Rubytown - Alice (2/2)
von
Mary
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Wir gingen ihn das Wohnzimmer. Der alte Kamin, die vielen Bücher, der alte Teppich und der rote Sessel. Glücklich atmete ich die staubige Luft ein. Wir verbrachten eine dreiviertel Stunde damit in den alten Büchern zu lesen. Nun, ICH las. Chiara suchte nach Büchern über Magie, Ungeheuer, Engel, Dämonen… Ich hatte mich daran gewöhnt. Um ca. 8 Uhr hörten wir ein Auto. Das war 100%%-ig unsere Großmutter. Ruben und Diane suchten uns bestimmt. Sie wussten nicht das wir die Villa liebten. Unsere Eltern wussten vieles nicht. “Shit!” fauchte Chiara. “Was?” fragte ich. “Ich muss ins Haus. Meinen Laptop holen.” “Warum?” “Darum! Bleib weil hier, bin in spätestens einer Viertelstunde wieder hier.” Und schon verschwand sie. Ich bekam Lust mich im Haus umzusehen. So spazierte ich herum und freute mich über die kleinen Dinge in dem großen Haus. Ich kam an eine verschlossene Tür. Verwirrt versuchte ich durch das Schlüsselloch zu sehen. Ein Bett. Sehr elegant. Ich starrte einfach nur in das Zimmer, es war sehr hell. Ein großes Fenster, leicht geöffnet. Wundervolle, lange Vorhänge die sich leicht bewegten. Das Zimmer strahlte einen zauberhaften Glanz und etwas Geheimnisvolles aus. Warum war es verschlossen? Das irritierte mich. Kein Zimmer war verschlossen. Wir waren zwar noch nicht so oft hier gewesen, aber… bis jetzt war jedes Zimmer offen gewesen. Nur mühsam riss ich mich los und ging weiter in den kleinen Gang. Meine Gedanken kreisten um das wundervolle Zimmer. Die Gestalt bemerkte ich nicht. Ich drehte ich mich um und sah in die Richtung des geheimnisvollen Zimmers. “Hey! Wer bist du?” Der Satz kam so unerwartet, das ich mich umdrehte und heftig erschrak. Ich schrie und mein Gegenüber schrie auch. Ich wusste dass ich eigentlich allein sein sollte. War ich aber nicht und so warfen die alten Wände unsere Schreie zurück.
Meine Schreie verhallten und ich sah entsetzt auf die Gestalt vor mir. Die fing an zu reden. “BIST - DU - NOCH - GANZ - RICHTIG?!?!” brüllte mich diese an. Ich hielt meine Klappe, denn ich war so entsetzt das ich einfach nicht reden konnte. “Was?!” fauchte mich das Mädchen an. Wie erstarrt blickte ich sie an. Dann lächelte sie plötzlich. Ich fand meine Sprache wieder. “Du… Dudu… A-also…” stotterte ich herum. Sie lachte laut auf. Ihre helle, glockenklare Stimme war schön. Sie war vielleicht 16. Das alte Kleid das sie anhatte… Meine Großmutter würde ausflippen vor Freude. Es war hellblau und einfach. Unten war es ein bisschen zerfetzt und es waren überall Schleifen und Bänder. Ihre langen, braunen Haare hatten einige Locken und sie passten einfach super zu dem Kleid. Das Mädchen war wunderschön. Aber es gab nur einen Makel. “Hast du noch nie einen Geist gesehen?” fragte sie mich. “Nein.” antwortete ich ihr. Nun war ich sauer. “Sag mal bist du wahnsinnig? Du hast mich total erschreckt!” Sie grinste. “Sorry!” Sie war etwas bleich und schimmerte leicht bläulich. “Es war schon lange niemand mehr hier.” flüsterte sie leise. “Wir sind erst hergezogen. Uns gehört das Haus auf der anderen Seite.” “Ahja. Ich hab den Umzugswagen gesehen.” Sie lachte wieder. “Übrigens, ich heiße Alice.” “Lucy. Meine Schwester