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Kategorien > Humor > Satire

Robbenschubsen

von GOLES


An der deutschen Nordseeküste kauft man die Krabben am Kutter, trägt im günstigstem Fall gelbe Gummijacken und blaue Rollis, futtert Matjes im Stück, genießt Kartoffel, rote Beete mit gepökeltem Rindfleisch gepampt, und redet mit lauter Stimme.
"Her snackt man son beden anners..."
Das liegt 100%ig an der "steifen Brise", die einem um die Nase weht.
Man kann den salzhaltigen Wind für so ziemlich alles verantwortlich machen, was die nordische Person auszeichnet.
Angefangen mit jener undeutlichen Aussprache, dem Dialekt, dat Plattdütsch!
Stellen wir mal einen Münchner an die Kante der Steilküste und lassen ihn über Weißwurst, Hefeweizen und Oktoberfest berichten.
Schnell wird einem bewusst, wie schwierig es sich gestaltet, gegen das Getöse anzukommen und vernimmt, wie die Münchner Schnute vom Sturme zerdrückt, an Ausdruckskraft verliert.
Geben wir dem Süddeutschem Exemplar zwei Wochen Eingewöhnungszeit, werden wir bemerken, das nun auch er wesentlich lauter zu seinen Mitmenschen spricht und sein Dialekt genuschelt wird.
Die Eingeborenen Küstenbewohner reden seit ewigen Zeiten mit zusammengebissenen Zähnen, weil, wie auch der Bayer leidvoll feststellen musste, ansonsten der feine weiße Küstensand den Weg in die menschlichen Belüftungsorgane findet.
Wiegen wir die Sandmenge auf der Zunge, nachdem der Münchner "Madel" rief und sein nordischer Leidensgefährte "Deern".
2 Gramm mehr für "Madel"!
Rauer Wind, raue Stimme, raues Wesen...
Der Wind und das Wasser waren es, welche Menschen aller Welt mit ihren Schiffen zu uns trieben. Aus dem effektiven Handel seinerzeit, entwickelte sich eine Mischsprache, eine Art Fachjargon. Englisch, Niederländisch, Dänisch, gepaart mit Deutsch und Wind, kreierte unser nuscheliges "Platt".
Was Heute so oft von älteren Menschen bemängelt wird, das der Deutsche die schöne Sprache verunglimpft, würzt er den Umgangston mit englischen Happen, war damals bereits schon einmal geschehen.
Heute geht´s zum " Event", man plant im "Brainstorming", und "loost" bei einem "Date". Eine "Party" mit "Barbecue" ist nix weiter als eine Grillfeier... schon seit Urzeiten tragen wir den Pullover. Bei dem vergaßen wir sogar, das es im Prinzip ein "Überzieher" ist. Pull` over!
Doch zurück zu unserem Münchner.
Testen wir am schönen Amrumer Kniep, einem weiten Strand, seine Standfestigkeit.
Halten sich kugelige Bergsteigerwadeln ohne weiteres in tiefen Sandwehen?
Ja, die Waden sind stark, doch der Bergmensch, der Ursprüngliche, ist zu Kurz und es mach viel Mühe sich locker und flockig fortzubewegen. Wir können beobachten wie der Wikingertyp von Inselbewohner das Rennen gewinnt.
Am Abend spricht ein Flachländer wenig, das Bergwesen jedoch seppelt unaufhörlich. Erzählt der Hansi unermüdlich von seinen Erfahrungen, Erfolgen und gibt gestikulierend lustige Anekdoten zum besten, schweigt der Hannes, trinkt das kühle Blonde und schwört im Stillen, sich niemals in die Nähe eines Münchner Biergarten zu begeben.
Der Unterschied bei Elfi und Frida ist weniger gravierend.
Nordische Schafschnuten stehen ebenso selten still, wie die Mäulchen der Gebirgsziegen.
Bei jenem lehrreichen Aufeinandertreffen stieg der Geräuschepegel in der alten Friesenküche ins Ungeheuerliche.
Dieses zu Papier zubringen übersteigt mein Können und ich möchte es an dieser Stelle bei einer gestellten Szenerie belassen.
Man setze Frau Else Kling (Lindenstrasse) mit Frau Heidi Kabel (Ohnsorg Theater) an einen rustikalen Holzküchentisch vor 5 Kilo ungepulte Krabben...
Ø Red`s ka Schmarn, min oller Tüddelbüddel!<

