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Kategorien > Alltag > Depressives

Ruf der Verzweiflung

von BSK

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Ruf der Verzweiflung
Einleitung
Vor mir liegt das Mathebuch. Ich blicke darauf hinunter und kann mir keinen Reim darauf machen, wie die Rechnung vor sich geht und wie ich den nächsten Rechenschritt machen soll. Zwischendurch blicke ich aus dem Fenster und sehe, wie die Wolken am Himmel vorüberziehen. Schnell versinke ich tief in Gedanken und bin auf dieser Welt einfach unerreichbar. Denn meine Gedanken sind bei meinen Freunden und bei demjenigen in den ich mich so unendlich verliebt hatte. So tief in Gedanken verschwimmt alles um mich und die Zeit vergeht wie im Fluge. Außerdem nehme ich die Geräusche und alles um mich herum nicht mehr war. Plötzlich klopft es leise an der Tür und meine Schwester streckt den Kopf ins Zimmer: „Samantha, kommst du langsam runter zu uns, denn wir wollen jetzt essen“. Seufzend blicke ich auf das Mathebuch und antworte, dass ich sofort kommen werde.
Ich bin Samantha, 15 Jahre alt und gehe nun in die neunte Klasse. Doch immer wieder frage ich mich wie lange noch. Denn seit ich hier, in Regensburg, wohne, sind meine Noten im tiefsten Kellerbereich. Was früher noch mein Lieblingsfach war, wurde hier zu einem der schlimmsten Fächer. Hier lernte ich auf Hobbys zu verzichten, die mir sehr am Herzen liegen. Seit einem halben Jahr geht das schon so. Doch das Problem ist, dass ich lerne. Sogar so viel, wie ich es noch nie in meinem Leben getan hatte. Doch wenn ich wieder einmal in der Schulaufgabe sitze, fühlt sich mein Hirn wie ausgebrannt an und ich mache Fehler die ich beim Üben nie gemacht hatte. In mir drängt sich mehr und mehr eine Verzweiflung auf, die mich zu rücksichtlosen Taten führt.
Oft frage ich mich, ob ich irgendeine Begabung habe, was ich sehr bezweifle. Jedoch gibt es da eine, die ich aber keinem anvertrauen kann, da mich dieser dann für verrückt halten würde. Seit einiger Zeit habe ich bemerkt, dass ich spüre in welcher Stimmung sich die anderen Menschen befinden. Dies klappt nicht nur bei Menschen die mir vertraut sind, sondern auch bei welchen, die ich gar nicht kenne. Vielleicht haben sie deshalb in der alten Klasse mir alle ihre Probleme anvertraut. Ich habe immer ein offenes Ohr für jeden und versuche den anderen zu helfen.
Wieder ertönt ein Ruf zum Essen und ich verbanne meine Gedanken. Schnell gehe ich hinunter, um das Essen möglichst schnell hinter mich zu bringen.

Satt und mit ein wenig Bauchschmerzen sitze ich wieder an meinem Schreibtisch und blicke verständnislos auf mein Matheheft hinunter. Nach einer halben Stunde habe ich immer noch Schwierigkeiten die Aufgabe zu lösen und schlurfe ins Bad, um meinen Kopf in das glasklare kalte Wasser zu halten. Als ich mein Spiegelbild sehe, sage ich mir, dass ich es schaffen muss und auch werde. Und dabei werde ich keinerlei Rücksicht auf mich nehmen. Obwohl ich Kopfweh habe lerne ich weiter. In mir sind die Worte ich muss ..., egal was es kostet.
1 Woche später
Verschwommen nehme ich das Blatt vor mir wahr. Die Schulaufgabe: Note 5. Ich habe es wieder nicht geschafft, obwohl ich alle Aufgaben im Buch bearbeitet hatte. Das ganze Lernen war ohne Erfolg. Meine Schmerzen ohne Belohnung. In den letzten Tagen hatte ich so viel gelernt, dass ich starke Kopfschmerzen, ja sogar Fieber bekommen hatte. Außerdem hatte ich aus lauter Zeitmangel fast nichts gegessen und so war mir morgens immer schlecht gewesen. Verzweifelt graben sich meine Fingernägel in meinem Arm... immer und immer fester. Doch ich spüre den Schmerz kaum, schließlich ist es die Note und ich selber die mir Schmerzen zufügen. Als es blutet lasse ich endlich los und begreife was ich gerade getan habe. Ich fühle mich so dumm, so unwissend. Mein tränenüberflutetes Gesicht sagt meinem Spiegelbild: „Ich bin einfach zu dumm“. Diese Worte hallen in meinem Kopf wider. Obwohl ich eine Woche Kopfweh wegen des Lernens gehabt hatte, hatte ich weiter gelernt, ohne ein gutes Ergebnis erzielt zu haben. Immer wenn ich in diesem Zustand bin, habe ich das Verlangen mir weh zutun, als Strafe das ich so blöd bin. Das Verlangen mich zu kratzen oder einfach auf meine Zimmerwand einzuschlagen. So dumm.... so unwissend.... was konnte mich nur so in die Tiefe ziehen, dass ich mir wegen der Schule selbst Schaden zufüge, auch wenn ich es hinterher bereue? Als ich mich letztes Mal mit der Nagelschere geschnitten hatte, wusste ich hinterher gar nicht mehr wieso ich so die Beherrschung verlieren konnte.

