, dass dies nicht die Hölle ist?«
Plötzlich fand sich Elian in einer schwerelosen, aufrechten Position wieder. Schwarze, kalte Leere umhüllte ihn. Als er in die Richtung blickte, die er für "unten" hielt, stellte er fest, dass sein Körper verschwunden war. Er hatte auch keine Augen mehr. Statt zu sehen, nahm er wahr.
»Wo bin ich?« dachte Elian, ohne überhaupt ein Gehirn zu haben. Elians Gedanken hallten laut zurück und er bekam ein mulmiges Gefühl.
»Du bist in meinem Reich, auf der anderen Seite der Grenze.« Die Stimme schien von überallher zu kommen. Sie war tief, kalt und bedrohlich, nach jedem Wort zischte es unheimlich.
»Warum bin ich nicht im Himmel?«
»Es ist die Hölle, weil du sie verdient hast.«
Elian wurde von einem unerträglichen Gefühl übermannt. Schleichende, grausame Angst.
»Ich... ich habe sie nicht verdient... Woher soll ich überhaupt wissen, ob das nicht alles nur ein Traum ist?« Sofort merkte Elian, dass dies keine gute Frage war. Ein dröhnendes Lachen hallte durch den unendlichen Raum.
»Bist du so versessen darauf, den Tod ein zweites Mal zu erfahren?«
Elian schwieg. Der Satan wollte etwas von ihm, deswegen war er hier. Die Angst schlug in Tapferkeit um.
»Du bist auserwählt, mein Erbe ins Diesseits zu führen. Dort wirst du als eine Kreatur zurückkehren, der ihr Menschen den Namen "Vampir" gegeben habt. Von normaler Nahrung wirst du sterben, nur frisches, warmes Blut schadet deinem Körper nicht und hält dich stark. Nur bei Nacht kannst du überleben. Am Tage musst du qualvoll verbrennen, sobald du dem Sonnenlicht ausgesetzt bist. Nur das Mädchen, das du liebst, darf erfahren, was du bist.«
»Yasmin«, murmelte Elian leise.
»Du musst dich mit ihr vereinigen, bevor die Sonne das dritte Mal aufgegangen ist. Wenn das vollendet ist, schenke ich dir dein Leben zurück. Wenn nicht, herrscht Chaos auf der Erde und du wirst in die Hölle verbannt. Das Böse wird somit seinen freien Lauf haben.«
Elian wiederholte in Gedanken noch einmal die Worte des Satans. Er schüttelte den Kopf.
»Schweig!« donnerte es mit ohrenzerreißender Lautstärke, noch bevor Elian etwas sagen konnte. »Du hast keine Wahl, der Pakt war in dem Moment besiegelt, als du das Licht der Welt im Diesseits erblickt hast.«
Als Elian das nächste Mal blinzelte, befand er sich erneut in völliger Dunkelheit. Ein alter modriger Gestank, der ihn an den Abgesandten erinnerte, stieg ihm in die Nase. Doch seltsamerweise empfand er den Geruch nicht als unangenehm. Im Gegenteil: Elian genoss den abgestandenen, fauligen Duft und sog ihn tief in sich hinein. Unberührt stellte er fest, dass er sich in einem Sarg befand. Er stemmte sich kraftvoll gegen den Deckel, und die metallene Deckplatte des Sargs schob sich zur Seite.
Die Verwandlung schien er also schon hinter sich zu haben. Eigentlich hätte er erwartet, sofort quälendes Verlangen nach frischem Blut zu haben, aber danach dürstete es Elian nicht - im Moment jedenfalls.
Er untersuchte den Ort seines Erwachens näher. Die Gruft war nicht sehr groß, sechs mal sieben Meter vielleicht. Die Wände waren mit Inschriften, Reliefs und kleinen Symbolen reich verziert. Einige in den Stein gemeißelte Bilder von Göttern, Drachen und Dämonen schmückten sie zusätzlich.
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Kommentare
Slade schrieb am 2008-01-15 09:25:02:
Dies ist eine von vielen Kurzgeschichten, die ich so als 15/16-Jähriger geschrieben hab. Eigentlich fing es immer mit einer bestimmten Szene an, die ich im Kopf hatte - die Geschichte drumherum schrieb sich fast immer von selbst.^^
Geplant ist keine "Fortsetzung", aber generell könnte man alle Kurzgeschichten von mir als Teil einer größeren Geschichte sehen, mal schauen was vielleicht aus der einen oder anderen noch wird... :-)
Und danke für die Kommentare! Weitere Geschichten werden folgen und ich würde mich freuen, wenn ihr die auch lesen würdet.
LG
Jeiy schrieb am 2008-01-09 13:41:08:
Das ist wirklich nicht schlecht. Gut geschrieben und auch spannend gehalten, auch, wenn du die Sicht meiner Meinung anch ein bisschen zu oft wechselst - aber das ist Geschmackssache!
Wirklich interessant und auch schön fehlerfrei ^^
Mich würde jetzt nur noch interessieren, ob die Geschichte so endet, oder ob du noch weiterschreiben willst? Könnte man auf jeden Fall noch gut was draus machen. Ich für meinen Teil hoffe mal, du schreibst weiter, ich würds lesen!
Mfg
Jeiy
shOgi90 schrieb am 2008-01-08 20:38:54:
Einfach nur geil
Respekt
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