Positive Oberflächlichkeit
von
Paula
Oder: Die Kunst Abzuschätzen
Man hätte das Kapitel auch „Fairness hat viele Gesichter“ nennen können, denn das Problem ist doch Folgendens:
Man bekommt in der jugendlichen Gehirnwäsche immer und immer wieder eingetrichtert: Das Äußere ist prinzipiell nebensächlich! Es kommt auf die innern Werte an, nur daran orientiert man sich. Und wenn man sich wirklich liebt ist es einem sowieso egal welcher Teil der Figur des einen oder anderen nicht dem Non plus Ultra entspricht- bla bla bla.
Diese angeblich so tugendhafte Auffassung scheitert leider schon am ersten Satz, denn dass das Äußere prinzipiell nebensächlich ist, rührt bereits an tiefste philosophische Begebenheiten, denen er nicht gerecht werden kann. Prinzipien sind nämlich philosophisch gesehen die Grundsätze, die immer gelten und auf denen alles weitere aufbaut.
Ein erstes Problem stellt sich schon wenn man mit dem ersten Freund oder der ersten Freundin nach Hause kommt und hat mit der Wahl nicht hundertprozentig den Geschmack der lieben Eltern getroffen, dann wird der so tapfer verteidigte philosophische Stanpunkt doch recht schnell wieder – na ich will mal sagen kurzfristig vergessen.
Den großen Philosophen würde so was nicht passieren!
Echten Christen übrigens ja angeblich auch nicht.
Das eigentlich Problem stellt sich aber wenn man sich selbst mit dem Dilemma konfrontiert sieht. Man hat jemanden kennen gelernt, merkt wie gut man sich versteht und ist überzeugt davon mit dieser Person eine recht geniale Beziehung führen zu können. Einziger Haken: Wenn man sich vorstellt diese (fast) perfekte Entdeckung zu küssen oder ähnliches, wird einem unwillkürlich schlecht. Wie soll man das bitteschön jemandem erklären? Das verstehen im Normalfall nicht mal immer dritte Personen, die meistens die besten Freunde sind.
Allenfalls bekommt man vom langjährig besten Freund, den man als Vertreter der Männerwelt um Rat bittet den Ratschlag bloß nichts von „gutem Freund“ oder schlimmer noch vom „großen Bruder“ zu erzählen, da ein Mann auch als Mann ernstgenommen werden will. Toll! Das ist ja einzusehen, aber das macht die Sache nicht unbedingt leichter, immerhin wären das beziehungstechnisch noch zwei ernsthafte Motive gewesen, die sich leider nur schwer umschreiben lassen.
Versucht man sein Problem der Oberflächlichkeit einem vertrauten und vor allem vertrauenswürdigen Mitchristen zu beichten, von dem man denkt, dass er da eher eine (die) Antwort parat hat als man selbst, sieht die Absolution meist so aus: „Wir sind ja alle nur Menschen und daher auch nicht perfekt“. Ist ja auch eine recht stressige Vorstellung, wenn man bedenkt, was man vor diesem Hintergrund schon alles „verbrochen“ hat. Ja, ja, der gute, gnädige Gott, der barmherzig unsere Sünden verzeiht, den gibt’s ja auch noch. Natürlich, das habe ich auch noch nie bezweifelt (glaub ich mal), aber dennoch ist es doch keine Lösung alles auf den abzuwälzen, der uns verzeiht und damit so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre.
Nein, nein, wir müssen uns wenigstens immer wieder anstrengen eine angemessene Lösung zu finden!
Aber zurück zur eigentlichen Frage:
Ist das Aussehen nun komplett nebensächlich oder nicht?
Die einen sagen ja, die anderen sagen nein.
Ich sage jein! Jein, weil es einfach nicht immer so ist.
Wenn man jemandem begegnet ist das erste was man tut ihn anzusehen. Und ob man will oder nicht, da beginnt man sich schon den berühmten ersten Eindruck zu bilden; und spätestens wenn das Gegenüber die ersten Sätze loslässt hat man ihn! Hier lässt sich ein Denker zitieren, den ich sehr schätze: Der erste Eindruck, den du von jemandem hast ist der richtige und bleibt, wetten? (Janosch). Da ist schon was dran.
Dennoch, wenn ich mit jemandem eine Bekanntschaft schließe, kann ich natürlich ohne weiteres Sympathien aufbauen ohne denjenigen auch nur in irgendeiner weise sonderlich hübsch oder anziehend zu finden.
