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Kategorien > Fabeln & Märchen > Horror

Püttrefärchen

von Elfen Pein

Es war einmal ein armes Ehepaar, die waren Bauern und ihr einziger Schatz
war ihre Tochter, Püttrefärchen. Püttrefärchen hieß sie deswegen, weil sie
besonderes Interesse an Tierkadavern zeigte und stets in allem toten Gedärm
herumstocherte. War man in ihrer Nähe, so roch man immer die Süße, die von
ihren Händen ausging. Oh, sie war fasziniert von allem Morbiden! Auch
erschreckte sie ihre Eltern bisweilen mit seltsamsten Seelenzuständen und
schon oft hatten die den Pfarrer gerufen, da sie dachten, ihre Tochter wäre
vom Teufel besessen.

Es war zu der Zeit, als sie noch nicht einmal mehr das Nötigste zum Leben
hatten. Die Ernte war schlecht ausgefallen und der Bauer hatte schon vor
einiger Zeit die einzige Kuh, die sie gehabt hatten, schlachten müssen. Da
geschah es, dass der neue König sich auf Brautsuche begab und eines Tages
auch an ihrem Gehöft vorbeikam. Püttrefärchen kam gerade hopsend und singend
von ihrem Erkundungsgang im Wald zurück. Sie hatte ein totes Kaninchen, zwei
Mäuse und einige Würmer gefunden. Ein wenig glibbriges faulendes Fleisch
klebte noch an ihren Fingerspitzen und Fliegen umsummten sie. Aber ein
strahlendes Lächeln lag auf ihrem Gesicht und ihr Gesang klang auch
allerliebst.

Vielleicht hatte der König schon davor den Gedanken gehabt, sich ein
einfaches Mädchen als Königin zu nehmen. Ein unverdorbenes Wesen, das noch
an die Liebe glaubte und Wörter wie Intrige noch nicht einmal buchstabieren
konnte. Jedenfalls war er von der Erscheinung Püttrefärchens so dermaßen
beeindruckt, dass er sich einen Moment lang an die Kutsche lehnen musste, um
nicht zusammen zu brechen. Vielleicht lag es auch an dem beißend süßen
Geruch, der von Püttrefärchen ausging. Aber der König wusste noch nicht um
Püttrefärchens Leidenschaft und so konnte er auch diesen Geruch nicht
zuordnen. Für ihn roch das Mädchen nach einer wilden, - sehr wilden -,
Orchidee.

Alsdann hielt er um ihre Hand an. Die Eltern waren überglücklich, sollte
doch ihre Tochter sie aus der Misere retten und Königin werden! Bevor
Püttrefärchen aber zum Schloss - und es sollte auch sogleich bei Ankunft
Hochzeit gefeiert werden - aufbrach, nahm sie ihre Mutter beiseite.
"Püttrefärchen, hör mir gut zu. Glücklich sollst du dich schätzen, da du nun
so einen Gemahl bekommen hast. Aber lass nun deine Finger von den toten
Tieren! Das schickt sich ja nicht für eine Königin! Und wasch dir die Hände,
bevor du wieder hinausgehst!" Und Püttrefärchen wusch sich die Hände.

Die Hochzeit ward in allem Prunk gefeiert und auch in der Zeit danach hielt
sich Püttrefärchen ganz brav und fasste kein totes Tier mehr an. Die
Besichtigung des riesigen Schlosses, das Anprobieren der Kronjuwelen und das
Herabblicken auf die untertänigen Bittsteller nahm ihre ganze Zeit ein. Doch
bald wurde ihr das zuwider und zu langweilig und sie begann Streifzüge in
die umliegenden Parks und Wälder zu unternehmen. Und sie wurde fündig. Stets
kam sie mit schmutzigen Händen und einem allerliebsten Lächeln auf dem
Gesicht wieder heim. Es war mit Abstand die glücklichste Zeit ihres Lebens.

Doch mit der Zeit ward sie auch dieser Freuden überdrüssig. Die
aufgefundenen Tiere waren ihr nun alle zu klein, ja sie konnte ja nicht
einmal die ganzen Hände hineinstecken! Sie wünschte sich einen Kadaver, so
groß, dass sie hineintauchen könnte, ja, dass sie ihre Hände bis zum
Ellenbogen hineinstecken und darin herumwühlen konnte.

Als sie eines Abends von einem Ausflug zurückkam, da war gerade die Tür des
königlichen Reitstalls offen. Der König hatte ihr zwar davon erzählt, und
sie auch zum Ausritt eingeladen (was sie aber dankend abgelehnt hatte), doch
hätte sie nie geglaubt, dass der Stall so groß, die Pferde so viel an der
Zahl und so prächtig und riesig wären. Und in dem Augenblick keimte in ihr
der Wunsch nach einem Pferdekadaver.

