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Kategorien > Alltag > Emotionen

Rarblümlein

von Athiel

Du warst die allerschönste Blumenblüte. In einem wilden Garten. Da war ein kleiner Funken in dir. Und der Funken war wie Stolz. Die Sonne ließ dich nicht außer acht. Das klare Wasser war immerfort für dich da. Jeder, der an diesem wilden Garten vorüberging bemerkte dich. Jeder schaute zur ranken Blumenblüte. Auch ich. Oft besuchte ich dich.

Das Wildkraut war nicht feige. Wollte auch gesehen sein. Pochte auf sein Recht um das Lebendigsein und wuchs bald über dich hinweg. Auch es wollte gesehen sein. Wollte sich baden im Sonnenschein. Wuchs über dich hinweg. Dem Rarblümlein.

Plötzlich musste ich es im Wildgarten suchen. Das Rarblümlein, das irgendwann einmal der Wind hierher getragen hatte. Als ich dich endlich wiederfand sahst du so kläglich aus, dass ich all die Wildpflanzen, die dich ringsum bedrohten, aus ihrer Erde rupfte. Damit du Licht hast. Ich sprach mit dir, damit du dich nicht einsam fühlst. Wollte das Licht sein, das dir das Wildkraut nahm. Ich besuchte dich oft. Oft rupfte ich das Wildkraut rings um das Rarblümlein raus.

Eines Tages sah ich im Stadtpark Blumen von deiner Sorte. Pflanzte dich aus dem wilden Garten aus. Trug dich schützend in meinen Händen zum Parkblumenbeet. Pflanzte dich so, dass jeder das Rarblümlein sieht. Wie du gestrahlt hast. Wie wir strahlten. Hier warst du nicht allein. Hier durfte jede besondere Art gedeihn.

Ich besuchte dich wieder. Doch es schlug mir die Augen nieder. Ein Architekt hat es sich anders ausgedacht. Nun sind es hohe Mauern aus Stein, die wachsen und gedeihn. Weit und breit kein Rarblümlein.

©athiel 25.01.04

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