Ronnie
von
Sonja
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Ich lief durch die Straßen Kölns. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen mein Gehirn die Geräusche um mich herum gar nicht registrierte. Es war einfach nur Still, so als hätte jemand irgendwo den Lautlos-Modus eingeschaltet.
Alles was ich fühlte, war diese Leere.
So schön, so still!
Die wirren Stimmen in meinem Kopf, die andauernd redeten und doch nie etwas sagten, waren endlich verstummt. Wenigstens für ein paar Minuten. Und ich war so leicht. So leer, nur noch eine Hülle aus Nichts. Wenn nun ein Windstoß käme, er würde mich mitnehmen. Hinauf in den Himmel. Dort, wo ebenfalls nur Leere existierte. Eine wunderschöne Vorstellung. Meine Vorstellung von Freiheit! Von einer Sekunde auf die andere, so als hätte jemand einen Schalter umgelegt, war alles wieder da. Die Geräusche brachen wie ein Wasserfall auf mich hinunter, so heftig, so plötzlich, dass ich vor Schreck zusammen zuckte. Die Ungnade der Realität, hatte mich aus meiner Welt gerissen.
Ich schloss die Wohnungstür auf, unwillig, weil ich gerne noch draußen geblieben wäre. Ich ging ohne ein Wort zu sagen in mein Zimmer und schloss die Tür hinter mir. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, und sah aus dem Fenster. In den Himmel. Ich war erfüllt von Sehnsucht, wünschte den Moment herbei, und wusste doch, dass er so schnell nicht wieder kommen würde. Ich kann geschlossene Räume nicht ausstehen. Ich muss raus, immer! Aber jetzt denke bitte nicht von mir, ich sei so ein Naturfreak, der nach draußen geht, um in der Wildnis zu übernachten, oder so. Nein ganz im Gegenteil, ich liebe die Stadt! Und ich weiß, bald wird mich nichts mehr halten. Diese Stille hier, in der Wohnung, erdrückt mich. Und ich spüre es, bald ist es soweit. Bevor mich diese Macht zerquetscht, werde ich aufspringen, mein Zeug packen und verschwinden. Für immer! Was mit meiner Familie ist, fragst du dich jetzt vielleicht? Um es nüchtern auszudrücken, habe ich keine Familie. Ich lebe mit meinen zwei Erzeugern hier, im fünften Stock, in einer kleinen Wohnung. Sie sind da, und trotzdem abwesend. Sie reden nicht mit mir. Ich bin nur ihr Sohn. Aber gut, ich brauch die ja auch nicht! Bin schon immer gut allein klar gekommen. Brauch auch keine Freunde. Ich hab ja mich, und die Stimmen. Es würde mich sowieso niemand verstehen. Ich bin anders. Das hast du wahrscheinlich auch schon gemerkt. Ob du jetzt denkst, dass ich verrückt bin? Kannst du machen. Mir ist das egal, inzwischen ist mir alles egal!
Ich weiß nicht, warum ich das tue. Dir meine Geschichte erzählen. Willst du sie denn überhaupt hören? Ich gehe einfach mal davon aus. Wo ich jetzt bin? Ich sitze auf einer kleinen Mauer, in einer kleinen Stadt, deren Name ich vergessen hab. Ist ja auch nicht wichtig, oder? Ich mein, es ist doch viel wichtiger wie ich hier hingekommen bin! Sagen wir so, nach unserem letzten Gespräch sind vielleicht noch zwei Tage vergangen. Dann war es soweit. Dann hab ich mir mein Zeug geschnappt, bin einfach aus der Wohnung gestürmt. Ich bin gerannt, weil ich wusste, dass es nie ein Ende geben wird. Ich könnte mein ganzes Leben lang rennen, ohne Grenze. Ich war so frei, so unglaublich leicht. Der nächste Windstoß nahm mich mit. Ich flog tatsächlich! Ich sah nur noch meine Füße, die abwechselnd kamen und wieder verschwanden. Ich weiß nicht wie lange ich gerannt bin. Das nächste, an was ich mich erinnere ist, das ich an einer Bushaltestelle aufwachte. Es musste früh am Morgen gewesen sein. Ich stieg in den nächsten Bus, ohne darauf zu achten wo er hinfuhr. Als ich schließlich ausstieg, war das erste was ich sah ein Streifenwagen. Und in diesem Moment wurde mir klar, das ich unmöglich in Köln bleiben konnte. Ich musste wo anders hin. In eine andere Stadt, eine große Stadt! Ich nahm die nächste Straßenbahn und fuhr zum Bahnhof. Von meinem ganzen Geld, kaufte ich mir ein Ticket nach Berlin. Auch wenn sie nach mir suchen würden, in Berlin würden sie mich niemals finden! Ich überlegte keine Sekunde. Verschwendete keine Gedanken daran, was ich ohne Geld in Berlin machen sollte. Es war mir egal. Damals dachte ich, ich bräuchte kein Geld zum Leben. Alles was ich brauchte, hatte ich: FREIHEIT.
