Rache
von
SaFi
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Eines Tages brachte Phil eine Pistole mit in den Kindergarten. „Ist nur aus Plastik!“ sagte er. „Aber man kann damit schießen!“ Die Kindergärtnerin, die alles mitgehört hatte, meinte: „Aber bitte nicht auf die Menschen zielen!“
Und so kam es, dass Phil, Johannes, Tobias, Kevin, Jenny, Kiki, Melle und Rosemarie im Kindergartenhof mit der Pistole spielten. Aber gegen die Abmachung der Kindergärtnerin zielte er auf die Menschen. Besonders auf die kleine, schüchterne Rosemarie. Johanna und Valentina, die das ganze vom Sandkasten aus beobachten, schütteln die Köpfe. „Wie kann man nur so doof, wie Phil sein!“ meinte Johanna. „Er muss doch wissen, dass es gefährlich ist auf Menschen zu zielen!“ „Genau!“ zischte Valentina. „Wo er doch mit 5 Jahren der Älteste von uns ist!“ Die Mädchen kümmerten sich nicht mehr darum und spielten mit ihren Puppen, Marja und Lili. Plötzlich hörten sie ein Schreien. Verwundert blickten die Mädchen auf. „Komm!“ sagte Valentina. „Da müssen wir hin!“
Es stellte sich heraus, dass das Schreien von Rosemarie kam. „Phil hat sie im Auge getroffen!“ erzählte die aufgeregte Melle. „Ich hole Frau Lehning!“ rief Johanna. Aber sie hätte gar nicht lossprinten müssen. Frau Lehning war durch Rosemaries Schreien angelockt worden und kam angelaufen. „Was ist passiert?“ fragte sie. Johanna erzählte alles noch mal und dann ging die Kindergärtnerin zur Rosemarie und verarztete ihr Auge. „Ist schon gut, Rosi!“ meinte sie. „Guck, ich puste drauf! Dann tut es nicht mehr weh!“ Dann wandte sie sich an Phil. „Habe ich dir nicht gesagt, du sollst nicht auf Menschen zielen?“ „Er hat ständig auf Rosi gezielt und sie immer getroffen und dann hat er gesagt: ‚Rosilein, armes Schwein!’!“ sagte Valentina „Philipp Breuer!“ schrie die sonst so nette Frau Lehning empört. „Wenn ich dich selbst dabei erwischen sollte, dass du die anderen Kinder beschimpfst, dann setze ich dich an den Bösen Tisch! Und die hier“ sie nahm die Pistole. „Nehme ich selbstverständlich mit!“ Dann war sie auch schon weg. Johanna und Valentina lächelten siegessicher und rannten weg. Die anderen waren wütend auf sie. Vor allem Phil. Wer weiß, wann er seine Pistole wieder bekommen würde. Er hatte von einem Jungen gehört, dem hatte die Kindergärtnerin einen Ball weggenommen. Und dann, als er 16 Jahre alt war, gab die Kindergärtnerin ihm den Ball wieder. Der Junge schmiss ihn weg. Er, Phil, würde bestimmt auch so lange warten müssen. Und das war alles nur die Schuld von Johanna und Valentina! Und auch ein bisschen von Melle, die Johanna und Valentina ja erst die ganze erzählt hatte. Und natürlich von Rosemarie, die gleich so laut gebläkt hatte. Sie alle waren Schuld!
