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Kategorien > Absurd > Unheimlich

Rinderwahnsinn

von Darwidt

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Rinderwahnsinn

Josh McFadden war in jeder Hinsicht ein stattlicher Mann. Er hatte eine stattliche Figur, hochgewachsen, breitschultrig, kräftig und einen nicht zu übersehenden stattlichen Bauch. Dies war unter anderem auf seine Tätigkeit als Rinderfarmer und Schlachtereibesitzer zurückzuführen, was ihm auch eine stattliche Menge Geld eingebracht hatte.

Und er aß für sein Leben gern, hauptsächlich Fleisch selbstverständlich. Würde jemand behaupten Josh sähe aus wie jemand der schon so manche Kuh verschlungen hätte, so hätte derjenige nicht unrecht. Bei Josh konnte man allerdings getrost von Kühen sprechen.

Josh war leider auch für die armseligen Verhältnisse, unter denen seine Rinder litten, bekannt. Er ließ sie in engen Ställen zusammenpferchen und hemmungslos auf fetten ohne sich groß darum zu kümmern wie schlecht es den Tieren in ihrem kurzen, unglücklichen Leben ging.

„Tiere haben keine Rechte“, pflegte er zu sagen. „Sie sind hier um dem Menschen zu dienen. Ich tue nur was mein gutes Recht ist!“

Kritiker fegte er mit der Bemerkung ab, dass sich niemand über ein überwachsendes Blumenbeet öffentlich beschweren würde und man anständige Leute die Sonntags ihren Rasen mähten, auch nicht Massenmörder schimpfte. Tiere und Pflanzen waren für ihn das gleiche, nur das er von ersterem deutlich mehr aß.



Eines Tages fuhr Josh zu einem befreundeten Farmer, Hank, der ihn zum Essen eingeladen hatte. Sein Freund wohnte ein Stück außerhalb der Stadt in der Josh wohnte auf dem Land. Er freute sich sehr. Nicht nur hatte er seinen Freund seit längerer Zeit nicht gesehen, doch war dessen Frau auch eine ausgezeichnete Köchin und Grillmeisterin. Außerdem sollte er Hanks neue Herde begutachten, was ihn noch mehr freute, denn der Anblick von vielen gut genährten Rindern steigerte seinen Appetit.

Als er nach längerer Fahrt endlich an der Ranch seines Freundes ankam, wurde ihm ein herzlicher Empfang bereitet. Sie tauschten die üblichen Höflichkeiten und Geschichten aus alten Zeiten aus. Die unterschwellige Kritik, die Behandlung seiner Rinder angehend, überhörte Josh geflissentlich.

Nach einem üppigen Mittagessen führte Hank ihn zu der Weide auf der seine neue Herde graste. Es waren prachtvolle Tiere und Josh war hellauf begeistert. Er zögerte nicht dies seinem Freund mitzuteilen.

„Das sind verdammt nochmal die prächtigsten Viecher die ich je gesehen habe! Wo um alles in der Welt hast du die denn aufgetrieben?“, fragte er.

„Ein anderer Farmer hat sie mir verkauft. Er wollte sie eigentlich schlachten, aber aus irgendeinem Grund hat er sich dagegen entschieden und sie mir dann angeboten. Ich habe sie unter uns gesagt für einen Spottpreis gekauft. Er schien sogar fast erleichtert. Eine komische Sache.“

Josh runzelte die Stirn. Diese Tiere? Für einen Spottpreis? Vorsichtig erkundigte er sich um wie viel oder wie wenig Hank für die Herde hatte bezahlen müssen. Die Antwort schockierte ihn fast.

Es war ein lächerlicher Preis für eine Herde dieser Größe mit Tieren dieser Qualität. Er ärgerte sich, dass er es nicht gewesen war, der die Herde hatte kaufen können. Doch sein Geschäftssinn nahm Überhand und so fragte er kurzerhand seinen Freund, ob dieser ihm die Herde nicht verkaufen wollte. Hank zögerte, das plötzliche Interesse machte ihn misstrauisch und er hatte die Herde schließlich gerade erst gekauft. Doch als Josh ihm ein Angebot machte das fast viermal so hoch war wie das was er ursprünglich bezahlt hatte, willigte er ein.