Mit Freundschaften ist das ähnlich. Natürlich treffe ich mich nicht jede Woche oder jeden Monat mit jemandem den ich irgendwie abstoßend finde. Der treue Christ würde jetzt wieder sagen, dass so ein Gefühl gar nicht erst aufkommen dürfte. Ok, aber auch ich zähle mich zu dem zumindest recht treuen Christenvolk und ich muss sagen, dass jetzt ich mit der Variante „Wir sind eben nicht perfekt“ kommen muss. Natürlich gebe ich mir auch Mühe, aber es funktioniert eben nicht immer.
Ich meine was will man machen, wenn jemand an der Haltestelle neben einem steht, seine Hand in den Shorts vergraben hat und sein scheinbar nicht sonderlich bewundernswertes Gehänge sortiert oder einer an am Bahnhof steht und während man vorbeigeht meint an die Wand pinkeln zu müssen? Dann ist es wohl das letzte was man tun würde zu versuchen mit demjenigen ein Gespräch anzufangen, nur weil man denken müsste, dass er ja trotzdem nett sein könnte. Kann er ja sein, aber das macht ihn ja dann nicht (mehr) sympathischer für mich. Und ich kann es nun mal nicht leugnen, diese Menschen sehen eben einfach auch meistens entsprechend aus. Deshalb empfinde ich es nicht automatisch als Verbrechen wenn man diesen ersten visuellen Eindruck nicht völlig außer Betracht lässt.
Denn wie gesagt er bleibt...
Und ganz besonders finde ich gilt das bei festen Beziehungen! Ich meine es gibt wohl nicht viele Menschen, die sagen, dass sie ihren Partner zwar hässlich und absolut unattraktiv finden, ihn aber trotzdem lieben und hin und weg von ihm sind. Diese seltenen Exemplare- ich gehe davon aus, dass es sie gibt, denn ich habe selbst schon von einem gehört- sind vielleicht zu bewundern, aber das Nachvollziehen wird da doch schon schwierig für Normalsterbliche.
Fakt ist zwar, dass das Äußere meist zweirangig ist, oder es zumindest wird wenn man sich in einen Menschen mit Haut und Haaren verliebt hat, da man dann ja bekanntlich von seiner Art überwältigt ist und nicht mehr genug bekommen kann und er quasi in den eigenen Augen immer hübscher wird, was nicht unbedingt nur der rosa-roten Brille zu verdanken ist, aber dennoch muss doch auch das Äußere stimmen, oder? Ich kann mich doch nicht jemandem gnadenlos hingeben, und sei es nur wenn man mal eine Auszeit braucht und sich stundenlang in den Armen liegt und die Zweisamkeit genießt wenn er mir nicht irgendwie gefällt. Genießt- genau das ist der Punkt: Kann ich denn solche Stunden der Nähe mit jemandem, dessen Aussehen ich absolut furchtbar finde überhaupt (wirklich) genießen?
Wahrscheinlich nicht!
Gut, man könnte einwenden, wenn man jemanden so furchtbar findet, dann liegt es sicher nicht nur am Aussehen, sondern zweifellos auch an seiner Art. Sicher bedingen sich die beiden Komponenten, aber ich bin mir eben nicht sicher ob es nicht auch Fälle gibt, wo man sich sicher ist, dass der andere einen wirklich guten Charakter eine interessante Persönlichkeit und eine schlicht geniale Art hat und man sich trotzdem nicht vorstellen kann ihn zu küssen oder was auch immer.
Womit wir wieder beim Thema wären! Abgesehen von der großen Frage was ich selber will bzw. machen soll wenn der Gedanke an eine Beziehung nicht ganz zu ignorieren ist- vor allem wenn auch er plötzlich immer weiter in diese Richtung tendiert, natürlich immer in seiner charmanten Art-, stellt sich die vielleicht weitaus schwierigere Frage ob es in diesem Fall nicht korrekter wäre die ganze Sache sein zu lassen um ihn nicht zu verarschen oder auszunutzen, was meiner Meinung nach letztlich auf das Gleiche herauskommt.
Immerhin ist es doch nicht besser mit jemandem zusammen zu sein, seine Zuwendung zu genießen und vielleicht dauernd an jemand anders denken zu müssen, der einem schon immer gefallen hat... das wäre der pure Egoismus.
Das kann doch nicht sein!
Allerdings ist auch die Sache danach nicht zu verachten, denn wenn so eine Beziehung in die Brüche geht, melden sich meist gleich zwei Gedanken, die einen nicht mehr loslassen:
1. Der Zweifel und so das Schlechte Gewissen: Was wenn ich es nie wirklich ernstgemeint habe?
2. Die „Bereuungskiste“: Eigentlich sah er ziemlich grausig aus... Das passiert mir hoffentlich (so schnell) auch nicht wieder.
