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Kategorien > Satire > Sozialkritisches

Paradies Psychiatrie

von Evelyn

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Ich sitze hier am Fenster
ich gelte als verrückt
werde behandelt wie ein Gängster
aber das is ja mein Glück

Muss nicht arbeiten,mich nicht quälen,
darf faulenzen Tag um Tag
dafür muss ich zwar etliche Tabletten zählen
aber Beruhigunsmittel sind ja Medis die jeder mag

Geht es mir mal nicht so gut
werde ich zwar sofort festgebunden
die Ärzte stecken alle unter einem Hut
aber wer wird im Leben schon nicht geschunden?

Geht es mir dann noch schlechter
ist die Schwester so nett
und zieht die Fixierbänder noch fester
durchs Liegen werd ich außerdem noch fett


Gibt es mal eine Meinungsverschiedenheit?
Kein Problem,die Männer in rot
sind schnell zur Stell
und spritzen mich halb tot
das ist doch schön,gell?

Ich habe zwar nichts zu sagen
aber was macht das schon?
Muss dafür keine Verantwortung tragen
Hauptsache die Schwestern erhalten ihren Lohn

Tavor,Valium,Seroquel
lähmen meine Glieder
schlägt die Therapie auch fehl
ich genieße es, so schlecht fühle ich mich bestimmt nie wieder

Im Zimmer herrschen 30°,40° C Hitze
da sich die Fenster kaum öffnen lassen
für die Schwestern ist es wenigstens eine Freude zu sehen,wie ich schwitze
da sie eh alle Patienten hassen

Ist es nicht schön die Belegschaft so zu beglücken?
Brauche nicht mal Angst zu haben
dass sie mich zu früh nach Hause schicken
da sie sich viel zu gerne an meinem Elend laben

Ach das schönste darf ich nicht vergessen
mein Blut ist hier sehr beliebt
ich bin ganz drauf versessen
dass mir jemand täglich eine Nadel in die Venen schiebt

Und muss ich mal dringend auf`s Klo
kommt der Pfleger mit dem Katheder
mich so zu sehen macht ihn froh
in der Psychiatrie darf das jeder

Leider macht gerade er es nicht richtig
eine wundervolle Blasenentzündung hat`s zur Folge
aber zum Glück sind meine Schmerzen ja nicht so wichtig
nicht jeder schwebt halt auf einer rosa Wolke

Darf ich mich schließlich endlich wieder frei bewegen
begebe ich mich schleunigst Richtung Ausgang
doch die lieben Ärzte haben was dagegen
schleifen mich zurück,und binden mich wieder an

So ihr fleißigen, armen Leute
jetzt wisst ihr warum "wir Faulen" uns so gern in die Psychiatrie begeben
lieber gestern als heute
denn so haben wir ein schöneres Leben

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Kommentare

evelyn schrieb am 2008-10-24 19:02:26:
Danke euch beiden,hab in der Satire wirklich auch eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet,da war fast nichts übertrieben
michael.reissig@Gmx. net schrieb am 2008-10-21 22:56:59:
Liebe Evelyn,

ein sehr schönes Gesicht - zwar ironisch - wie Satire auch sein sollte - aber auf keinen Fall realitätsfremd. Dass in völlig überfüllten Krankenzimmern Ärzte und Schwestern, Patienten hassen, ist doch kein Wunder. Auch die können nicht dafür, dass unsere oberschlauen Politiker vollendeten Tatsachen schaffen, wenn es gilt den Ehrlichen in unserer Gesellschaft das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dass viele deshalb in den dunkelsten Tiefen des Abgrundes landen, ist völlig zu verstehen. Diese dürfen dann in vollen Zimmern - oft ausgelaugt - vor sich hindösen und faulenzen und die "Soziale Marktwirtschaft", die sie erst so richtig kaputt gemacht hat, entmündigt genießen. Ausgezeichneter Schreibstil Mach weiter so!

Es grüßt, Michael Reißig, Oederan/Sachsen
TJ Omar schrieb am 2008-08-26 15:30:51:
Nett schlecht, Herr Specht. das Gedicht ist dir sehr gut gelungen. Meine Anerkennung und ein großes Lob. Mach weiter so. Du bist gut. Respekt.

MfG TJ Omar

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