Resignation überall
von
Armin Feuerriegel
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Resignation überall
Ich ging durch die Straßen und Blickte an den Gebäuden empor, doch so sehr ich mich auch bemühte, ich konnte keine Farben mehr erkennen. Wo waren sie alle hin? Ich wusste, dass es sie einmal gab. Mein Blick schweifte umher bis er auf einen Telefonladen viel. Im Schaufenster hing ein großes Schild, auf dem in großen roten Lettern KEINE GESPRÄCHE MEHR stand. Diese Aussage erweckte meine Neugier. Völlig ahnungslos und in gespannter Erwartung was nun folgen würde betrat ich den Laden. Hinter einem verstaubten Pullt saß ein kleiner grauer Mann mit dicker Hornbrille. Seine Nase war dick und wulstig. Eine eigentümliche Rotfärbung, die mit kleinen blauen Äderchen durchsetzt war zierte seine Kartoffelnase und die Wangen. Er konnte die Überraschung über mein plötzliches Auftreten kaum verbärgen. Außerdem hatte er wohl gerade an einer kleinen Pulle genippt, die er so schnell wie möglich, in der Hoffnung es bliebe von mir unbemerkt, unter seinem Schreibtisch verschwinden ließ. Mit offenem Mund, welcher seiner Erscheinung einen noch viel dümmlicheren Ausdruck verlieh, musterte er mich streng von Kopf bis Fuß.
„Äääääh……. Was kann ich für sie denn noch tun?“, sagte er.
„Warum keine Gespräche mehr?“, war die Frage die mir spontan in den Sinn kam.
„Wissen sie das denn nicht? Es gibt nichts mehr zu sagen. Der bloße Versuch etwas verbal ausdrücken zu wollen wäre vollkommen unnütze.“
Ein zynisches „Aaaaaaaaha“ war das einzige was mir dazu einfiel. Kommentarlos verließ ich den Laden und ließ den Spinner mit der Kartoffelnase hinter mir. In der Reflektion der Scheibe erkannte ich noch wie er seinen schuppigen Kopf schüttelte und wieder zu der Flasche unter seinem Tisch griff. Blitzschnell drehte ich mich um. Nur so zum spaß. Der Überraschungseffekt war auf meiner Seite. Ich hörte noch wie er die Flüssigkeit in seinem Mund in einer Art Sprühregen über das gesamte Pullt verteilte.
Nun fand ich mich wieder auf der Straße. Alles war unverändert. Keine Farben – nirgends. Doch ein kleiner Bäckerladen auf der gegenüberliegenden Straßenseite war das erste was meinen Blick auf sich zog. Dieses Mal war ich nicht wirklich überrascht, als ich beim näher kommen, den Zettel an der Eingangstür entzifferte, auf dem geschrieben stand Nix mehr zu essen. Mit einer noch viel größeren Neugier als zuvor betrat ich auch diesen Laden.
Das Geräusch der Glocke über der Eingangstür war kaum erloschen als die Frage „Warum nichts mehr zu essen“ aus mir herausplatzte.
Vollkommen überrumpelt starte mich die junge Bedienung hinter dem Tresen an. Sofort viel mir auf, dass in der gläsernen Auslage keinerlei Backwaren zu finden waren. Die Verkäuferin schien sich wieder ein wenig gefangen zu haben, indem sie versuchte den ersten Schock mit einem verschwitzen lächeln wieder gut zu machen, was ihr leider in keinster Weise gelingen wollte. Die kleine weiße Haube auf ihrem Kopf und die weiße Schurze brachten ihren erröteten Ballonkopf noch viel mehr zur Deutung. Ich bildete mir sogar ein, einen leicht zwiebelartigen Schweißgeruch in der kalten Backstube zu vernehmen. Die junge Dame war, um es wirklich sehr höfflich auszudrücken, leicht untersetzte, und es überraschte mich überhaupt nicht, als ich bei genauerer Betrachtung erkannte, dass ihre Augenbraunen leicht zusammen gewachsen waren. Außerdem schien sie zu allem übel überhaupt keine Erfahrung mit Kunden zu haben. Souverän ist anders. Ich spürte deutlich wie unangenehm ihr die ganze Situation war. Ich wollte ihr helfen. Mein erster Gedanke war natürlich „Falsche Berufswahl.“, aber das war ein anderes Thema und die Aussprache dieser Vermutung hätte wohl nur zu weiteren Komplikationen geführt, die ich mir und ihr nun wirklich ersparen wollte.
