Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Detektivgeschichten > Noir

Roman Noir, Ein Teaser

von Dr.Soltberg

1

Teaser Roman Noir
Es war eine dämmrig dunstige Nacht, die da vor den großen Fenstern von Raymond Nightingales Apartment aufzog. Es war eine jener Nächte, wie es sie nur in viel zu großen und viel zu modernen Städten geben kann. Ein krankhaftes Orange pulsierte in der sternenlosen Nacht über Noir York City. Es folgte dem Herzschlag des Nachtlebens.
Nightingale saß regungslos in einem dunklen Ledersessel und sah durch die Fensterwand hinab auf die Stadt. Er trug einen braunen Trenchcoat und in der angewinkelten rechten Hand hielt er eine Zigarette. Seine Linke umschloss einen Tumbler mit bernsteinfarbener Flüssigkeit. Warmes, gedämpftes Licht im Farbton des Whiskys flutete das Zimmer, welches seine Heimat war.
Mit ausdruckslosen, melancholischen, alten grauen Augen blickte er hinab in das Schwarz, welches von den Lichtern der Großstadt durchbrochen war und seufzte tonlos.
Seine Lippen küssten den filterlosen Tabak und seine Lungen atmeten den blauen Rauch.
Es war Nahrung für die Seele. Sein Geist brauchte diese Stoffe, die seinen Körper langsam töteten. Er brauchte sie zum Überleben. Er hob das Glas und leerte die Morgenröte mit einem kräftigen, scharfen Schluck.
Dekadenz.
Diese Welt war ein abstraktes Gebilde, welches aus Dekadenz konstruiert war. Kein Statiker hätte erklären können, wieso das gesamte Konstrukt nicht längst zerfallen und eingestürzt war. Das Fundament dieser Perversion waren Lügen, Hoffnungen und Träume.
Wo lag da überhaupt der Unterschied?
Nightingale erhob sich, stellte sein Glas auf einen kleinen Glastisch und drücke seine Zigarette feinmotorisch auf dessen klarer, kalter Oberfläche aus.
Er stand am Fenster und spürte die Nachtluft durch das Belüftungssystem einströmen.
Es war eine spätsommerliche Herbstnacht. Sie schmeckte nach Leidenschaft, nach Fernweh und nach Einsamkeit. Er sog sie tief in seine Nüstern ein und schmeckte ihre Bestandteile, wie die eines teuren Weines.
Er war ein Sommelier. Der Einzige seiner Art. Ein Sommelier der Nacht.
Elektrizität lag in der Luft und er konnte die salzige Note eines nahenden Sturmes wittern, während gedämpfte Geräusche der Stadt zu ihm hinaufdrangen.
Unten in den Bars und Clubs fanden sich Menschen, verloren sich wieder. Auf den Straßen prallte Individuum gegen Individuum. Eines einsamer als das Andere. Menschen verschwanden, Menschen lachten, Menschen weinten, Menschen küssten sich und gaben sich ihren Sehnsüchten und Leidenschaften hin. Menschen konsumierten Drogen, fielen in Ohnmacht, starben. Es war nichts Außergewöhnliches daran. Es war Alltag in einer Stadt, wie dieser.
Menschen sprachen von Einsamkeit, Freundschaft, Liebe, Sex und Tod. Menschen vergaßen sich und ihre Umwelt. Manche von ihnen löschten diese Nacht für immer aus ihrem Gedächtnis.
Nightingale blickte sich um und sah nach dem alten schwarzen Telefon auf einem kleinen, weißen Tischchen neben seinem Bett. Keine Anrufe. Keine Nachrichten. Keine Aufträge.
Es waren seltsame Zeiten für Menschen, wie er eine war. Privatdetektive waren Gestaltenwandler. Sie waren der Metamorphose der letzten zweihundert Jahre unterworfen. Die Zeiten hatten sich geändert.
Nun war er unsichtbar, ein Schatten und manchmal weniger als ein Gedanke. Musste er sein.
Er überlegte ob er hinunter in die Stadt fahren und einen Gimlet in der Schwarzen Zitadelle trinken sollte. Keine Aufträge.
Doch Dinge würden geschehen. Die Ruhephase dauerte nun schon zu lang an.
Er blickte wieder hinab in die Tiefen der Häuserschluchten und im warmen Licht des Zimmers wirkten seine Falten sehr tief und er sehr alt.
Er fuhr sich fahrig mit einer Hand über das Kinn und spürte den Wiederstand seiner, nicht mehr ganz makellos schwarzen, Bartstoppeln.
Ein letzter Blick auf das Telefon und er raffte sich auf und durchquerte das Zimmer. Er zog die Karte durch das digitale Türschloss, drückte die Tür unsanft auf und ließ sie achtlos hinter sich ins Schloss fallen.
Er achtete nicht weiter auf die ruhige Männerstimme, welche ihn verabschiedete und die Einschaltung der Sicherheitssysteme vermeldete.
Eine solche Sanftheit und Zivilisiertheit konnte nur einer toten Stimme zu Eigen sein. Sie war zu menschlich um etwas Anderes als programmierte Illusion zu sein.
Der Gang war menschenleer.
Er rief den Aufzug und fuhr hinab.
Bald.
Dinge würden geschehen.
Sehr bald.
Nachtfall.

1

Kommentare

Julia schrieb am 2011-10-19 19:38:28:
Hallo! Wirst du den ganzen Roman schreiben? Oder ist er schon fertig? Dein Schreibstil ist wirklich der absolute Hammer, das meine ich ehrlich! Und bist du wirklich 1992 geboren?
franke,sina schrieb am 2011-10-03 14:28:10:
wunderbar, ich glaube ich habe waehrend des lesens vergessen zu atmen. alles war still und ruhig und doch irgendwie impulsiv. schoen wieder was von dir zu lesen.

liebe gruesse

xxxsinaxxx

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.