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Kategorien > Mysterie > Begegnungen

Rote Augen

von Pablo Venedig

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Abends saß ich gern vor der Tür. Die Jahreszeit spielte dabei keine Rolle. Ich beobachtete die Bewegungen der Blätter, das Heulen des Windes oder die ersten Regentropfen, die vor mir auf dem Granit landeten. Wir wohnten direkt am Wald. Schaute ich nach rechts, konnte ich Menschen beobachten, die im Wald einen Spaziergang gemacht hatten und langsam aber sicher aus ihm hervortraten. Nur im Sommer sah ich abends ein paar Sparziergänger, sonst verirrten sich kaum Menschen in unser kleines grünes Wunder.
Nachdem ich mehrmals ohne besondere Vorfälle nach einer halben Stunde wieder zurück ins Haus kehrte, sah ich eines Abends ein Wesen aus dem Wald schlurfen, auf mich zukommen und vor mir haltend. Es sah mich durchdringend an. Es konnte weder sprechen noch kommunizieren. Es stand einfach vor mir und starrte mich mit seinen großen Augen an. Immer dann wenn es auftauchte, war niemand sonst mehr zu sehen. Versuchte ich aufzustehen, leuchteten seine Augen rot auf und gaben einen grellen Ton von sich. Dies ließ mich vermuten, dass es mich damit zum Sitzenbleiben auffordern wollte.
Das Wesen tauchte nie zur selben Zeit auf. Manchmal laß ich ein Buch oder eine Zeitschrift und bemerkte gar nicht, dass es plötzlich vor mir stand und mich immer öfters mit roten Augen anfunkelte. Ich hatte manchmal ein wenig Angst, doch es kam nie näher als 2 Meter an mich heran.
Es tauchte nie dann auf, wenn ich nicht alleine war. Ich versuchte es jemandem zu zeigen, doch an den Abenden tauchte es dann nicht auf. Niemand glaubte mir.
War ich dann nach einigen Tagen wieder allein auf meiner Treppe, funkelten seine Augen umso stärker, wenn es wieder mal vor mir stand. Es hatte Arme und Füße, die leblos hinunter hingen. Die Beine waren dürr und erinnerten an einen dünnen Baumstamm.
Als ich eines Abends fast zwei Stunden vor der Tür gesessen hatte, stand ich auf und bewegte mich Richtung Haustür. Seine roten Augen durchleuchteten mich von hinten. Ich schaute hinter mich. Es hatte sich in meine Richtung bewegt. Für jeden Schritt, den ich tat, tat es ebenso einen Weiteren. Ich blieb stehen, das Wesen verharrte. Angst schoss in mir hoch. Verfolgte es mich? Wollte es vielleicht mit hinein gehen? Schnell sprang ich in den Flur, knallte die Tür hinter mir zu und ließ mich zu Boden sinken. Danach brach das Chaos aus.
Das Wesen lief immer und immer wieder gegen die Tür, es stieß dabei spitze Schreie aus. Die roten Augen schimmerten durch die Glastür. Ich entfernte mich von der Tür und die Schreie wurden lauter. Was ging hier nur vor sich? Schnell rannte ich in meine Wohnung und nahm das Telefon in die Hand. Wieso hatte ich bis jetzt nie daran gedacht, dieses Wesen zu melden? Ich rief die Polizei an. Ich musste wahnsinnig sein. Wer wusste, was dieses Wesen mit mir vorhatte? Als ich auflegte, sah ich bereits ein rotes Licht vor mir im Flur auf mich zukommen. Schnell sprang ich hinter die Küchentür und verharrte dort. Wie war es durch die stabile Haustür gekommen? Was wollte es von mir? Totenstille. Durch einen kleinen Spalt am Rand der Tür sah ich eines seiner kleinen Arme. Es stand direkt auf der anderen Seite der offenen Tür. Die Polizei war verständigt, sie würde jede Minute kommen...

"Lass mich mal durch, mach Platz", schrie ich. Ich arbeitete erst seit einem Jahr bei der örtlichen Polizei und wusste nicht, was mich erwartete. Wir waren vom Hausbesitzer angerufen worden und waren sofort losgefahren. Mir wurde nur mitgeteilt, dass die angegebene Person sich in Lebensgefahr befindet. Niemand hatte mir gesagt, was gesehehen war. Ich war dankbar dafür, dass ich den Hausbesitzer gesund und munter kurze Zeit später sitzend vor mir sah. "Warum hatten sie angerufen? Was ist passiert?". Der junge Mann saß vor seiner Tür, als wir ankamen. Er hatte ein Buch in der Hand. "Alles in Ordnung? Warum haben Sie die Polizei verständigt?". Der junge Mann legte sein Buch zur Seite und stand von der Treppe auf. "Alles in Ordnung! Ich lebe alleine hier und hatte eine plötzliche Panikattacke! Es ist alles gut, ich möchte mich entschuldigen, dass ich Sie hergeholt habe, es geht mir schon wieder besser!".
Mit dieser vermutlichen Ausrede verabschiedete ich mich wieder von dem jungen Mann und bat ihn, niemehr umsonst die Polizei zu verständigen. Als ich auf der Rückbank saß und nochmal etwas notierte, schaute ich einmal kurz nach hinten, um zu sehen, ob er wieder in seinem Buch versunken war. Ja das war er. Als wäre nie etwas gewesen.
Als der Motor aufheulte und wir losfuhren, schaute ich ein letztes Mal nach hinten und er schaute gleichzeitig zu mir hoch. Wie aus dem Nichts färbten sich seine Augen rot und funkelten mich an. Ich drehte mich schnell um. "Gib Gas, fahr los!". Das funkelnde Rot verfolgte mich noch tagelang. Ich würde niemals jemandem davon erzählen....

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Kommentare

lisa und mary schrieb am 2010-08-10 17:59:00:
Hi leute geil

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