Sehnsüchtig wartete Püttrefärchen, die Königin, nun Tag für Tag darauf, dass
der Stallbursche hereingestürzt kam und von dem plötzlichen Tod eines
Pferdes berichtete. Aber sie waren alle bester Gesundheit und die drei
besten Tierärzte des Landes kümmerten sich um sie. Täglich strich sie auch
um den Pferdestall, manchmal ging sie auch hinein, sie wollte sehen, ob
nicht eines der Pferde einen kränklichen Eindruck machte.

Schließlich war ihr das Warten zu lange geworden, und sie bat den König,
einen Ausritt machen zu dürfen. Am nächsten Morgen bekam sie das prächtigste
Pferd und nach einigen Übungsrunden ritt sie gemächlich Richtung Wald
davon...

... doch das arme Pferd! Oh, nun hatte Püttrefärchen den großen Kadaver, in
den sie sich bis zum Ellbogen hineinwühlen konnte, ja sogar noch viel
tiefer. Die Gedärme waren so fett und so lang, ja, man hätte sie ohne
Zweifel um den Palast als Zaun spannen können. Kein Wunder, war es doch das
prächtigste Pferd des Königs gewesen...

Püttrefärchen war so in ihr Spiel vertieft, dass sie gar nicht merkte, wie
die Sonne unterging und es finster wurde im Wald. Der König hatte schon
seine Mannen ausgesendet zur Suche, denn er hatte Angst, sie sei mit dem
Pferd gestürzt. Und als der Mond schon bleich und voll über dem Walde
aufging und auch das Gefolge des Königs Püttrefärchens Aufenthaltsort
näherkam, da befand sie, dass nun keine festen Teile (außer dem Skelett und
der Häute natürlich) übrig wären, die sie noch betasten, zerdrücken und
zerreißen konnte. Sie stand auf, wischte sich die Arme und Hände an ihrem
feinen Seidenkleid sauber und dann kamen auch schon die Suchenden.

Daheim angekommen nahm sie der König überglücklich in die Arme. Sie erfand
eine wüste Geschichte, rund um eine Räuberbande, die sie überfallen hätte
und auch ihr Pferd verschleppt hätten. Der König glaubte ihr und
Püttrefärchen zehrte noch lange von diesem wundervollen Erlebnis. Oft saß
sie im Schloßgarten und träumte von dem Moment, als sie dem sterbenden Tier
das Herz herausriss, dieses noch kurz weiterpochte und still stand, als sie
es zerdrückte... Wie das letzte Blut daraus zwischen ihren Fingern zu Boden
tropfte... und wie warm es war!

Später, als Püttrefärchen sich wieder für Hasen, Hühner und dergleichen zu
interessieren begann, da geschah ein großes Unglück. Der König starb. Ein
Herzstillstand, so sagte man, doch keiner wusste es genau. Drei Nächte wurde
er noch in seinem Schlafgemach aufgebahrt. Am Tag kamen die Getreuen,
knieten sich vor seinem Bett nieder und weinten um ihn. Des Nachts wachte
seine Gemahlin, Püttrefärchen, über ihn. Sie wachte, ja... und am dritten
Morgen, da fanden die Kammerzofen sie total übergeschnappt am Boden
herumzappelnd und kreischend, den Mund voller rötlicher Substanzen und
Fleisch- und Hautstückchen klebten überall an ihr. Das Bett glich einem
Schlachtfeld und die Kammerzofen nahmen schreiend Reißaus. Einige mutige und
wenig abergläubische Ritter nahmen sich der Sache an. Als Püttrefärchen sie
hereintreten sah, da nahm sie ihre Arme aus dem König und streckte sie
flehend in die Höhe. Die Tröpfchen sprühten bis zu den Rittern. Aber die
waren wirklich tapfer, ja, sie erbrachen nicht, nein, sie taten ihre Pflicht
und nahmen Püttrefärchen fest und schmissen sie in den Kerker.

Einige Tage bevor sie hingerichtet werden sollte, da fand man sie am Morgen
regungslos in ihrem Verlies liegen. Den Bauch hatte sie sich mit ihren
Fingernägeln in nächtelanger und mühevoller Arbeit aufgeschlitzt und ihre
Hände, die hatte sie fest in ihr Gedärm gekrallt. Und auf ihrem Gesicht, da
lag ein wundervoll friedliches Lächeln.

© Sara Wipauer, April 2003

Kommentare

Hannah R. schrieb am 2006-10-22 15:01:53:
Hey, hey, holla! Endlich versteht sich mal jemand darauf aus einem schnöden Märchen eine spannende Gruselgeschichte zu machen! Aber trotzdem enthält es einen klassischen Märchen - Leitfaden. Echt super! ICH WILL MEHR!
Minni Schnucki schrieb am 2006-04-15 15:09:25:
Oha, sehr interessante Gewschichte!! Jetzt weiß ich was ich meiner kleinen Schwester erzähle, wenn sie wieder
nach einem Märchen fragt.*g*
Aber ich fand das die Geschichte nicht so spannend erzählt wurde, aber an sich war das cool.
Gruß,
Minni.
anna@gmx.com schrieb:
den anfang finde ich sehr gut vorallem so ein seltsammer name mach weiter so viele grüße anna
kavabon@compuserve.de schrieb:
Naja, die Geschichte klingt so, als ob man ein Märchen mit Horrorinhalten "geschmückt" hätte.