Josh bestand darauf, dass die Sache gleich hier und jetzt abgewickelt werden solle und bat Hank einen Vertrag aufzusetzen. Er selbst wollte noch eine Weile bei der Herde bleiben.

Josh freute sich. Diese Rinder würden ihn reich machen, noch viel reicher als er es ohnehin schon war. Fleisch dieser Qualität würde er an teure Restaurants verkaufen können.

Während er ganz in Gedanken verloren am Zaun stand und bereits Geld zählte, trat eine Kuh vor ihn.

Er schreckte aus seinen Tagträumen auf. Wo war das Tier plötzlich hergekommen. Alle Kühe standen ein gutes Stück vom Zaun entfernt. Und eine Kuh konnte sich wohl kaum anschleichen. Er sah die Kuh an. Die Kuh sah ihn an, ihre Augen regelrecht auf ihn fixiert. Das beunruhigte Josh, noch nie hatte er erlebt, dass eine Kuh ihn anstarrte.

„Was glotzt du so blöde, du dämliches Vieh?“, raunzte er.

Die Kuh starrte ihn weiter an. Josh kamen plötzlich Bedenken. War es ein Fehler gewesen die Herde so schnell zu kaufen? Vielleicht waren die Tiere krank! Daran hatte er nicht gedacht. Er sah die Kuh erneut an. Sie starrte zurück, fixierte ihn geradezu. Josh wurde es unheimlich. Er wendete den Blick von ihr ab und sah auf. Er bekam fast den Schock seines Lebens. Dort auf der Weide standen alle Tiere still und sahen, nein starrten ihn an. Sie fixierten ihn mit einem, Josh konnte es nicht anders beschreiben, kalten Blick, was für Kühe unmöglich schien.

Was geschah hier? Die ganze Situation war völlig unrealistisch. Sein Herz begann schneller zu schlagen und ein unangenehmes Angstgefühl machte sich in ihm breit.

Dann öffnete die Kuh die ihn als erstes angestarrt hatte den Mund: „Duuuh!“, sagte sie. Sagte? Kühe konnten nicht sprechen! Kühe muhten! Aber Josh traute seinen Ohren nicht. Er atmete schwer und schloss die Augen. „Das muss ein Traum sein.“, sagte er zu sich selbst. „Du musst eingeschlafen sein.“

Doch dann hörte er es wieder: „Duuuh!“, sagte die Kuh!

Schiere Panik erfasste Josh, er drehte sich um und begann zu laufen, kam aber nicht weit, da er in Hank hineinlief der gerade wieder zur Weide zurückgekommen war.

„Hoppla“, sagte dieser. „Wo willst du denn so eilig hin?“

„Deine Kühe können sprechen! Und sie glotzen mich an!“, stieß Josh hervor.

Hank runzelte die Stirn. Josh hatte sicher einen Alptraum gehabt.

„Das kommt davon wenn man so viel frisst.“, dachte er.

Er sah zu den Kühen hinüber, die standen friedlich auf der Weide und grasten.

„Geht es dir gut?“ fragte er wohlwissend, dass dies offensichtlich nicht der Fall war.

„Ich…die Kühe…ich meine...“, brachte Josh hervor, während er auf die Weide starrte.

„Ich könnte schwören, dass sie mich angesehen haben.“, murmelte er schließlich.

„Ich glaube du hast ein wenig zu viel gegessen und zu lange in der prallen Sonne gestanden“, sagte Hank. „Das ist eine schlechte Kombination, lass uns wieder ins Haus gehen.“

„Du hast sicher Recht.“, murmelte Josh verlegen. „Mir ist auch ein wenig schwindelig.“

Sie gingen zurück zum Haus und sprachen für den Rest des Tages nicht mehr darüber. Josh nicht, weil es ihm peinlich war. Hank, weil er um das gute Geschäft fürchtete.

Ein paar Stunden später war der ganze Vorfall bereits vergessen. Dies lag nicht zuletzt an dem üppigen Abendessen das Hanks Frau servierte. Trotzdem bestand Hank darauf, dass Josh an diesem Abend nicht mehr nach Hause fuhr und in seinem Gästezimmer übernachten sollte.

Das war Josh ganz Recht. Die Fahrt war lang und es war spät und

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