Endgültig beseitigt wäre das Problem wohl nur, wenn jeder gleich aussehen würde, dann müsste man sich nicht entscheiden... Aber wäre unsere Welt und unser Leben dann nicht viel langweiliger? Sicherlich.
Auf jeden Fall sollte man, wenn man jemandem sagt, das man ihn liebt nicht mehr und nicht weniger meinen, als dass man mit Haut und Haaren in ihn verliebt ist (und es am liebsten für immer bleiben würde), und dazu gehört eben nicht nur, dass man von seinen inneren Werten hin und weg ist und das Äußere nur akzeptiert, sondern eben alles zu gleichen Maßen bewundern! Das ist das Recht eines jeden der (angeblich) geliebt wird. Und das ist es doch auch, was jeder in einer Beziehung sucht, oder?
Das Äußere außen vor zu lassen ist also ein äußerst schwieriges Unterfangen wie mir scheint, sodass man, wenn man das ausgiebige Beäugen des Gegenüber als oberflächlich betiteln will, wohl ruhig auch ein bisschen oberflächlich sein darf, wenn nicht sogar sein muss.
Allein der Fairness willen. Sich in solchen Fällen um Ehrlichkeit zu bemühen ist zum Beispiel eine ihrer Gesichter.
Paula
Kommentare
-.- schrieb am 2007-09-15 11:37:28:
ganz ehrlich... find ich schrecklich.. klar stimmen deine argumente aber wie du die ganze zeit von christen sprichst und blabla außerdem deine grammatik und..
tut mir leid. hat mir nicht gefallen
cofire@web.de schrieb:
also ich finde deine gedankengänge recht bemerkenswert. zuerst wollte ich nur zwei drei sätze lesen, doch ich bin nich wirklich mehr davon losgekommen. erst gegen ende wurde es anstrengend deinen gedanken zu vollgen.
der theorie die du aufgestellt hast kann ich mich anschließen. welche frage mich aber noch interessieren würde, ist die "matcho"frage. für sie ist das äußere seeeeehr wichtig. viele sagen es ist viel wichtiger als der charakter. aber kann ich wirklich glücklich mit jemandem werden der nen geilen arsch hat, aber keine zwei kompleten sätze zustande bringt und mit zwei linken händen gesegnet ist? würde mich interessieren wie du darüber denkst.
viele grüße fire
Loxley schrieb:
Gut!
kann ich mich mit identifizieren, könnte von mir sein(net vom Text her) so denk ich auch meistens!
gdfg@ schrieb:
Was ist passiert??? Ich hab' nicht mehr zu sagen!!!! Neunundneunzig Luftballon!! Kennst du die?
gdfg@ schrieb:
UpsSiI!!
dani019@gmx.at schrieb:
Dein essay ist ja ganz schön...
Ich kann dazu nur sagen, dass wahre Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Dieser Satz ist natürlich nicht von mir, allerdings spiegelt er meine Gedanken sehr genau wider...
Was ich noch anmerken wollte:
Jeder, der jemanden auf Anhieb sympathisch oder unsymphatisch findet, ist nicht "irgendwie" aus Jux auf diesen netten oder schlechten Gedanken gekommen, der ihm dann durch den Kopf schießt.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wenn man das erste Mal einen Menschen sieht, egal wen, dessen Gesicht (oder Stimme, oder Art...was auch immer) durch einen imaginären Scanner im Gehirn den Menschen läuft. Das macht jeder Mensch sozusagen automatisch. Das Gesicht wird dann mit Menschen, Ereignissen in Zusammenhang mit diesem Mensch usw. verglichen. Ist die aufkommende Erinnerung (mit der dieser Mensch unbewusst verglichen wird) schlecht, so ist einem dieser Mensch unsymphatisch...das Gehirn merkt sich schließlich alles. Und schlechte Ereignisse meist besser als gute.
Ja, so ist das....
Deshalb spricht man auch bei Menschenkenntnis nicht wirklich davon, neue Menschen gut einschätzen zu können. Man vergleicht diesen Menschen unbewusst mit jemandem, den man bereits kennt oder einmal gekannt hat und die Erlebnisse mit diesem Menschen entscheiden darüber, ob uns der Mensch nun sympathisch ist oder eben nicht.
Das wollt ich nur dazu sagen....*gg*
glg
dani
fgbfggh@freenet.de schrieb:
Deine Kurzgeschichte ist völliger quatsch!!!
Ilka.Hermann.hb@web.de schrieb:
WAS SIND DENN ESSAY ???
MEIEN GESCHICHTE ÜBER MICH ???
DANN BIST DU NICHT SO GUTDRAUF; ODER?!
HIER NUMMER VON MEINEN PYSCO
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