Leider gibt es keine aufbauende Spannung.

Aber die Idee mit dem Kadavar finde ich nicht schlecht.
metalwarrior1992@compuserve.de schrieb:
Nicht schlecht.
Gut ist das das Morbide so selbstverständlich eingefügt wurde.
irina99@gmx.at schrieb:
Also ich find diese Geschichte sehr gut!!
Freu mich schon drauf sie meinen kleinen Geschwistern zu erzählen*g*
mach weiter so;-)
sersq@.gmx schrieb:
Super Geschichte! Echt!
lieschenlisawagner@microsoft.com schrieb:
Das werd ich im Deutschunterricht vortragen.
wilkoheikens@gmx.de schrieb:
Tolle Geschichte ich will mehr, du solltest dir nun guten Zeichner suchen, und mit ihm ein Horror-Märchenbuch-Schreiben. Ich würde es kaufen.
bravo-umfrage@web.de schrieb:
Ich finde diese Geschichte super! Mach weiter so!!!!!!
habe keine schrieb:
Ich finde die Geschichte spannend und sehr gut, nicht nur weil ich Horror liebe sondern weil es eine Geschichte ist, die einem nicht aus dem Kopf geht! Echt klasse.
M schrieb:
ES IST ZU KURZ MAN KONNTE DAS NOCH LÄNGER SCHREIBEN
saint_ri@hotmail.com schrieb:
Die story is so grausig ...*bäh* aba soooo genial .... mach weiter so ... DAS Märchen erzähle ich meiner kleinen nervenden Kusine ...*g* ...
Na die wird sich vielleicht freuen ...
Greetz, Ri
felidae01@t-online.de schrieb:
Ja. Doch schon. Ich bin erstaunt. Hat was von Clive Barker. Da könnte mehr draus werden.
creativ-head@gmx.de schrieb:
Die Story ist toll, konnte mich gar nicht davon losreißen (auch wenn es mich sonst nervt am PC lesen zu müssen) Weiter so!!!
lady_kali@web.de schrieb:
Also, man sollte sie nicht unbedingt beim Essen lesen...
Ich find se aber trotzdem Genial!

Schwertbraut
flitzpipe_26_11@yahoo.de schrieb:
Geniale Geschichte muss ich schon sagen :)
berly9112@aol.com schrieb:
wow echt heftig brauche so eine geschichte für die schule (um eine inhaltsangabe zuschreiben) ist doch ok wenn ich davon eine schreibe oder ? echt gensehautverdächtig =) astrein mach weiter so ;) cucu kim
deutlich@web.de schrieb:
hehe, latent bescheuert und ohne wirkliche spannung. trotzdem definitiv unterhaltsam. ich finds gut, dass der aufbau sich nahe an klassischen märchen orientiert.
bohne93@web.de schrieb:
Ich liebe Horror und dein Märchen finde ich deswegen echt gut, nur leider bin ich ein ziemlich großer Pferdefan und finde es schade das sie ein Pferd >>frisst<<!!!Aber das Ende ist dir echt gut gelungen und als so'ne Horrorgeschichte an Halloween zum Beispiel ist echt genial gruselig! Herzlichen Glückwunsch also zu dieser (eigentlich)tollen Geschichte!!
bohne93@web.de schrieb:
Irgendwie ist mein Kommentar nur halb angekommen!Also nochmal:Deine Geschichte ist echt super geworden und an Helloween kann man sie bestimmt total gut vorlesen, weil sie so genial gruselig ist, ich wette die wird mal richtig berühmt :-) !!!!!!!!!!!!!!!!!! Mach weiter so, aber nicht mit Pferdeschlachtern sondern mit anderen Tieren.Bbbbbbbbbbbbbiiiiiiiiiiiiittttttttttttttttttttttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!!!
Dein großer Fan! ;-)
arruwi@online.de schrieb:
Also,
geschichte ist echt super! Nur ein bisschen wiederlich! (Aber das kann ja noch werden!) :)
darkrenamon@lizzynet.de schrieb:
geil! einfach nur geil! des mädel is genauso wie ich...
vanillagirl333@web.de schrieb:
Die ist aber langweilig. Hat ger keinen richtigen Sinn!!!
FreddyEmmanuilidis@t-online.de schrieb:
Sehr gut geschrieben ,in einem durchgelesen.
Bitte eine e-Mail wenn eine Gruselige Gespenstergeschichte erscheint !
Vielen Dank .

Weiter so.

Freddi.
ich@hotmail.de schrieb:
diese geschichte ist so was von IRRE !!
wer denkt sich denn so was aus?! aber nicht schlecht...muss schon sagen...=)
vampir.v@web.de schrieb:
hey!!
die story is echt voll geil!!
kannste net noch so eine schreiben??
würd mich freuen! mach weiter so!!
die geschichte kommt echt gut an!!
grüße euer vampir-girl
schrieb:
l

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