Die Freiheit, überall und jederzeit dort hingehen zu können, wo ich hin wollte. Mehr brauchte ich nicht, mehr wollte ich nicht. So jetzt im nach hinein frage ich mich, ob alles anders geworden wäre, wenn ich nicht nach Berlin, sondern in irgendeine andere Stadt gefahren wäre. Ob ich jetzt glücklicher wäre, wenn ich Zuhause geblieben wäre. Aber das sind alles nur leere Fragen. Und ehrlich gesagt, will ich ihre Antworten gar nicht wissen. Es ist wie es ist und fertig! Du fragst dich, was in Berlin passiert ist? Was mich dazu gebracht hat vielleicht ein bisschen zu zweifeln? Doch eigentlich will ich gar nicht über Berlin reden.
Eigentlich, will ich noch nicht einmal daran denken! Kann ich auch nicht. Denn der Ron, der in dieser Zeit gelebt hat, ist tot. Tief vergraben, irgendwo in mir drin. Der Ron, der in Berlin war, der Ron der mit den vielen Männern mit gegangen ist. Der Ron der so viel Unfassbares gemacht hat, der hat es nicht verdient zu leben. Und doch ist er da, irgendwo in mir drin. So lange er da ist, fühle ich mich schmutzig, hab so oft versucht alles abzuwaschen, doch es bleibt. Dieses Gefühl, das sich nicht beschreiben lässt. Eine Mischung aus Verzweiflung, Ekel und Hass. So unglaublich mächtig, das es sich nicht abwaschen lässt. Immer da ist.
Nachts, wenn ich versuche zu schlafen, dann kommen sie. Die vielen Stimmen in meinem Kopf. Sie fangen an, es mir zu erzählen. Alles, was dieser Ron in Berlin getan hat. Jedes schmutzige Detail, sie lassen nichts aus. Ich möchte dann immer schreien, so laut, dass ich sie nicht hören muss. Und nach jedem, so erschöpfenden Abend, wird er größer. Der Wunsch endlich wieder frei zu sein. Ich bin schon so lange nicht mehr geflogen. Seit Berlin, bin ich zu schwer! Die ganzen Gefühle halten mich in Schach, drücken mich runter. Und die Stimmen freuen sich. Sie reden und reden, und diesmal kann ich sie sehr wohl verstehen. Ich hasse es, ich hasse sie, ich hasse mich. Ich hasse diese kleine Stadt, ich hasse Berlin, ich hasse Köln, ich hasse alle Leute denen ich begegne. Nur seltsamerweise hasse ich die nicht. Die, mit denen ich mitgegangen bin. Die die mich benutzt haben. Die, die aus mir einen Gegenstand zum anfasse und angucken gemacht haben. Ich kann sie nicht hassen, so sehr ich mir das auch wünsche, es geht nicht! Bin ich denn verrückt?? Was ist nur los mit mir? Ich spüre etwas in mir hochkommen, etwas das ich nicht beschreiben kann, was ich bewusst noch gar nicht begriffen hab. Aber ich weiß, dass ich darauf warte, was es auch sein mag.
Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, denn ich höre jemanden meinen Namen rufen. Ich dreh mich um, und sehe eine Frau auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Gerade in dem Moment, in dem ich mich frage, ob ich mich verhört habe, reißt die Frau auf einmal ihre Augen auf und ihr bleibt der Mund
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Kommentare
Sonja schrieb am 2008-08-07 22:01:17:
Nein, eigentlich nicht.
Ich habe mir gedacht, dass jeder einzelne sich entscheiden kann, wie die Geschichte ausgeht.
Ich denke bei so einem Thema, ist es wichtig nicht alles vor zugeben, deshalb habe ich ja auch die "interessanten" Teile weggelassen. Lass deiner Fantasie einfach freien Lauf:D!
Danke für dein Kommentar
LG Sonne
Gimliy schrieb am 2008-08-02 15:48:35:
Hi, deine Geschichte ist interessant. Gibt es eine Fortsetzuung?
Gimliy
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