Ich versuchte all meinen Scham zusammen zu nehmen, um die Situation wenigstens halbwegs erträglich zu machen. Doch zu mehr als einem stümperhaften Politikerlächeln führten meine Bemühungen nicht.
„Es tut mir leid, aber es interessierte mich sehr warum es bei einem Bäcker nichts mehr zu essen gibt“, sagte ich.
Allmählich wich die Röte aus ihrem Gesicht. Meine Unwissenheit und scheinbare Naivität schien sie ein wenig zu beruhigen. Sie rückte das Schirmchen auf ihrem Kopf zurecht und lächelte nun ein wenig natürlicher.
„Aber wissen sie denn das nicht? Es gibt überhaupt nirgendwo mehr etwas zu essen. Der bloße Gedanke etwas Nahrhaftes zu sich nehmen zu wollen wäre völlig absurd und dazu auch noch unnütze“, brachte sie mit einer piepsigen Stimme heraus, die versuchte durch übertriebene Lautstärke etwas an Volumen zu gewinnen.
Genau so etwas hatte ich erwarte. Wortlos verließ ich den Laden, ohne der jungen Bedienung auch nur noch eines Blickes zu würdigen. Nicht aus Empathie, so langsam frustrierte mich die ganze Geschichte. Egal wen ich fragen würde, ich kannte die Antwort dummerweise schon - lange im Voraus. Ich hasse so etwas, - wenn alles so durchschaubar und vorhersehbar ist. Ich meine wo ist die Inspiration, die Kreativität? Doch mir war schon klar, dass ich mit dieser Anforderung völlig am falschen Ort war.
Nun betrat ich den Bürgersteig. Kehrte zurück in die Leere der Straßen. Ein unbeschreibbar, schreckliches Gefühl überkam mich. Immer noch diese, ja fast schon, brutale Trostlosigkeit. Die ewige Stille schien mich zu zerreißen. Wie hilflos kann ein Mensch nur sein? Ich blickte die Straße rauf und runter. Ich konnte das Bedürfnis in mir, ständig etwas zu erwarten einfach nicht abstellen.
Kein Wind, keine Taube, nicht einmal ein dummes Blatt – selbst das letzte bisschen Müll wäre mir wie der reinste Götterfunken erschienen. Doch nun brach es völlig über mich herein, selbst der großen Tränen konnte ich mich nicht mehr wehren. Alles wurde taub in mir, meine Umwelt, meine Umgebung sank in mich hinein. Der Tiefpunkt schien erreicht, meine Zeit gekommen. Doch vor allem; das schlimmste war, ich hatte einfach keine Ahnung was geschähen war. Zwanghaft versuchte ich mich an irgendetwas, und wäre es nur die kleinste Nichtigkeit, zu erinnern. Es wollte mir nicht gelingen, einfach alles weg, als hätte ich nie ein Leben gelebt, - und wenn ich ehrlich bin, ich war mir in diesem Moment auch nicht wirklich sicher.
Diese Art der Ohnmacht überrumpelte mich einfach, meine Unfähigkeit jetzt noch etwas zu ändern wurde mir nicht allmählich, sondern schlagartig bewusst. Und dann auch noch dieses, oh wie schwer dafür das richtige Wort zu finden, - ich denke, Gewissen kommt dem ganzen schon ziemlich nahe, doch es war eher das Gefühl der bitteren, und der vielleicht unnötigen Niederlage, diese Gedanken die immer mit „Ach hätt ich nur,…“, beginnen. Angst, pure Angst, plötzlich, - vor allem, so schlimm, dass es droht einem die Kehle zuzuschnüren. Das Herz hämmert vor Aufgeregtheit, doch anders, schmerzhaft und stechend.
Wenn man nicht weiß was mit (in) einem vorgeht, steht man vielleicht kurz davor sich selber zu begegnen. Ich selbst war mir fremd, so dass ich mir ganz sicher sein kann, dass ich in diesem Moment
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