Reise zu den Sternen
von
Juuulie
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Reise zu den Sternen
Jan war ein kleiner Junge von gerade mal zehn Jahren. Er war ein Kind, dass des öfteren von Erwachsenen als „süß“ bezeichnet wurde. Süß, dass war er auch mit den großen Kulleraugen und dem verstrubbelten Haar.
Jan lebte mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses. Er war kein unglückliches Kind, gewiss nicht, aber etwas fehlte ihm dennoch. Es war der Vater. Der kleine Jan konnte sich nicht erinnern, ihn jemals gesehen zu haben. Jedoch fühlte er sich abends, wenn die Sterne am Himmel erschienen, immer auf seltsame Weise zu dem unbekannten Vater hingezogen.
So kam es, dass jeden Abend beim Gute-Nacht-Sagen Jan die Mutter mit seinen großen Kulleraugen anschaute und fragte: „Wo ist Papa?“ Daraufhin zeigte die Mutter stets zum Fenster, hinter dem die Sterne in der dunklen Nacht funkelten. „Dort oben ist er, Jan. Dein Papa ist im Himmel.“ Mit diesem Satz strich sie ihrem Sohn durch das verstrubbelte Haar, drückte ihm einen Kuss auf die Stirn und verließ leise lächelnd das Zimmer.
Jahrelang schon spielte sich dieses Ritual jeden Abend im Kinderzimmer ab. Eines Abends jedoch, nach dem Gute-Nacht-Kuss, fand der kleine Jan keinen Schlaf. Er wälzte sich unruhig von der einen Seite auf die andere und dachte nach. Er dachte an seinen Vater und an „dort oben“.
Jan blickte aus dem Fenster. Er sah den Nachthimmel, übersät von tausenden, abertausenden leuchtenden Sternen. Es war eine klare Winternacht.
Dort oben sollte sein Vater sein? Dort oben, zwischen all den Sternen? Wieso sollte es ihn denn dorthin verschlagen haben? Weshalb war er nicht hier, bei seinem Sohn? Der kleine Junge seufzte. Wie gern würde er seinen Vater einmal ansehen, ihn in den Arm nehmen oder sogar mit ihm zum Fußball gehen, wie andere Väter das mit ihren Söhnen taten.
Auf einmal schreckte Jan nach oben. Hatte da etwa jemand gegen das Fenster geklopft? Wie wäre das denn möglich, hier oben im fünften Stock? Ängstlich schielte Jan hinüber zum Fenster und traute seinen Augen nicht. Vor der Sternenkulisse, direkt hinter der Scheibe, schwebte ein merkwürdiges Flugobjekt, welches in etwa die Größe eines Autos hatte. Es klopfte erneut.
Jan tapste zum Fenster um es einen Spalt zu öffnen. „Guten Abend“, flüsterte er in die Nacht hinaus.
„Guten Abend“, erwiderte eine wunderschöne Frau mit weißem Haar, die sich aus dem Flugobjekt gebeugt hatte. Sie sah jung aus und freundlich, mit einer Haut die leuchtete, als käme sie geradewegs von den Sternen. „Möchtest du einsteigen für eine Reise zu den Sternen?“
Jan blickte die wunderschöne Frau mit seinen großen Augen erstaunt an. „Nach da oben? Zu den Sternen?“, fragte er verblüfft und zeigte in den Nachthimmel. „Aber das ist doch unglaublich weit. Und ich muss morgen in die Schule.“
Mit einem leisen Surren öffneten sich die hinteren Türen des Flugobjekts. „Mach dir keine Sorgen“, lächelte die wunderschöne Frau. „Bis dahin bist du längst wieder zu Hause. Nun steig schon ein. Du wirst es nicht bereuen.“
Der kleine Junge zögerte noch einen kurzen Moment. Was wäre, wenn seine Mutter ins Kinderzimmer schauen und ein leeres Bett vorfinden würde? Sich würde sich schrecklich viele Sorgen machen. Aber schließlich besiegten Neugierde und der Gedanke an Papa die Vernunft und Jan stieg in das seltsame Flugobjekt.