Chiara müsste gleich wiederkommen. Sie wird von dir begeistert sein. Ein echter Geist!” Meine Wut war verflogen und nun lächelte ich. “Warum ist das Zimmer dort vorne eigentlich verschlossen?” Sie zuckte mit den Schultern. “Keine Ahnung.” “Woran bist du gestorben?” fragte ich neugierig. Wieder zuckte sie mit den Schultern. “Ich weiß es nicht. Plötzlich war ich tot.” Es schien ihr gar nichts auszumachen. Ich unterhielt mich eine ganze Weile mit ihr. Für eine Tote kannte sie sich gut mit der modernen Zeit aus. Sie kannte und wusste zwar nicht alles, aber dennoch war es beeindruckend. Sie erzählte mir dass früher eine reiche Familie hier lebte, bevor hier eine Stadt existierte. “Warum ist das Haus verlassen?” “Es wollte niemand mehr haben. Wahrscheinlich bin ich auch daran schuld.” Sie grinste verlegen. “Die Villa gehört nun der Stadt. Es ist historisches Kulturgut.” “Wow.” Ich war beeindruckt. Außerdem mochte ich Alice. Sie war verrückt, aber einfach liebenswert. Als wir redeten, durchquerten wir die ganze Villa. Sie zeigte mir verschiedene Zimmer und erklärte mir Wissenswertes dazu. Wir merkten nicht wie die Zeit verrannte. Irgendwann fragte mich meine neue Freundin wo überhaupt meine Schwester blieb. “Keine Ahnung. Sie sollte schon längst hier sein. Ich werde nachsehen gehen. Ich komme morgen wieder! Bye.” “Tschüss!!” Lachend winkte sie mir. Ich glaube sie war glücklich dass sie eine Freundin gefunden hatte.
Leise betrat ich unser Haus. Wohl nicht leise genug. Chiara raste wutschnaubend auf mich zu und raunte mir leise ins Ohr: “Du schuldest mir was! Ich hab diese Helena angerufen, damit sie sagt dass du bei ihr bist! Denn unsere lieben Eltern wundern sich wo du bleibst! Und unsere Großmutter hat mich in der Mangel! Du schuldest mir was Großes!!” “Da hab ich schon was!” verkündete ich leise und bemerkte erst jetzt, dass sie ein pinkes Kleid trug. “Wie siehst du denn aus?!” fragte ich prustend. Sie zog ein Gesicht das sehr, sehr sauer aussah. “Halt bloß die Klappe!“ fauchte sie und verschwand. Lächelnd betrat ich die Küche und ließ den Nachmittag über mich ergehen.
“MRS. DARNAMOUR MÖCHTEN SIE VIELLEICHT DEN UNTERRICHT HALTEN?!” hallte eine Stimme durch die Klasse. Ich schreckte auf. “Was?” fragte ich verwirrt. Mrs. Loon stand vor mir und sah mich verärgert an. “Möchten sie vielleicht den Unterricht halten? Denn anscheinen können sie den Stoff schon!” Frech grinsend sah ich sie an. “Wenn ich denn Stoff schon könnte, müsste ich sie schon längst nicht mehr ertragen.”
“Wow, Nachsitzen. Schon wieder.” Dean lächelte mich an. “Wie immer halt?” Ich lächelte zurück. “Wie immer halt. Kommst du mit zu Alice?” “Klar.” Wir hatten uns alle mit Alice angefreundet. Nun Helena akzeptierte sie, hatte aber Angst und ging eigentlich nie mit, wenn wir sie besuchten. Chiara war natürlich fasziniert von ihr. Alice war für mich eine extrem gute Freundin geworden. Leider hat sie mir bis heute nie gesagt, was genau in dem Zimmer ist oder warum es verschlossen ist. Sie spricht kaum über die vergangen Zeiten. Das fand ich ein wenig traurig, aber was soll’s. Irgendwann erfahre ich schon noch wem das Zimmer gehörte und was für eine Geschichte es hat…
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