Place du Tertre
von
France17782
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Place du Tertre
Die Musik hallte immer noch in ihren Ohren, als Florence Trousseau die Straße betrat. Es war eine laue Sommernacht in Paris und Florence verbrachte wie jeden Freitag ihren Abend im “Le Queen”, einer äußerst bekannten Diskothek auf den Champs-Elysées. Langsam verstummte das Dröhnen der Musik und sie vernahm nur noch das Brummen der vorbeirauschenden Autos. Wie immer waren viele Menschen unterwegs, darunter auch hunderte von Touristen, die an ihr vorbeieilten, ohne sie zu registrieren. Sie fotografierten alles, was ihnen vor die Linse kam, um dann schnellen Schrittes weiter Richtung Arc de Triomphe zu marschieren. Florence betrachtete stumm das bunte und hektische Treiben, atmete tief ein und ging dann selbst ein paar Schritte. Sie war noch immer fasziniert von dieser Stadt, obwohl es schon zwei Jahre her war, dass sie ihre Heimatstadt verlassen hatte und es sie nach Paris zog. Geboren und aufgewachsen war sie in Beziers, einer mittelgroßen Stadt im Süden Frankreichs. Sie wollte schon immer nach Paris und damals, als sie gerade 18 Jahre geworden war und ihre Eltern bei einem Autounfall starben, hielt sie nichts mehr in Beziers. Florence hielt inne und setzte sich auf eine der vielen Bänke. Sie schaute herüber zum Grand Palais, einer Ausstellungshalle, deren Renovierungsarbeiten vor kurzem abgeschlossen worden waren und die nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich war. Wenn sie sich nicht täuschte, wurde dieses Gebäude zur Weltausstellung im Jahr 1900 gebaut und noch heute als Ausstellungshalle genutzt.
Ihre Gedanken schweiften wieder zu dem Unfall von damals. Seitdem war sie ganz allein. Sie hatte keine Geschwister und ihre Großeltern waren gestorben, als sie noch ein Baby war. Florence strich sich eine Strähne ihres braunen gelockten Haares, das sie sorgfältig zu einem Zopf gebunden hatte, aus dem Gesicht. Tränen liefen über ihre Wangen. Als damals der Unfall passierte, war sie gerade bei einer Freundin zu Besuch. Sie erinnerte sich noch genau daran, als ihr Handy klingelte und die Polizei ihr die schlimme Botschaft mitteilte. Sie erfuhr, dass ein LKW auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit dem Wagen ihrer Eltern kollidiert war. So schnell sie konnte, packte sie ihre Sachen und fuhr ins Krankenhaus. Doch als sie ankam, war es bereits zu spät. Ihre Eltern verstarben noch im Krankenwagen. Sie hatte noch nicht einmal die Möglichkeit, sich von ihnen zu verabschieden.
Immer noch den Blick zum Grand Palais gerichtet, in dessen Glasdach sich das Licht des Vollmondes spiegelte, erhob sich Florence wieder. Sie musste zurück zum “Le Queen”, sie musste sich ablenken von den Gedanken an ihre verstorbenen Eltern. Zögernd setzte sie sich in Bewegung. Die Menschenmassen überholten sie von hinten. In Gedanken versunken näherte sie sich langsam der Diskothek. Dort angekommen musterte sie der Türsteher ein wenig misstrauisch, aber als sie ihm dem Stempel auf dem linken Handgelenk zeigte, gewährte er ihr Einlass. Die Musik war laut. Hunderte von Menschen tummelten sich auf der Tanzfläche. Florence suchte sich einen Weg zur Bar. Plötzlich packte sie jemand von hinten an der Schulter. Florence drehte sich um und blickte in funkelnd grüne Augen. