Rabenschrei Kapitel 1
von
Arkotar
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Kapitel 1: Die Zeremonie
Viele Jahre waren vergangen seit Ryan Blader nach Kalikum gezogen war. Er hatte einen Sohn bekommen, der bereits fünfzehn war und schon bald seinen sechzehnten Geburtstag feiern durfte. Es gehörte zur Tradition von Kalikum, dass jeder Junge mit einer speziellen, heiligen Zeremonie an seinem sechzehnten Geburtstag in den Kreis der erwachsenen aufgenommen wurde. Zu dieser Zeremonie gehörte auch, dass die noch Fünfzehnjährigen die Nacht vor ihrem großen Tag wachen mussten.
Max Blader saß in seinem kleinen Zimmer. Es war noch früher Abend und Max´ Vater öffnete die Tür.
„Hi, Dad!“, sagte Max und machte ein Gesicht, als wolle er fragen, was los sei. Ryan bemerkte dies und fragte:
„Tag, Junge! Hast du schon alles vorbereitet?“
„Ja, Dad!“, antwortete Max und nickte ihm zu.
„Du weißt, was du tun musst?“, hakte Ryan weiter nach, nur um ganz sicher zu gehen.
„Ja, Ich muss nach neun Uhr jede Stunde den Satz Homo adultus sum sprechen und eine der drei Kerzen anzünden, auf dass Alle brennen wenn der neue Tag beginnt!“, antwortete Max.
„Eigentlich wollte ich dir nur Bescheid geben, dass ich noch einmal kurz das Haus verlasse! Ich muss schließlich noch ein Geschenk für dich besorgen!“, sagte Ryan, lachte herzhaft und stellte sich das fröhliche Gesicht seines Jungen vor, wenn dieser sein Geschenk bekäme.
„Ist in Ordnung!“, sagte Max knapp und breitete einen kleinen Teppich auf dem Boden aus, auf den Er sich kniete. Eine goldene Schlange mit dem Kopf eines Löwen und den Flügeln eines Drachen war darauf eingenäht; Das Wappen des Landes Grevorien!
Max bemerkte nicht, dass sein Vater den Raum verlassen hatte und legte den Eid ab, einst ein mächtiger Krieger der Hauptstadt Almur zu werden.
„Bei Flora, der Blütenprinzessin, Sola dem Feuerkönig, Frigus dem Frostprinzen, Agnarus dem Unentschiedenen und bei Aruqua dem Herrscher der Meere schwöre ich, dass ich einst als tapferer Ritter von Almur erstrahlen werde!“
Es vergingen einige Stunden der Ruhe. Max konzentrierte sich nur auf sein Innerstes selbst. Sein Vater hatte ihm erst kürzlich gesagt:
„Hör gut zu, mein Junge! Ein Schwert ist nur eine Waffe! Die wahre Kraft steckt nur in dir selbst! Und wenn du beides gut kombinierst kannst du mithilfe der Götter magische Kräfte erlangen.“
Unheilvoll ertönte der Glockenschall der Kirche von Kalikum. Max zählte die Schläge. Es waren zehn! Es war Zeit, die erste Kerze zu entflammen. Max sprach den Zauberspruch, den alle Jungen bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag gelernt haben mussten.
„Flamma!“, flüsterte er und wartete bis die Kerze brannte und etwas Licht in die Dunkelheit brachte.
„Homo adultus sum!“, sprach er nun. In ihm stieg ein gutes Gefühl auf. Er fühlte sich plötzlich so leicht, als könne er davon schweben. Plötzlich hörte er eine donnernde Stimme in seinem Kopf.
„Ich bin Der Götterkönig Sola! Du hast meine Kerze zur richtigen Zeit entflammt, also hast du meinen Segen! Bleibe wachsam und entzünde beim elften Glockenschlag die Kerze meines Sohnes Frigus, auf dass er dir seinen Segen gebe, denn meiner alleine reicht nicht, um dich erwachsen zu machen! Das Licht der Sonne sei mit dir!“
Die stimme hallte ein paar mal wieder und verstummte nach und nach. Das Gefühl der Leichtigkeit verließ ihn und der Glockenturm schlug erneut. Als Max die Stimme hörte war er wie in Trance, weshalb er nicht mitbekam, dass erneut eine Stunde vergangen war. Nach dem der elfte Glockenschlag verklungen war wirkte er erneut die Formel „Flamma.“
Die zweite Kerze brannte nun. Doch Max wurde kalt. Er hätte schwören können, dass es noch viel wärmer war, als nur die erste Kerze brannte. Eine zischende, unangenehme und kühle Stimme ertönte in seinem Kopf.