Am nächsten Tag beschloss Phil, an Valentina und Jojo, wie Johanna alle nannten, Rache zu nehmen. Er lud seine alte Wasserpistole und ging auf Pirsch. Gleich bot ihm sich eine Gelegenheit. Er sah Jojo, Valentina und ihre Freundin Nathalie, die auf dem Hof saßen und malten. Sie wollten „Das Große Kunstwerk“ erschaffen. Phil schlich sich an sie heran und als die Gelegenheit günstig war, sprang er aus seinem Versteck und spritzte ganz viel Wasser auf das Kreidebild. Valentina und Nathalie fingen an, zu weinen und Nathalie schlug sogar wild um sich. Jojo erwachte aus ihrer Erstarrung und ging auf Phil los. Der war so perplex, dass er seine Wasserpistole fallen ließ. Jojo hob sie auf und schleuderte sie weg. Dann drosch sie auf Phil ein. Erst erstarrte der, aber dann schlug er Jojo auf die rechte Wange. Das tat richtig weh und Jojo taumelte zurück und fiel. Aber schnell rappelte sie sich wieder auf und ging von neuem auf Phil los. Was sie nicht merkten war, dass Nathalie weggegangen und Frau Lehning holen war. Valentina weinte noch immer. Erst, als sich eine schwere Hand auf Phils Schulter legte, erstarrte er. Als er sich umschaute, sah er genau das, was er hoffte, nicht zu sehen: Frau Lehning. Und sie sah wütender aus, als am Vortag. „Philipp Breuer, du kommst sofort mit zum bösen Tisch! Und du, Johanna Sieger, kannst auch gleich mitkommen!“ sagte sie und zerrte die beiden erbarmungslos zu dem Tisch in ihrem Gruppenzimmer. „So!“ meinte sie. „Hier könnt ihr nun sitzen und über euren Regelbruch nachdenken! Johanna, du bist jetzt schon 4 und noch dazu ein Mädchen! Und Phil, du bist 5, also der Älteste der Gruppe! Das hätte ich nicht von euch erwartet!“ „Aber!“ brüllte Johanna. „Der hat unser Bild kaputt gemacht! Mit dieser doofen Wasserpistole!“ Phil schrie: „Und die hat mich gehauen und meine Wasserpistole weggeschleudert! Die ist jetzt bestimmt ganz im Eimer!“ „Ich rede nachher mit euch, wenn ihr euch beruhigt habt!“ sagte Frau Lehning und ging. Jojo vergrub ihr Gesicht in den Armen und fing an, zu heulen. Phil schaute nur böse. Er war ein Junge und Jungs dürfen nicht weinen! Nach einiger Zeit ging die Tür auf und Valentina schlich hinein. „Wie geht’s dir?“ fragte sie Jojo. „Beschissen, würde mein Bruder jetzt sagen!“ schniefte Jojo. „Ich will raus und mit euch spielen! Aber, warum bist du überhaupt hier? Hat Frau Lehning dich reingelassen?“ „Ne!“ sagte Valentina. „Ich hab gesagt, dass ich mal aufs Klo muss!“ In diesem Moment ging die Tür wieder auf und Frau Lehning kam herein. „Valentina Startmeier, was machst du hier?“ fragte sie. „Raus, aber schnell!“ Mit hochrotem Kopf verließ Valentina den Raum. „Also, ich will jetzt ganz ruhig hören, was passiert ist! Erst spricht Johanna ohne, dass du etwas dazu sagst, Phil. Und dann spricht Phil, ohne, dass Johanna ihre Meinung dazu äußert! Also gut, Johanna, fang an!“ Jojo und Phil erzählten nacheinander, was vorgefallen war. Zum Schluss meinte Frau Lehning: „Na gut, es scheint jeder ein bisschen Schuld zu haben. Nun geht raus und spielt, aber dass mir das nicht noch mal vorkommt!“ Die Kindergärtnerin verließ den Raum. Jojo sah Phil an. „Hey!“ sagte sie. „Willst du Feigen oder Nüsse?“ „Ähem“, meinte Phil. „Nüsse ess ich lieber!“ Jojo haute Phil mit der Faust auf den Kopf und sagte: „Ich meinte eigentlich Ohrfeigen oder Kopfnüsse!“ Sie flitzte hinaus. Phil schaute ihr kopfschüttelnd hinterher. Mädchen fand er wirklich blöd! Als er hinaus kam, malten Jojo und ihre Freundinnen an ihrem Bild weiter. Und diesmal wurde es richtig schön. Das musste sogar Phil zugeben. Leider!
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Kommentare
ahochmartin@gmx.de schrieb am 2009-11-27 19:38:48:
Eine Geschichte aus dem Leben eines Kindergartenkindes. Für uns Erwachsenen vielleicht trivial, für Kinder diesen Alters allerdings...Elementar.
Herzlichen Glückwunsch!! Gut beschrieben und beobachtet.
Gimliy schrieb am 2008-06-25 10:51:23:
Tolle Geschichte. Du kannst die Figuren wirklich gut zum Leben erwecken und triffst auch die richtigen Formulierungen.
Mach so weiter
Gruß: Gimliy
Laura schrieb am 2008-06-25 08:08:50:
ich finde diese Geschichte von Anfang bis Ende krank...
Pistolen im Kindergarten, hast du sonst irgendwelche Probleme?-_-
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