3 Wochen später
Es ist passiert. Ich habe mich richtig verliebt. Doch das Gefühl lässt Erinnerungen hochkommen, die mich damals so unglücklich gemacht hatten.
Es hatte bisher noch nie geklappt. Vor einem Jahr war ich so in einen Jungen verliebt, dass ich noch immer an ihn denke, an manchen Abenden, oder wenn die Töne einer Geige erklingen. Wieso sollte ich mir also Hoffnungen machen? Den gleichen Schmerz könnte ich nicht noch einmal vertragen, also sollte ich mich gar nicht erst hineinsteigern. Aber mit den Noten wird er mich sowieso nicht haben wollen. Vor allem habe ich im Moment genug Probleme mit mir selber. Vielleicht ist es die Unzufriedenheit oder vielleicht sind es auch die Noten, die mich sogar in meine tiefsten Träume begleiten. Und nun auch noch das... noch ein Grund mehr, dass Probleme entstehen können.
Das schrille Klingeln des Telefons durchschneidet meine Gedanken. Verwirrt nehme ich den Hörer ab und melde mich. „Hallo Sammi! Hast du vielleicht Lust mit in die Stadt zu kommen?“ Zögernd erwidere ich, dass ich heute noch so viel lernen muss und es kam zurück: „ Jetzt komm, du musst dir mal eine Pause gönnen und mal etwas für deine Seele tun. Außerdem kommt Felix auch mit und das wird bestimmt ein Heidenspaß werden!“ Katja... weiß sie etwa davon, dass Felix mein absoluter Traumtyp ist? Nach langem Überlegen stimme ich schließlich zu.
„Hi Samantha!“ begrüßt mich Felix freundlich und umarmt mich. Ich fühle mich einer Ohnmacht nahe und erwidere die liebe Umarmung, die meinen Körper sich auf wundersame Weise fröhlich fühlen lässt. Katja kommt nun auch hinzu und grinst mich an. Weiß sie wohl etwas davon? Hat sie ihn wegen mir gebeten mitzukommen? schießt es mir durch den Kopf. Zu dritt gehen wir langsam in ein kleines Café, um eine Cola zu trinken. Dabei unterhalten wir uns und ich muss, wie schon so lange nicht mehr, lachen.
Die Noten sind vergessen... ich sehe nur diese glitzernden Augen und seinen Mund, wenn er lacht. Er strahlt so eine Fröhlichkeit aus, dass man sich in seiner Gegenwart einfach nichts anderes als Wohlfühlen kann. Nur einmal war ich so verliebt gewesen und es fällt mir sehr schwer es mir gegenüber zuzugeben, da ich mir vorgenommen habe mich nicht wieder zu verlieben, weil die Enttäuschung einfach so viel Kummer mit sich bringt und ich es mitsamt den schlechten Noten nicht mehr aushalten könnte. Doch haben mich beide, Katja und Felix, aufgemuntert und motiviert. Ich fühle mich stark und gut vorbereitet für die nächste Prüfung. Denn mir ist klar,

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Kommentare

Gimliy schrieb am 2008-06-11 17:57:26:
Echt mitreißend! Super. Die Geschichte ist einfach sehr gut, mir fällt nichts ein, was man kritisieren könnte^^ Mach so weiter mit Schreiben. Ich hoffe, du bist im wirklichen Leben nicht so verzweifelt. Wenn doch, dann wünsche ich dir alles Glück, was du brauchst, um wieder hoch zu finden. Gib die Hoffnung nie auf! Gruß: Gimliy

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