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Kategorien > Alltag > Menschliches, Allzumenschliches

SChatzi-Mausi & Ich: WI(E)DER DAS VERGESSEN

von RHAZARD

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Wieder einmal war es Abend geworden. Ich hatte es mir auf der Couch gemütlich gemacht. Das Fußballspiel wurde gleich angepfiffen. Ein kritischer Blick in die Runde bestätigte mir: Es war alles da. Alles in Griffweite bereit gestellt. Bier. Flaschenöffner. Chips. Zigaretten. Feuerzeug. Aschenbecher. Haben wir was vergessen? Kurzes Überlegen. Nein, hatte ich nicht. Oder? Abermals ein kurzes Überlegen. Nee, ... Beruhigt wandte ich meine Aufmerksamkeit dem Fernseher zu.

Mögen die Spiele beginnen! Der Ball kam ins Rollen. Dann fiel auch schon das erste Tor und mir plötzlich ein, dass Schatzi-Mausi nicht da war. Ich sah mich um. Wo war sie? Auf jeden Fall nicht hier. Daraus ergab sich zwangsläufig, dass sie woanders ein musste. Bloß: Wo?

Und während ich noch so dasaß und mir langsam, aber sicher die schemenhafte Erinnerung kam, dass sie heute ja einen ihrer VHS-Kurse gehabt hatte und ich sie eigentlich abholen hätte müssen, erklang das Geräusch eines Schlüssels, der im Schloß umgedreht wurde. Völlig durchnässt kam sie zur Türe rein. Draußen schien es geregnet zu haben. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte meine Theorie teilweise. Es sah schlimmer aus: Rohrbruch im Himmel. Sintflut. Schatzi-Mausi warf ihre Tasche in die Ecke. Tropfte. Zog ihre nasse Jacke aus. Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Und wenn man(n) nicht weiß, was man(n) sagen soll, dann hält man(n) besser die Klappe. Das Schweigen wurde dann von Schatzi-Mausi gebrochen:

„Du hast mich vergessen!“, erhob sie die Anklage. „Schon wieder!!“

Einspruch, Euer Ehren! „Das ist nicht richtig!“, versuchte ich mich zu verteidigen. Es blieb bei einem Versuch. Einem schwachen Versuch.

„DU!“, schrie sie. „HAST ... MICH ... VER ... GESSEN!!“ Oh, je! Jetzt hatte ich es mal wieder geschafft. Jetzt hatte ich sie wieder verärgert. Und das, obwohl ich nichts gemacht habe. Bei näherer Betrachtung war das wohl genau das Problem: Ich hatte eben nichts gemacht.

„Ich hab´ es nicht vergessen!“ So wollte ich das nicht auf mir sitzen lassen. „Mir ist es nur zu spät eingefallen!!“

„Das ist doch immer das Gleiche mit dir!“ Schatzi-Mausi ging ins Badezimmer. Zog sich dort aus. Und um.

„Gar nicht wahr!“, protestierte ich. Und zwar zu Recht! Ich mache nicht den gleichen Fehler immer wieder. Ich mache jedes Mal einen anderen! Heißt es nicht, aus Fehlern wird man klug? Und darum ist einer nicht gut genug? Das dachte ich mir. Aber ich habe mich nicht getraut, ihr das zu sagen. Es wäre einfach taktisch unklug gewesen. Frei von jeder Art diplomatischen Geschicks ...
Schatzi-Mausi hatte inzwischen ihr Nachthemd an. Ging ins Schlafzimmer. Knallte die Tür zu. Und schwieg mich von dort aus an. Alles sehr theatralisch. Und nicht ohne Wirkung auf mich. Ich fühlte mich mies. Schäbig. Wie Abschaum. Das Schlechte Gewissen nagte an mir wie ein bösartiger Tumor. Ab diesem Moment war es völlig ausgeschlossen, dass ich den Rest vom Fußballspiel in aller Ruhe bis zum Ende genießen konnte. Was blieb mir anderes übrig, als der Gang nach Canossa? Nichts! Nur eine flehentliche Bitte um Vergebung und Verzeihung: Die einzige Chance. Aber: Keine Chance! Schatzi-Mausi hatte die Schlafzimmertüre abgesperrt. Offenbar schien sie vollstes Verständnis dafür zu haben, wenn ich heute Nacht auf der Couch übernachten wollte. Unglücklicherweise wollte ich das gar nicht. Also: Konnte ich nur noch eines tun ...