„Ich bin der Götterprinzzzzzzzz Frigussss! Herrscher der eisssssssigen Felder und Frosssssssssstigen Zeiten! Mit der Kerzzzzzze hassssst du den Schutzzzzzzzzzzzwall ausssss klirrendem Eissssssss geschmolzzzzzen! Da du meine Kerzzzzzzzze zzzum richtigen Zzzzzzzeitpunkt entflammt hassst, gebe ich dir meinen frossssssssstigen Ssssegen! Hahahaha! Wenn die alte Kirchturmuhr zum zzzzwölften Male ertönt entzzzzünde die Kerzzze meiner Schwessssster Flora! Hahaha! Ich hoffe ssssehr für dich, dassssss sssie dir ihren Ssssegen gibt, denn nur der meine und der meinesss Vaterssss reichen nicht! Der Wind möge mit dir ssssein, dich auf allen Wegen begleiten und dir stetssssss günssstig in den Rücken fallen!“
Die Stimme verstummte und Max wurde wieder etwas wärmer.
„Au, mein Kopf!“, fluchte er, denn er hatte von der schneidenden Stimme des Frostprinzen Kopfweh bekommen. Die gruselige Glocke der Kirche schlug zwölf. „Flamma!“, sprach Max und entzündete die letzte Kerze. Auch wenn er vor kurzem noch so müde war, dass er fast eingeschlafen wäre, war er nun plötzlich hellwach. Eine zarte und behutsame Stimme meldete sich in seinem Kopf:
„Ich bin Flora, sie Prinzessin der Blüten und weiten Wiesen! Mein Vater hat mir schon von dir erzählt! Und wenn du seinen Segen hast, so sollst du auch den meinen erhalten! Mögen die Pflanzen dich über Schluchten tragen, wenn dein Weg dich dorthin weist! Mögest du in Ruhm und Ehre glänzen, Auserwählter!“
Mit diesen Worten verklang die Stimme.
„Was? Auserwählter? Auserwählt wofür?“, fragte sich Max, der plötzlich wieder vollkommen müde war. Max erhob sich und brüllte gen Himmel:
„Erhöre mich, Flora! Wofür bin ich auserwählt?“, er sank auf die Knie und wiederholte leise flüsternd:
„wofür bin ich auserwählt?“
Stille. Flora antwortete nicht. Ein lautes, schallendes Dong! Zerriss die Stille und erfüllte den Raum. In genau diesem Augenblick sprang die Tür des Zimmers auf. Max schreckte zurück. Er war geschockt, denn diese Bewegung kam so unerwartet! Ryan stand in der Tür, klatschte zweimal in die Hände und sagte auffordernd:
„Los, Junge! Du hast den ersten Teil der Zeremonie hinter dir, aber es gibt noch zwei weitere! Jetzt gehe zum Teich der Erwachsenen, um dort zu Baden! Aber kehre rechtzeitig wieder zurück!“
Er strich sich durch sein dunkles Haar.
Schnell sprang Max auf und stürmte an seinem Vater vorbei.
„Tschüss, Dad!“, hörte Ryan nur noch und zuckte wegen den schnellen Bewegungen seines Sohnes zusammen. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er das Geschenk nicht gekaufte hatte. Stattdessen hat er sich betrunken und schönen Weibern hinterher geschaut. Jetzt fühlte er sich jedenfalls richtig mies. Heute konnte er auch kein Geschenk mehr besorgen, weil das Geschäft heute nicht aufmachen würde.
Währenddessen stürmte Max durch das Dorf, um es in Richtung Cervus-Forst zu verlassen. Im Wald herrschte Stille, genauso wie im Dorf. Max blieb stehen und dachte nach, wohin er gehen musste. „Richtung Westen!“, fiel ihm ein und er rannte den braunen, Steinigen Waldweg entlang, in die Dunkelheit hinein. Es dauerte einige Zeit, bis er endlich an besagter Lichtung ankam:
In ihrer Mitte, grünlich schimmernd, der Teich der Erwachsenen. Das Wasser war hell und klar. Max begann, sich das Nachthemd abzustreifen, während
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