Die hinteren Türen schlossen sich mit einem leisen Surren und die Fahrt begann.
Die wunderschöne Frau steuerte die Maschine mit sanften Bewegungen nach oben. Es herrschte eine seltsame Stille und Jan traute sich nicht, einen Mucks von sich zu geben. Stattdessen bewunderte er mit großen Augen die Schönheit der Nacht. Die Sterne waren so nah wie nie zu vor und der Sichelmond beleuchtete die gesamte Kulisse mit seinem silbernen Schein.
Jan schluckte. Hier oben war es so wunderschön, dass er seines Vaters Entscheidung beinahe nachvollziehen konnte, im Himmel zu leben.
Die wunderschöne Frau drehte sich zu dem kleinen Jungen um und ihre strahlende Haut leuchtete ihm entgegen. „Gefällt es dir?“, fragte sie.
„Ja“, antwortete Jan mit begeistertem Gesicht. „Es ist toll.“
„Ich wusste, dass es dir gefallen würde“, lächelte die Frau. „Aber was du nun sehen wirst, wird dir den Atem rauben.“
Das Flugobjekt setzte sich wieder in Bewegung und die wunderschöne Frau drehte sachte am silbern glänzenden Steuer. Der Kurs änderte sich und Jan traute seinen Augen nicht. Direkt vor seinen Augen leuchtete der Mond silbern und freundlich. Aber der Mond sah nicht aus wie jener Mond, den Jan von der Erde aus betrachten konnte. Er wirkte irgendwie menschlich.
„Ist das wirklich der Mond?“, fragte Jan ungläubig.
Die wunderschöne Frau lächelte milde. „Es ist das, wonach du dich Nacht für Nacht sehnst. Es ist das, nach dem deine Gedanken wandern. Es ist das, was du immer suchst, wenn du aus deinem Fenster heraus in den Himmel blickst.“
Jan blickte den Mond an mit großen Kulleraugen. Zwei freundliche Augen blinkerten zurück. Der Mond lächelte. Es war ein väterliches Lächeln. Es war ein Lächeln, welches das Gefühl vermittelte, behütet zu werden. Jan war nicht allein.
„Papa?“, fragte der kleine Junge und drückte seine kleine Nase an die Scheibe. Der Mond lächelte und schloss die Augen.
Die wunderschöne Frau lächelte auch und schloss die Augen. Das Leuchten in ihrem Gesicht erblasste, Dunkelheit macht sich breit. Die Sterne hatten aufgehört zu funkeln.
Jan öffnete mit aller Kraft die Augen. Die Sonne schien durch das Fenster hinein. Es war Tag.
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Kommentare
Emilia schrieb am 2009-11-15 14:22:31:
Wow! Die Geschichte ist wunderschön (: Die geht einem irgendwie nahe... Respekt, du hast voll Talent!
Mach weiter so ;)
SaRaH schrieb am 2009-03-14 14:09:35:
Hier ist nur das erste "dass" falsch! Jedem kann sowas mal passieren!
Ich find die Geschichte einfach voll toll :)
zOe schrieb am 2008-11-12 14:10:05:
Ja, die ist echt voooooooooooll tooooll!
Anne Gorcy schrieb am 2008-03-30 21:54:50:
Oh, diese Geschichte gefällt mir sehr gut. Auch mein Vater ist nicht mehr bei mir und daher finde ich es wie schon gesagt gut. ;)
zOe schrieb am 2008-03-23 19:52:55:
ist aber trotzdem eine schöne geschichte! :D du solltest kinderbuchautorin werden!
Juuulie schrieb am 2007-04-04 18:07:38:
Entschuldigt die beiden "dass" Fehler im ersten Absatz. Ui wie peinlich, sowas sollte man nicht falsch machen...
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