Ich musste ihr als Zeichen meines Schuldeingeständnisses und meiner Reue eine ganz besondere Art der Buße anbieten.

„Soll ich ... Soll ich gehen?“

Keine Antwort. Ich hielt diese Art der Reaktion, bzw. diese Art der Nicht-Reaktion für ein Ja. Zog mir deshalb meine Jacke an. Ging zur Tür. Beim Dönermann meines Vertrauens dürfte schon noch ein Sitzplatz für mich frei sein. Und es bestand auch noch die Möglichkeit, dass ich mir das Fußballspiel dort in aller Ruhe bis zum Ende angucken könnte ...

Die Türklinke hatte ich schon in der Hand. Dann kam sie raus. Sah mich an.

„Also?“, fragte ich nochmal nach, um auch wirklich sicher zu gehen: „Soll ich ...?“ Die Tür wurde langsam geöffnet. Schatzi-Mausi schüttelte müde den Kopf.

„Nee, lass´ mal.“ Das erzeugte bei mir einen `Hä?´-Effekt: „Wirklich?“

„Mhm. Lass´ gut sein. Komm´ her.“ Sie streckte mir ihre Hand hin. „Bleib´ da.“ Ich tat es. Sie nahm mich in den Arm. Sagte:

„Man kann manche Dinge einfach annehmen ... Oder sich dagegen wehren, nicht wahr?“

Ich verstand nichts. Nur Bahnhof. Schatzi-Mausi legte ihren Kopf an meine Brust.

„Menschen ändern sich nicht. Da kann man nichts dagegen tun. Sie sind so, wie sie sind.“

„Was meinst jetzt damit?“

„Mir ist gerade mal wieder klar geworden, dass man jemand so annehmen muss, wie er is´.“ Sie sah mich an. Mir tief in die Augen: „Ich lieb´ dich. So wie du bist. Auch wenn´s nich immer leicht mit dir ist.“

Meine Gedanken rasten. Ist das so? Wirklich?? Ein weiser Mann (Fragt mich bloß nicht, wer das gewesen sein soll!) hat mal gesagt, dass man die Menschen wegen ihrer Stärken mag und wegen ihrer Schwächen liebt. Aber ist das echt so? Bei Schatzi-Mausi offenbar schon. Trotzdem: Das konnte ich ihr nicht einfach so vorbehaltlos glauben. Aber: Es schien zu stimmen. So wie sie mich jetzt ansah, ging es ihr tatsächlich wieder ein bißchen besser. Ich schloß Schatzi-Mausi in die Arme. Sie ihre Augen. Und da war er wieder: So ein Moment, in dem ich mein Schatzi-Mausi über alles auf der Welt liebte. Ganz einfach nur, oder eben gerade weil sie so ist, wie sie eben ist ...

„Aber, ...“, sprach Schatzi-Mausi dann und zwang mich, ihr tief in die nunmehr stahlharten Augen zu blicken. „Wenn du mich noch einmal im Regen stehen lässt, dann bring´ich dich um!!!!!!!"

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Kommentare

RHAZARD schrieb am 2007-11-18 14:14:13:
Danke dir. Positive Kritik ist immer wieder was schönes. Das gibt einem echt was. Und ich dachte schon, die "SchatziMausi & Ich - Serie" würde den Leuten gar nicht gefallen.
Dr.Muff schrieb am 2007-11-16 19:39:28:
Wie wahr, wie wahr!!! Sehr schön!! ;-) Insbesondere der "Rohrbruch im Himmel"....Cool!!!! ;-)

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