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf, als sie erkannte, wer da vor ihr stand. Es war Cécile. Cécile war groß, schlank und hatte schwarzes kurzes Haar. “Sie ist ja so hübsch”, schoss es Florence durch den Kopf. Im nächsten Moment machte sie sich aber klar, dass Cécile ihre Ex-Freundin war und dass sie es selbst war, die die Beziehung beendet hatte. Cécile war immer noch verrückt nach ihr, aber Florence war einfach zu sehr verletzt. Sie hatte Cécile gleich damals kennen gelernt, als sie nach Paris kam. Und es war Liebe auf den ersten Blick, für Florence zumindest. Aber Cécile hatte das ganze ein wenig anders gesehen und hatte sich auch weiterhin mit anderen Frauen getroffen. Sie hatte eine andere Auffassung von Beziehung und so hatte Florence die Sache recht zügig beendet. Florence fiel auf, dass Cécile sie immer noch anschaute. Sie lachte und wollte etwas sagen, als Florence sich umdrehte und zügig davoneilte. Sie hatte keine Lust, mit ihr zu sprechen, und so versuchte sie krampfhaft, ihre beste Freundin Cathérine zu finden. Sie wusste, dass Cathérine jeden Freitag um diese Uhrzeit hier anzutreffen war und so zwängte sie sich durch das Gewühl, um die Treppen, die zum Bistro nach oben führten, zu erreichen. Von dort oben würde sie den Überblick über alles haben und könnte so möglicherweise auch Cathérine finden. Am Fuß der Treppe angelangt drehte sie sich noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass Cécile ihr auch nicht folgte. Doch diese machte anscheinend keine Anstalten. Florence war erleichtert. Vermutlich klebte sie schon wieder an der nächsten Frau.
Am Bistro angekommen schaute sie suchend zur Tanzfläche nach unten, doch sie konnte ihre beste Freundin nirgends ausmachen. Ein wenig genervt griff sie in ihre Tasche, um nach ihren Zigaretten zu suchen. Ja, sie rauchte, und das schon seit geraumer Zeit. Eine schlechte Angewohnheit, aber sie schaffte es nicht, es sich abzugewöhnen. Als sie die Schachtel endlich gefunden hatte, zündete sie sich eine Zigarette an und beobachtete rauchend weiterhin das Getümmel auf der Tanzfläche. Die Menschen dort unten schiene ihren Spaß zu haben, sie lachten und amüsierten sich. Es machte den Anschein, als ob keiner von ihnen auch nur im Geringsten irgendwelche Sorgen hätte. Florence dagegen war nie zum Tanzen hergekommen. Sie erhoffte sich neue Bekanntschaften, vielleicht hoffte sie sogar, hier die große Liebe zu finden. Aber bisher hatte sie hier nur Cécile kennen gelernt, und diese Bekanntschaft hätte sie sich wirklich sparen können. Es schien, als hätte sie heute auch wieder kein Glück. Viele der Frauen waren bereits mit anderen Frauen im Gespräch. Nur Vereinzelte schienen alleine zu sein. Aber sie waren nicht ihr Typ und sie war ohnehin viel zu schüchtern, um einfach so auf jemand unbekanntes zuzugehen. Also gab sie es auf, weiter nach unten in die Menge zu starren. Cathérine würde sie in dieser Menschenmasse wahrscheinlich eh nie finden und so beschloss Florence, die Diskothek zu verlassen und sich auf den Heimweg zu machen. Sie machte ihre Zigarette aus und drängte sich durch das Gewühl. Ab und zu wurde sie angerempelt, aber das störte sie wenig. Das war hier nicht zu vermeiden.
Endlich am Ausgang angekommen drehte sie sich ein letztes Mal um und verließ das Gebäude. Vielleicht hätte sie nächstes Mal mehr Glück. Draußen auf der Straße wehte ein kühler Wind. Es roch nach Regen. Langsam setzte sie sich in Bewegung und lief Richtung Place de la Concorde. Sie hatte noch einen langen Weg bis zu ihrem Appartement im 18. Arrondissement vor sich. Sie hatte damals eine recht günstige Bleibe im Viertel Montmartre gefunden, aber wohl hatte sie sich dort nie richtig gefühlt. Dort war es abends gefährlich für eine Frau, aber bis jetzt konnte sie sich einfach nicht
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Kommentare
jill schrieb am 2007-09-11 11:14:16:
die geschichte ist seher gut finde ich aber ein bissechen zu lang aber sehr spanndend
breezerbebe@hotmail.de schrieb am 2007-08-14 14:28:23:
ich finde die geschichte richtig gut ! respekt....
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