Wir brauchen nicht fürchterlich weit in den Süden Deutschlands zu gehen, um nicht verstanden zu werden.
Auch ein mitteldeutscher Gartenfachmann scheitert bei dem guten alten "Knick".
Wieder ist der Wind in unseren Breitengraden schuld.
Damit er nicht den Sand vom Felde weht, schaffen geistreiche Küstenbauer eine schützende Feldbegrenzung, indem sie Buschwerk und Bäumchen pflanzen.
Dieser wird im 7 Jahresabstand gerodet...Somit geht ein Mann den Knick brechen, fällt er zukünftiges Brennmaterial.
Das Wort "PISCHERN" kennt auch nicht jeder.
Drehen wir wieder unseren Mund gegen den Sturm und rufen:
"PINKELN"
Na? Was geht einfacher?
...in den Knick pischern? ;0)))
Es ist eben alles eine Sache der Gewohnheit.
Unsere Münchner Vergleichsperson bekam nach der Testreihe einen "steifen Grog", war schlagartig still, kippte auf die Kücheneckbank und schlief tief bis zum nächsten Morgen.
Bei einem Gegentreffen war es das Hefeweizen, welches den gestandenen Nordmann an die Keramik fesselte...Er kannte binnen weniger Tage jedes öffentliche Toilettenhäuschen der bayrischen Hauptstadt.

Weltweit in den weiblichen Genen vorhanden, ist das Bedürfnis sich über Kinder und Kinderkriegen auszutauschen.
Unsere Nord- Süd- Studie zeigte, das wir Nordfrauen aufgrund unserer Fauna mehr Verständnis bei unseren "Bestäubern" finden.
Das seetaugliche Raubein begleitet sein Weibchen wie selbstverständlich zu den Schwangerschaftsgymnastiken. Liebevoll nennt er es das "Robbenschubsen".
Würde er doch auch nie eine echte Robbenkuh, hilflos auf Sand gelaufen, krepieren lassen.
Der Südmann punktete allerdings in Sachen Romantik und Charme!

Um den enormen Windstärken zu trotzen, erzielt der Nordmann mittleren Alters ein ansehnliches Kampfgewicht.
Erweitert der Südbursche lediglich seinen Bauchumfang, verteilt sich das Windundwetterpolster auf die gesamte Masse des Strandläufers.
Beim ehelichen Miteinander, Abends in der Koje, bekommt das "Robbenschubsen" einen neuen Blickwinkel!


Kommentare

a.f.@web.de schrieb:
das besste, was ich bis jetzt hier gelesen habe
toxin2004@web.de schrieb:
wirklich sarkastisch und originell geschrieben, einfach nett :-)
goles1@web.de schrieb:
Dankeschön ! ;0)))
mail@Karsten-Mekelburg.de schrieb:
Ich lese voller Verblüffung: "Der Südmann punktete allerdings in Sachen Romantik und Charme!" Die Bayern und Franken können damit unmöglich gemeint sein. Wo ist dieser sagenhafte Südmann zu bewundern? Wo nur, in Hamburg oder Bremen?

Zum Totlachen komisch geschrieben.

Karsten Mekelburg (Bekennender Nordi).
goles1@web.de schrieb:
Mein Lieber...Südmänner kommen gelegendlich ab höhe Köln zur Welt, sind aber überwiegend im bayrischem Land beheimatet. Je weiter südlich, desto romantischer...Bremen reicht nicht;0))))
LG Goles
Muehlnikelpetra@aol.com schrieb:
Lustige Story, gut geschrieben!
susebay@yahoo schrieb:
Hi Gole, Glückwunsch, gut auf den Punkt gebracht, klasse beobachtet und festgehalten... Werds gleich mal weiterempfehlen ;-) Gruss, Poersel

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