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Kategorien > Kurzgeschichte > Mord

Pralinen zum Abschied

von Selancia

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Eine Träne lief über meine Wange und tropfte auf den Küchentisch. „Ich…ich weiß nicht, was passiert ist.“ Theatralisch verbarg ich mein Gesicht in den Händen. Der Schauspielunterricht machte sich bezahlt, er schien Mitleid mit mir zu haben. „Miss Kristen, beruhigen sie sich.“, sagte der junge Polizist zu mir. „Atmen sie tief durch und erzählen sie, was vorgefallen ist.“ Mit einem flüchtigen Blick zu James, dessen Hand noch immer das Pralinenpapier festhielt und nun leblos von Rettungshelfern umringt auf dem Boden lag, fuhr ich fort: „Es war so schrecklich. Ich war gerade dabei, das Essen zu machen, als James…“, ich stockte der Dramatik halber, „…als James mit einem Kästchen Pralinen zur Tür herein kam. Er habe sie im Büro geschenkt bekommen, sagte er. James ist…war wirklich eine Naschkatze. Ich sagte noch zu ihm, dass es gleich Essen geben würde und er sich den Appetit nicht verderben solle. Er hat nicht auf mich gehört. Ich hätte ihn davon abhalten müssen…“ Ich fuhr mit einer Hand durch meine Haare und fühlte dabei die Beule an meinem Kopf. Sie war immer noch schmerzhaft. „Ich hatte eine Portion aufgefüllt und drehte mich zu James um. Er war von seinem Stuhl gerutscht und lag mit offenen Augen auf dem Boden. Ich ließ den Teller vor Schreck fallen. Natürlich habe ich sofort den Notarzt gerufen… Es waren sicher Mandeln in der Praline… Er wäre schon einmal fast wegen einer Mandel im Essen gestorben. Es war auf unserer Hochzeitsfeier. Im Krankenhaus wurde dann seine Allergie gegen Mandeln festgestellt“, sagte ich mit einem gespielten Seufzer in Richtung James. Gerade wurde der Zeitpunkt des Todes festgestellt. Selbstverständlich waren Mandeln in der Praline. Ich hatte sie persönlich zubereiten lassen und dafür gesorgt, dass das Kästchen morgens auf seinem Schreibtisch stand. In Gedanken verloren schaute ich auf den Tisch, wo noch immer die restlichen Pralinen standen. „ Es war ein schrecklicher Unfall, Miss Kristen. Wir werden ihren Mann nun mitnehmen. Machen sie sich keine Vorwürfe.“, sagte der freundliche Polizist. Ich schenkte ihm ein müdes Lächeln und schloss die Tür, als sie gegangen waren. Genüsslich steckte ich mir eine Praline in den Mund und betrachtete unser Hochzeitsbild. „Ich habe dir gesagt, dass es ein Fehler war, mich zu Misshandeln. Ich habe dich oft genug gewarnt.“

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Kommentare

Lia schrieb am 2009-02-19 11:25:51:
o.O
Brutal. Aber das mit dem Titel und der Geschichte. Also ich fands echt gelungen. Richtig gut ^^

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